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Schleswiger Nachrichten

18. November 2017 | 09:37 Uhr

Schleswig : Sackgasse wird zur Dauereinrichtung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Polierteich und Kattsund bleiben für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Reaktionen auf die Entscheidung der Stadt fallen unterschiedlich aus.

von
erstellt am 16.Okt.2017 | 07:10 Uhr

Gut ein Jahr ist es jetzt her: Am 28. November 2016 hat die Stadt Ernst gemacht und die Straßen Polierteich und Kattsund für den Durchgangsverkehr gesperrt. Seitdem steht an dem engen Durchlass an der Wassermühle ein Bauzaun samt Warnleuchten. Als Reaktionen auf fast zehn Jahre andauernde Proteste insbesondere der Anwohner des Polierteiches. Sie beklagten, dass vor ihren Hauseingängen, die teilweise direkt auf die Straße führen, viel zu oft viel zu schnell gefahren wurde. „Jetzt aber ist es richtig schön ruhig und vor allem sicher. Wir hoffen, dass das so bleibt“, sagt Anita Hesse – und spricht damit wohl stellvertretend für einen Großteil ihrer Nachbarn.

Als die Stadt die Straßen im vergangenen Jahr zu Sackgassen machte, sprach man im Rathaus zunächst nur von einem Versuch. Man wolle beobachten, wie die Neuerung bei den Anwohnern aber auch bei den anderen Schleswigern, die die beiden Straßen oft als Abkürzungsweg zwischen Gallberg und Stadtfeld genutzt haben, ankommt. Ergebnis: „Es gab keinerlei Reaktionen aus der Bevölkerung zur Sperrung der Durchfahrt Kattsund/Polierteich, also weder zustimmende noch ablehnende Stimmen. Die Verwaltung interpretiert dies so, dass mittlerweile in der Bevölkerung Akzeptanz für diese Lösung besteht“, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage.

Auch Bürgermeister Arthur Christiansen hatte während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses erklärt, dass die Sackgassen-Lösung für die beiden Straßen dauerhaft bestehen bleibe. „Uns liegen keinerlei Erkenntnisse vor, warum wir das ändern müssten“, sagte er – und antwortete damit auf eine Frage von Frauke Vorpahl von der Stadtbäckerei Hagge, die am Gallberg ihren Sitz hat. Sie hatte schon im vergangenen Jahr heftig gegen die Sperrung der Durchfahrt protestiert, weil sie Einbußen für ihr Geschäft befürchtete. Inzwischen fühlt sie sich bestätigt und wiederholte deshalb ihre Kritik. Dabei fand sie deutliche Worte: „Was da gemacht wurde, ist – auf Deutsch gesagt – für den Arsch“, schimpfte die stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL) und konnte sich auch im Anschluss an die Erklärung des Bürgermeisters nur schwer beruhigen. „Das geht alles gar nicht“, meinte sie.

Viele Anwohner sehen das derweil ganz anders. „Fast niemand ist hier früher Schrittgeschwindigkeit gefahren. Man musste manchmal wirklich Angst um sein Leben haben“, sagt Knut Hesse. Er und seine Frau Anita gehören übrigens zu den über 40 Bewohnern aus Polierteich und Kattsund, die sich im vergangenen Februar zu einem gemeinsamen Punschfest getroffen haben, allein um die Sperrung ihrer Straßen zu feiern. Auch eine Art der Meinungsäußerung.

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