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Heftige Vorwürfe an Ministerin : „Sagen Sie ehrlich: Sie wollen nicht!“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der frühere Landestheater-Intendant Horst Mesalla geht in einem offenen Brief mit Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) hart ins Gericht

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erstellt am 10.Apr.2015 | 15:45 Uhr

Schleswig | Vor 15 Jahren hat sich Horst Mesalla in den Ruhestand verabschiedet. Zuvor leitete er von 1974 bis 2000 das Schleswig-Holsteinische Landestheater. Jetzt schaltet sich der Ex-Intendant in die aktuelle Debatte um die Zukunft seines einstigen Hauses ein. Er hat einen offenen Brief an die Kieler Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) geschrieben – und darin markige Worte gewählt. Mesalla kritisiert die Ministerin für ihre Entscheidung, kein Landesgeld für ein neues Theater in Schleswig zur Verfügung zu stellen, spricht dabei von „kulturfeindlichen Aussagen“ und stellt die Frage: „Ist Ihnen als Ministerin nicht bewusst, dass die Existenz des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters dem Tanz auf der Klinge eines Rasiermessers gleicht und dass Sie mitverantwortlich sein werden an der eventuellen Schleswiger Kündigung aus der Landestheater GmbH, die das Theaterwesen im nördlichen Landesteil in eine schwere Krise stürzen wird, an dessen Ende weniger Kultur in Schleswig-Holstein und Personalentlassungen in Schleswig stehen werden?“

An mangelndem Geld, so glaubt Mesalla, könne Spoorendonks Ablehnung nicht liegen. Seine Begründung: „Entgegen einem rechtskräftigen Gerichtsurteil hat Ministerpräsident Albig trotzdem abgewiesenen Asylbewerbern ein befristetes Bleiberecht erteilt, wohl wissend, dass dadurch zusätzliche Kosten für das Land in vielfacher Millionenhöhe verursacht werden. Schließlich kostete dann diese freiwillige Geldausgabe 9,5 Millionen Euro. Mit dieser Summe wäre der Pflicht, das Theaterwesen im nördlichen Landesteil zu bewahren, offensichtlich problemlos Rechnung zu tragen.

Einmal in Fahrt gekommen, legt Mesalla in Richtung der Ministerin nach und wirft ihr gar eine „Retourkutsche“ als Motivation für die Absage an Schleswig vor: „Sagen Sie doch ehrlich: Sie wollen nicht! In Schleswig soll es in Zukunft kein Theater mehr geben. Offensichtlich wollen Sie sich an den Schleswiger Volksvertretern rächen, von denen Sie sich in Sachen Hesterberg beleidigt fühlen. Warum lehnen Sie Geld für den Bau eines Theaters am Lollfuß ab, obwohl Sie es doch schon für den Hesterberg zugesagt hatten? Das kann kein normaler Mensch nachvollziehen.“ Zusätzlich greift er auch Spoorendonks Rolle als Vertreterin der Partei der dänischen Minderheit auf: „Können Sie sich nicht vorstellen, dass Sie dadurch als Ministerin der dänischen Minderheit zwischen den beiden Volksgruppen wieder Gräben aufreißen, die verantwortungsvolle Politiker vor Ihnen längst zugeschüttet hatten?“

Auch die Forderung der Ministerin, Schleswig solle eine Spielstätte bauen, „die nicht vielmehr als fünf Millionen Euro“ kostet, stößt Mesalla übel auf. Diese Aussage zeige leider, so schreibt er an Spoorendonk, „dass Sie von Kultur keine Ahnung haben und in Ihrem Amt überfordert sind. Für diese Summe können Sie einen schönen modernen Kuhstall für die Massentierhaltung bauen, aber kein Theater für Schauspiel, Oper, Operette, Musical, Ballett, für Sinfoniekonzerte und Konzerte mit vollem Orchester und Chor“. Als Ministerin für Kultur obliege ihr nach der Verfassung von Schleswig-Holstein in der Fassung vom 2. Dezember 2014 der Schutz und die Förderung der Kultur und, dass sie Schaden davon abwende. „So haben Sie auch in Ihrem Amtseid gemäß Artikel 35 geschworen. Ihr jetziges Handeln im Falle des Theaterneubaus in Schleswig sowie des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und Sinfonieorchesters, einem der bedeutendsten Kulturträger des Landes, steht im Gegensatz zu Ihren verfassungsgemäßen Pflichten. Somit sind Sie als Ministerin für Kultur eine Fehlbesetzung und ein Schaden für das Land.“

Am Ende seines Briefes betont Mesalla, dass er nicht zu den „schweigenden und verzweifelten Menschen gehöre, die mit der Politik der Regierenden unzufrieden sind, sich radikalisieren oder in die erschreckend hohe Zahl der Nichtwähler einreihen“, sondern hoffe, in einem demokratischen Gemeinwesen durch ein klares, begründetes Wort etwas zu bewegen. Ob Anke Spoorendonk ihm sein abschließendes „Hochachtungsvoll“ abnimmt, ist zumindest anzuzweifeln.

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