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Seniorpartner : Ruheständler möchten Schülern in Not helfen

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erstellt am 29.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Für manche Schüler an der Auenwald-Regionalschule in Böklund sind sie fast wie Oma oder Opa: Erika und Bernd Wiedemann aus Schaalby kommen einmal in der Woche an die Regionalschule, und dann können Kinder und Jugendliche ihnen ihr Herz ausschütten. Es geht um Probleme mit Mitschülern, mit den Eltern und manchmal auch mit Lehrern. Die beiden 73-Jährigen hören zu, und die Schüler können sich darauf verlassen: Alles, was sie erzählen, wird vertraulich behandelt. "Weder Eltern noch Lehrer werden von uns irgendwas hören, wenn die Schüler das nicht möchten", sagt Erika Wiedemann.

Hinter dem Projekt steht der Verein "Seniorpartner in School" (SIS), der in Schleswig-Holstein bereits an mehr als 20 Schulen aktiv ist - außer in Böklund unter anderem in Flensburg, Kappeln und Sterup. Jetzt möchte SIS auch in der Stadt Schleswig Fuß fassen. Im Oktober und November bietet der Verein deshalb eine Fortbildung für interessierte Senioren an, die sich über insgesamt zehn Tage erstreckt. Die Flensburger SIS-Vorsitzende Barbara Knoth stammt selbst aus Schleswig und möchte das Angebot schon seit langem auch auf die Schleistadt ausdehnen. Jetzt sucht sie nicht nur nach interssierten Senioren, sondern auch nach Schulen, die sich für diese öffnen - Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien gleichermaßen.

Die Erfahrung aus anderen Orten zeigt, dass dies nicht immer einfach ist. Es komme vor, dass Schulsozialarbeiter den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte als Konkurrenz zu ihrer eigenen Arbeit wahrnehmen. "Wenn die Sozialpädagogen selbst nur befristete Verträge haben, ist diese Sorge auf den ersten Blick nachvollziehbar", räumt Knoth ein. Sie betont aber, dass SIS kein Ersatz für die professionelle Begleitung der Schüler sei, sondern diese lediglich ergänze.

So sieht es auch Tore Wächter, der Schulsozialarbeiter an der Böklunder Auenwaldschule. "Die Seniorparnter haben ein hohes Einfühlungsvermögen und eine Lebenserfahrung, die ich als junger Sozialarbeiter nicht mitbringe", sagt er. Manche Probleme der Kinder - wie zum Beispiel Mobbing im Internet - sind für die Seniorpartner anfangs eine fremde Welt, aber es gibt auch Konflikte, die ganz ähnlich gestrickt sind wie solche, die die Wiedemanns in den sechziger Jahren als Schüler an der Dom- und an der Lornsenschule selbst erlebt haben. Damals, sagt Bernd Wiedemann, wäre es völlig unvorstellbar gewesen, sich vertrauensvoll an ältere Menschen zu wenden. "Man sprach ja nicht einmal offen mit den eigenen Eltern."

Die Fortbildung für die "Seniorpartner in School" soll in Schleswig stattfinden vom 21. bis zum 23. Oktober, vom 4. bis zum 6. November und vom 18. bis zum 21. November. Wer teilnehmen möchte, meldet sich bei Regina Harbs-Stancicas unter Tel. 04 61 / 3 58 50 oder per E-Mail an rehasta @t-online.de.

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