Kreis Schleswig-Flensburg : Rückenwind für die „Schutzengel“

Gut behütet: Christiane Dethleffsen (Vereins-Vorsitzende) und Volker Syring (Geschäftsführer).
Gut behütet: Christiane Dethleffsen (Vereins-Vorsitzende) und Volker Syring (Geschäftsführer).

Die gemeinnützige GmbH sorgt seit fünf Jahren für „Frühe Hilfen“ im westlichen Kreisgebiet.

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09. Januar 2018, 13:43 Uhr

Es geht voran für die „Schutzengel“ im Kreis Schleswig-Flensburg. „Ende des vergangenen Jahres hatten wir noch einmal einen tollen Erfolg“, sagt Volker Syring: Die Kreisversammlung gab zusätzliche Mittel zur Finanzierung einer Familien-Hebamme der gemeinnützigen Gesellschaft „Schutzengel“ für 2018 frei. „Ein gutes Signal“, sei das findet der Geschäftsführer, denn: „Es gibt so viele Familien, die Hilfe brauchen. Das können wir Anbieter im kreisweiten Netzwerk der ,Frühen Hilfen’ aktuell gar nicht bedienen.“

„Frühe Hilfen“ – hinter diesem Schlagwort verbirgt sich eine ganze Palette von Angeboten, allesamt mit dem Ziel, werdende und junge Eltern mit bis zu dreijährigen Kindern möglichst früh zu unterstützen. Es geht darum, ihre Fragen zu beantworten, Ängsten zu begegnen und praktisch zu helfen. Die Themenvielfalt groß. „Es gibt Unterstützungsbedarf rund um die Bereiche Schwangerschaft, Geburt und erste Babymonate. Später steht die Entwicklung des Kindes im Vordergrund und die meisten junge Familien sind froh, wenn sie jemanden haben, der ihnen sagt, wo sie Ansprechpartner für ihre Anliegen finden und der ihnen hilft, Formulare auszufüllen oder Behördenschreiben zu verstehen und zu beantworten.

„Besonders wichtig sind in dieser Zeit die aufsuchenden Dienste“, betont Syring. Natürlich – auch Anlaufstellen oder die vielen Veranstaltungen und Gruppen, die es etwa in den zehn Familienzentren im Kreisgebiet (siehe Info-Kasten) gibt, seien nicht wegzudenken. Doch wenn eine Familien-Hebamme oder Familien-Kinderkrankenschwester in die eigene Wohnung komme, dann sei das noch etwas anderes. „Da wächst ein Vertrauensverhältnis, das viele junge Eltern brauchen, angesichts der komplexen Anforderungen, die sie in ihrer neuen Situation als Eltern mit Kind erleben.“

Seit fünf Jahren können die Familien im Kreis auf die Hilfe der „Schutzengel“ bauen. Die Gesellschaft beschäftigt unter anderem eine Familien-Hebamme und eine Familien-Kinderkrankenschwester, die „bis zu 1000 Kilometer im Jahr“ fahren. Dabei sind die beiden „Schutzengel“ ausschließlich im Westen unterwegs – vom Flensburger Randgebiet bis „runter nach Mittelangeln“. Darüber hinaus laufen die Fäden der Hebammenversorgung imNetzwerk der „Frühen Hilfen“ im Schleswiger Gesundheitsamt zusammen.

Wie kam es dazu, dass die 2000 in Flensburg gegründeten „Schutzengel“ überhaupt im Kreisgebiet aktiv wurden?

Geschäftsführer Volker Syring verweist auf die starke Nachfrage. Nach den Anfangsjahren des Vereins sei schnell klar gewesen, dass der Hilfe-Bedarf der jungen Familien groß ist. 2011 gründete der Verein deshalb die gemeinnützige GmbH, deren Gesellschafter er bis heute ist. So wurden die „Schutzengel“ professionell, bekamen mit Volker Syring einen hauptamtlichen Geschäftsführer, der die weitere Entwicklung über Flensburgs Grenzen hinaus vorantreibt, denn: „Wer darf Hilfe bekommen und wer nicht? Wo willst Du die Grenze ziehen?“ Es habe von vornherein viele Anfragen aus dem Kreisgebiet gegeben, aber finanziert waren in den Anfangsjahren Angebote nur für Flensburger Bürger. So schmiedeten die „Schutzengel“ Allianzen im Kreisgebiet, gingen Kooperationen ein. Bis heute mache die Zusammenarbeit mit den vielen verschiedenen Partnern vor Ort großen Spaß, findet Volker Syring. Die Gesellschaft wuchs aus Flensburg heraus ins Kreisgebiet nach Harrislee, Handewitt bis nach Mittelangeln und hinein in die Stadt Schleswig, wo die „Schutzengel“ heute Familienzentren und Treffpunkte betreiben. Rund 90 000 Euro hat die Gesellschaft im vergangenen Jahr in ihre verschiedenen Dienste investiert. Die größten Batzen seien die Lohn- und Fahrtkosten gewesen. 50 Prozent der Ausgaben würden durch öffentliche Gelder finanziert. Die anderen 50 Prozent generieren die „Schutzengel“ mithilfe von Spendern und Sponsoren. „Darauf sind wir angewiesen. Die Angebote für die Familien sind ja kostenfrei, insofern haben wir keine Einnahmen“ – und das hat einen guten Grund. Möglichst viele Eltern sollen die Hilfen in Anspruch nehmen können, denn: „Die Arbeit ist unverzichtbar für den Kinderschutz“, erläuterte Jugendhilfeplanerin Stefanie Hellriegel Ende 2017 vor der Kreisversammlung. Das aber setzt voraus, dass möglichst keine Kosten entstehen.

Etwa 60 Familien betreuen die „Schutzengel“ zur Zeit im Kreisgebiet. „Aber wir müssen weiter wachsen“, kündigt Volker Syring an und nennt bereits zahlreiche Vorhaben, Kooperationen und Projekte, die in Arbeit oder Planung sind. Die „Schutzengel“ haben Rückenwind, denn: Sämtliche Verantwortliche haben ein gemeinsames Ziel, sie wollen „keine Familie im Regen stehen lassen“.

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