Rum statt Rose – wohl bekomm’s!

hannes

von
16. Januar 2015, 15:17 Uhr

Die vergangene Woche war für die Touristiker in Glücksburg keine glückliche. Erst die unnütze Diskussion, ob man Gäste zukünftig an einen Fjord oder an eine Förde locken soll, und dann das: Die Rosenkönigin muss abdanken! Niederschmetternd für all jene, die glaubten, die kleine Stadt mit jungen Damen, Robe und rosigen Wangen nach vorn bringen zu können. Viel Verantwortung auf wenigen zarten Schultern. Rosenkönigin hier, Rosenkönigin da – der Sommer-Terminkalender der Majestät und ihres Gefolges war stets prall gefüllt, die Reisekasse dafür umso leerer. Klar, dass eine ehrenamtliche Majestät das Zepter bei so viel Knausrigkeit irgendwann in die Ecke schmeißt.

Nun muss also Ersatz her. Und weil man im Kreisnorden inzwischen erkannt hat, dass Alleingänge in der touristischen Vermarktung nicht viel bringen, zudem die Rose nun wirklich kein Alleinstellungsmerkmal für die Förde-Region sein kann, wird händeringend nach einer Symbolik gefahndet, die nicht nur für Glücksburg, sondern auch für die großen Nachbarn Flensburg und Harrislee sowie das kleine Langballig stehen kann. Im übertragenen Sinne die eierlegende Wollmilchsau, die auch noch mit attraktiver, voraussichtlich femininer Note zu repräsentieren wäre. Schließlich hat Glücksburg außer einem Rosarium nur die eigene royale Tradition mitsamt Schloss, ein wenig Tourismus und ein Not leidendes Schwimmbad zu bieten, Langballig einen kleinen Hafen und Harrislee seine Ziegelei-Tradition. Das alles zusammenzuführen, ergäbe eine Erscheinung ähnlich Bernd dem Brot mit Badehose und Dreizack – das wäre zu Repräsentationszwecken wenig schmeichelhaft.

Nun gibt es in Deutschland ja schon manche Kuriosität unter den Repräsentanten: eine Rhododendron-Prinzessin, eine Porzellan-, eine Zuckerrüben- und eine Schwanenkönigin. Im Ländle (wen wundert es) residiert sogar eine Zahnkönigin, die im Patientenmagazin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung namens „Lückenlos“ für Zahnersatz wirbt. Marketingexperten sind ja so erfinderisch. Aber was es noch nicht gibt, da trifft der neue Obertourismusvermarkter Gorm Casper den Nagel auf den Kopf, das ist eine Rumkönigin. Zwar gibt es nur in Flensburg eine Rumtradition, doch die ist unzweifelhaft so fundiert, dass auch die Nachbarschaft daran teilhaben könnte. Schließlich gab es unter den Flensburger Reedern, die im 19. Jahrhundert Zuckerrohr für die mehr als 20 Rumhäuser herantransportierten, auch so manchen Seefahrer, der in Glücksburg oder Harrislee lebte und dort Spuren hinterlassen hat.

Rum statt Rose – das hat was. Welcher Messebesucher kann schon an einer Werbe-Ikone vorbei, die ihn nicht nur in schmucker Robe und Schärpe anlächelt, sondern ihm auch noch einen feinen Jamaika-Verschnitt reicht. Da können die Kornkönigin aus Haselünne (Niedersachsen), die unzähligen bajuwarischen Bier- und hessischen Weinköniginnen aber einpacken. Ganz nebenbei ließe sich für die Majestät auch noch das ein oder andere Trinkgeld abstauben. Glücksburg aufgepasst: Eine Königin, die sich gegebenenfalls selbst finanziert und die leere Stadtkasse schont. Sowas haben nicht mal die Briten. Wohl bekomm’s!

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