Künftige Justizministerin aus Lürschau : Sabine Sütterlin-Waack: „Das riecht noch genauso wie früher“

Studiert den Koalitionsvertrag im heimischen Garten: Sabine Sütterlin-Waack (59) soll eines von drei CDU-geführten Ministerien in der künftigen Landesregierung unter Daniel Günther führen. Damit wird die CDU im Kreis Schleswig-Flensburg erstmals seit Gerd Lausen, der von 1973 bis 1978 Finanzminister war, wieder einen Ressortchef auf Landesebene stellen. Die promovierte Juristin Sütterlin-Waack, Mutter zweier erwachsener Söhne und in zweiter Ehe verheiratet, sitzt seit 2013 im Deutschen Bundestag. Seit 2011 ist sie Bürgermeisterin in Lürschau.
Studiert den Koalitionsvertrag im heimischen Garten: Sabine Sütterlin-Waack (59) soll eines von drei CDU-geführten Ministerien in der künftigen Landesregierung unter Daniel Günther führen. Damit wird die CDU im Kreis Schleswig-Flensburg erstmals seit Gerd Lausen, der von 1973 bis 1978 Finanzminister war, wieder einen Ressortchef auf Landesebene stellen. Die promovierte Juristin Sütterlin-Waack, Mutter zweier erwachsener Söhne und in zweiter Ehe verheiratet, sitzt seit 2013 im Deutschen Bundestag. Seit 2011 ist sie Bürgermeisterin in Lürschau.

Die designierte Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack über Erinnerungen aus dem Leben einer Politikerfamilie und die Harmonie im Jamaika-Bündnis.

alf clasen.JPG von
20. Juni 2017, 16:04 Uhr

Frau Sütterlin-Waack, als Sie vor vier Jahren in den Bundestag eingezogen sind, haben Sie erstmals die große politische Bühne betreten. Jetzt werden Sie Justizministerin in Schleswig-Holstein. Da kann man wohl von einer steilen Karriere sprechen.

Ja, das ist sicherlich nochmal ein Schritt weiter. Ich freue mich natürlich über das Vertrauen von Daniel Günther, dass er mich gerne in diesem Amt sehen würde.

Wann ist er eigentlich auf Sie zugekommen?

Daniel Günther hat mich mit Abschluss der Koalitionsverhandlungen gefragt, ob ich das Justizressort leiten möchte.

Mussten Sie lange überlegen?

Ja. Weil ich sehr gerne Bundestagsabgeordnete bin und die Tätigkeit sehr schätze. Auf der anderen Seite werde ich als Ministerin noch mehr Verantwortung tragen.

Sie stammen aus einer Politikerfamilie. Ihr Großvater Werner Schwarz war Bundeslandwirtschaftsminister, Ihr Vater Henning Schwarz unter anderem lange Justizminister in Schleswig-Holstein. Da war es doch eigentlich vorgezeichnet, dass auch Sie einmal Ministerin werden, oder?

Vor vier Jahren habe ich noch an meinem Anwaltstisch gesessen. Also war das überhaupt nicht vorgezeichnet. Im Gegenteil: Für uns als Kinder war das eher abschreckend. Unser Vater war selten zu Hause, und wenn er da war, dann mussten wir immer leise sein. Ich habe nicht die allerbesten Erinnerungen daran, auch wenn es natürlich noch andere Zeiten waren. Ein Vorteil ist vielleicht, dass die Hemmschwelle für mich nicht ganz so groß ist, weil man doch irgendwie mit solch einem Posten vertraut ist.

Wie wird das Gefühl sein, in die Fußstapfen des Vaters zu treten?

Es wird ein komisches Gefühl sein, wenn ich in das Justizministerium komme, wo ich als Kind oder junges Mädchen immer mal wieder meinen Vater abgeholt habe. Ich war jetzt noch gar nicht da, aber ich habe das Haus vor einigen Monaten einmal für ein Gespräch zum Thema Betreuungsrecht aufgesucht. Als ich da rein kam, dachte ich: Das riecht noch genauso wie früher und es sieht noch fast genauso aus wie früher. Wahrscheinlich haben die dort auch eine Ahnengalerie, und da wird dann auch mein Vater hängen. Das ist schon etwas Besonderes.

Was haben Sie sich für das Amt vorgenommen? Was wollen Sie anders machen als die Noch-Justizministerin Anke Spoorendonk?

Ich muss eines ganz klar sagen: Bei den Kontakten, die ich bis jetzt ins Haus hatte, habe ich immer wieder gehört, welcher Respekt der jetzigen Ministerin entgegengebracht worden ist. Sie hat den Job wirklich gut gemacht. Aber ich habe mir natürlich auch ein paar Dinge vorgenommen. Ich möchte einiges verändern und das liegt nicht nur am neuen Ressortzuschnitt.

Zum Beispiel?

Ich will mich um die personelle Ausstattung der Justiz kümmern. Auf die Justiz kommen in den nächsten Jahren erhebliche Anforderungen zu. Und dann kommt als Neues der ganze Bereich Verbraucherschutz hinzu. Aufgrund meiner Arbeit im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz im Bundestag muss ich auch in diesem Bereich keinen Kaltstart hinlegen.

Anders als Ihre Vorgängerin werden Sie nicht für Kultur zuständig sein.

Thematisch passt das vielleicht auch ein bisschen besser in das Bildungsministerium. Es war sicherlich der besondere Wunsch der Amtsvorgängerin, dass sie die Kultur in ihrem Hause hatte.

Gerne übernommen hätten Sie die Bundesangelegenheiten...

Das stimmt. Aber ich habe absolutes Verständnis dafür, dass der Ministerpräsident das in die Staatskanzlei holt. Es spricht sehr viel dafür, dass dieser Bereich beim Chef der Landesregierung angesiedelt wird.

Sie waren das erste Mal bei Koalitionsverhandlungen dabei. Die Gespräche waren anfangs, so hieß es, von großer Harmonie geprägt. Und dann standen die Verhandlungen zwischendurch plötzlich vor dem Scheitern.

Die Sondierungsgespräche waren zu Anfang wirklich von erstaunlicher Harmonie geprägt. Da hatte man das Gefühl: Alle wollen diesen Neuanfang wagen. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. In den Arbeitsgruppen, in denen wir tiefer in die Sachthemen eingestiegen sind, traten dann eben auch Differenzen auf. Da war ich fast beruhigt. Und dann hat’s auch ordentlich geknallt. Aber das hat Daniel Günther ganz großartig gelöst, indem er die widerstrebenden Interessen geeint hat.

„Jamaika“ ist ein Experiment. Haben Sie noch Zweifel, dass es im Verlauf der nächsten fünf Jahre scheitern könnte?

Nachdem ich erlebt habe, wie die Spitzen der jeweiligen Parteien menschlich miteinander umgehen, bin ich überzeugt, dass das klappt. Das hat auch Daniel Günther gesagt: Koalitionen scheitern an Personen und nicht an Sachthemen.

Was werden Sie an Berlin am meisten vermissen?

Vor allem die Themen im Familienrecht, die ich sehr gerne bearbeitet habe. Ich werde auch die Kollegen vermissen, denn ich bin jemand, der gerne im Team arbeitet. In der Landesgruppe und im Rechtsausschuss haben sich schon sehr enge persönliche Bindungen ergeben. Und natürlich finde ich Berlin als Stadt großartig. Den Flair der Hauptstadt werde ich sicherlich das eine oder andere Mal vermissen. Vielleicht behalte ich einen Koffer in Berlin.

Um Ihre Nachfolge im Bundestagswahlkreis 1 bewerben sich Petra Nicolaisen und Helge Lehmkuhl. Wer ist aus Ihrer Sicht der geeignetere Kandidat?

Es steht mir nicht zu, das zu bewerten. Das wird die Mitgliederversammlung in ihrer eigenen Weisheit entscheiden. Aber ich bin Petra Nicolaisen schon sehr eng verbunden. Wir haben sehr kollegial zusammengearbeitet. Und sie ist diejenige, die als Landtagsabgeordnete bekannter ist. Ich glaube, dass sie die besseren Chancen hätte, den Wahlkreis zu gewinnen. Obwohl auch Helge Lehmkuhl hohe Sachkenntnis hat und in der Region Schleswig gut vernetzt ist.

Bleiben Sie Bürgermeisterin von Lürschau oder fehlt dafür künftig die Zeit?

Ehrlich gesagt war das jetzt schon grenzwertig. Ich war als Bundestagsabgeordnete wirklich viel unterwegs. Es hat in den letzten Monaten nur geklappt, weil ich hier so gute Vertreter hatte. Manchmal war ich wegen der Termine schon etwas verzweifelt. Ich bin im Amt Arensharde ja auch noch Schulausschussvorsitzende, und wir müssen die Schullandschaft neu regeln. Rechtlich gesehen kann ich Bürgermeisterin bleiben, weil man als Minister ehrenamtliche Tätigkeiten weiter ausüben kann. Aber ob ich das mache, muss ich mit den Gemeindevertretern in der nächsten Sitzung besprechen. Ich möchte jedenfalls verhindern, dass irgendwie ein Geschmäckle bleibt.

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