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Domschule Schleswig : Russland-Austausch liegt auf Eis

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Partnerschaft der Schleswiger Domschule mit St. Petersburg ist beendet – eine Folge des Ukraine-Konfliktes.

Der Konflikt in der Ukraine ist weit weg. Und auch Deutschland und Russland, die historisch und kulturell doch einiges verbindet, bewegen sich immer weiter voneinander weg. Das hat inzwischen auch Auswirkungen auf die Domschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte man dort das Fach Russisch eingeführt, um mit den „Feinden reden zu können“ – mit Unterstützung von russischen Kriegsgefangenen. Im Jahr 2007 startete die Schule dann einen Schüleraustausch mit St. Petersburg, der nach und nach zur festen Institution wurde. Bis zu 20 Schüler besuchten jährlich die Partnerschule in der Zarenstadt. Im vergangenen Jahr nun wurde der Austausch erstmals gestrichen. Und auch in diesem Jahr wird es keine Neuauflage geben. Zukunft ungewiss. Der Grund: Zu groß waren und sind, mit Blick auf den Ukraine-Konflikt, die Sorgen der Eltern.

Domschulleiter Georg Reußner, selbst Russischlehrer, hat zwar Verständnis für die Sorgen der Eltern, spricht aber gleichzeitig von einer „unerfreulichen Entwicklung“. Erst kürzlich sei eine Kollegin noch einmal in Russland gewesen, um die Situation zu besprechen. Ergebnis: Die Zusammenarbeit mit der bisherigen Partnerschule ist beendet. „Auch in anderen Schulen hat man sehr zurückhaltend auf unsere Anfragen reagiert“, sagt Reußner, der in diesem Zusammenhang von „Anweisungen von oben“ spricht.

„Viele Russen sind verunsichert, ob der Kontakt mit Deutschen ein schlechtes Bild auf ihre Schule werfen könnte“, schildert auch Katrin Höft von der Stiftung deutsch-russischer Jugendaustausch auf SN-Nachfrage. Das wiederum befürchtet auch Domschullehrer Udo Riniewitz. Er kennt die andere Perspektive von Bekannten aus Russland und ist der Meinung, dass bei der Invasion der Krim vor einem Jahr „die Bevölkerung nicht unter Druck gesetzt wurde, sondern sich diese zum ersten Mal befragt gefühlt habe.“. Deshalb bevorzuge er den Ausdruck „Beitritt“ zu Russland. Die Kämpfe um die ukrainische Stadt Debalzewe nennt Riniewitz hingegen eine „Katastrophe mit Ansage“.

Den Zwölftklässler Christian Elsässer, dessen Eltern Spätaussiedler aus Kasachstan sind, regt in erster Linie die „einseitige Berichterstattung der westlichen Medien“ auf: „Es fehlt die Objektivität. Oft werden Vermutungen als Fakten ausgegeben.“ Der Westen schiebe Russland die Schuld in die Schuhe und die Russen tun dies genau andersherum, betont Christian. Die in Kasachstan geborene Maria Zimbelmann geht hinsichtlich der Medien noch ein Stück weiter: „Das ist nur noch Hetze.“ Dem deutschen Fernsehen zieht sie inzwischen den russischen Sender Nowosti Na Perwom vor: „Dort werden beide Seiten beleuchtet und die Ereignisse chronologisch abgearbeitet.“ Ihr Lehrer Riniewitz führt den Aspekt Objektivität in Bezug auf die Austauschprojekte fort: „Man kann natürlich fragen, ob Begegnungen jetzt sinnvoll sind. Denn eine neutrale Haltung ist schwierig.“ Diese werde ja nicht nur dadurch erschwert, dass die Sanktionen gegen Russland negative Folgen für die dortigen Gastgeber haben, wie Riniewitz aus erster Hand weiß, sondern auch dadurch, dass auf beiden Seiten Kampfbegriffe benutzt würden: Die eine Seite spreche von „Putinfreunden“ und die andere bezeichne die Europäer als die „fünfte Kolonne der USA“.

Noch im vergangenen Frühjahr reiste Riniewitz mit einer Gruppe von Mittelstufenschülern nach Tscheljarbinsk in den Südural mit dem Wunsch der dortigen Lehrer und Gasteltern – und dem eigenen Ziel –, sich ein „unvoreingenommenes Bild von Russland zu machen.“ Es habe sich gelohnt, resümiert er und plädiert dafür, „Realpolitik zu betreiben und gewisse Dinge auszuklammern.“ Dass selbst die ideologischen Gegensätze des Kalten Krieges Raum für Diskussion ließen, weiß Reußner, der sich an kontrovers geführte Gespräche mit einer sowjetischen Delegation erinnert.

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erstellt am 21.Apr.2015 | 07:29 Uhr

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