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Rundgang durch das bröckelnde „Stadt Hamburg“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Investor erläutert Pläne/ Kein Abrisstermin, aber Radweg wieder frei

Der letzte Blockbuster, der dem Metro-Kino an der Einfahrt in den Lollfuß über Monate einen vollen Saal bescherte, war die „Titanic“. Das ist 15 Jahre her. Auf die Geschichte vom Untergang des legendären Ozeanriesen folgte der Untergang eines der markantesten Gebäude in der Stadt. Erst schloss das Kino im Erdgeschoss des Hotels „Stadt Hamburg“. Wenig später gingen auch im Hotel die Lichter aus. Seit 2001 bröselt das Gebäude vor sich hin. Die Eigentümer wechselten. Mehrmals sollte das Gebäude abgerissen werden, das wurde immer wieder verschoben.

Gestern war das Haus zum ersten Mal seit Jahren wieder ganz legal zugänglich. CDU-Bürgermeisterkandidat Frank Neubauer hatte das „Stadt Hamburg“ als Startpunkt für einen Stadtteil-Rundgang gewählt. Mit dabei: Eigentümer Ingo Stoll. Damit aber beginnen auch schon die Schwierigkeiten. Denn tatsächlich ist Ingo Stoll noch gar nicht der Eigentümer. Das Grundstück gehörte zuletzt seinem Bruder Volker, der am Karfreitag dieses Jahres starb. Die Immobilie soll jetzt in das Eigentum der Stoll Haus GmbH übergehen. Aber, so Ingo Stoll: „Es sind noch nicht alle erbschaftsrechtlichen Dinge geklärt – mit Banken und allem Drum und Dran.“ Während der dies erklärte, stand er dort, wo sich früher die Rezeption des Hotels befand. Die etwa 20 Teilnehmer des Rundgangs konnten sich selbst ein Bild davon machen, wie marode die Bausubstanz inzwischen geworden ist. „Vor sechs, sieben Jahren wäre es noch möglich gewesen, das Gebäude zu retten“, sagte Ingo Stoll. Er selbst habe sich noch vor kurzem mit diesem Gedanken beschäftigt. „Es wäre doppelt so teuer wie ein Neubau und nicht zu refinanzieren.“ Auch auf Neubauers Anregung, wenigstens die Fassade stehen zu lassen, reagierte Stoll zurückhaltend. Zumindest hatte er pünktlich zum gestrigen Termin die nötigsten Sicherungsarbeiten an der Fassade erledigt. Der seit zweieinhalb Jahren gesperrte Radweg vor dem Gebäude ist nun wieder geöffnet.

Die Tage des stattlichen Gebäudes sind also gezählt. Der Termin für den Abriss steht aber noch nicht fest. Zunächst möchte Stoll mehrgeschossige Wohnbauten auf dem hinteren Bereich des Grundstücks errichten – mit Blick auf den Schlossgraben (wir berichteten). Die Firma Stoll Haus mit einem Jahresumsatz von 25 Millionen Euro habe die nötige Stärke, das Projekt umzusetzen, auch wenn es schwieriger zu vermarkten sei als zum Beispiel Neubauten in Hamburg. Geht alles glatt, dann beginnen die Bauarbeiten im nächsten Frühjahr.

Ob das Hotel schon dann verschwindet oder erst später, ist ebenso offen wie die Frage, was an seine Stelle tritt. Es gebe verschiedene Ideen und mehrere Interessenten, sagte Stoll. Zum Aussehen eines Neubaus sagte er: „Baut man traditionell, kriegt man Rüffel. Baut man modern, kriegt man auch Rüffel.“ Er deutete an, welche Art von Rüffel er vorzieht: „In Einfahrtssituationen einer Stadt ist eine provokante Architektur sehr interessant.“

 

 

 

 

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erstellt am 05.Sep.2013 | 12:08 Uhr

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