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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 07:06 Uhr

Rübenmus und Latte Macchiato

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

von
erstellt am 14.Dez.2013 | 00:31 Uhr

In der Kantine der Kreisverwaltung herrschte gestern beste Stimmung. Das lag nur zum Teil daran, dass die Küchencrew Rübenmus mit Kasseler, Kochwurst und Backe zubereitet hatte. Zu Gast waren diesmal nicht die Mitarbeiter der Verwaltung, sondern Menschen, für die ein warmes Mittagessen etwas Besonderes ist – und die darauf angewiesen sind, einmal in der Woche kostenlose Lebensmittel von der Tafel zu erhalten.

Es ist nett Geste vom Landrat, ein solches Essen zu veranstalten. Die Geste macht allerdings auch deutlich, wie viele Menschen unter der so genannten Armutsgrenze leben und wie wichtig die Arbeit der Tafeln ist. Aber es ist nur eine Geste.

In Schleswig und Umgebung besteht mehr Bedarf an Unterstützung: Erwachsene, die kaum genug Geld zum Leben haben, Kinder, die ohne Frühstück in die Schule gehen und auch nicht auf eine warme Mahlzeit hoffen können, wenn sie wieder nach Hause kommen. Die Tafel ist nicht in der Lage einen Mittagstisch anzubieten, weil sie zu wenige ehrenamtliche Helfer hat. Eine einfache, nachvollziehbare und dennoch erschreckende Erklärung.

Die Lösung des Problems scheint doch so einfach zu sein: Gesucht werden Menschen, die einen Teil ihrer Freizeit zur Verfügung stellen, um anderen zu helfen. Mitarbeiter, die jetzt schon dabei sind, versichern, dass es sich um eine lohnende Aufgabe handelt. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Kleine Geschäfte oder gar Cafés geben unseren Dörfern noch eine Extraportion Lebensqualität. Das dachten sich auch zwei Geschäftsleute, die einen Kunden in einem Ort unweit der Autobahn trafen. Man setzte sich in ein Café, bestellte Cappuccino und Latte Macchiato und kam ins Gespräch. Dass rund um die Gäste herum ein knappes Dutzend Tische leer war, wunderte sie nicht weiter.

Nach einer knappen halben Stunde verstanden sie besser. Da stand nämlich plötzlich die Wirtin am Tisch, die Arme angriffslustig in die Hüften gestemmt. Dies sei ein Verzehrbetrieb, kein Konferenzraum, machte sie ihren Gästen unmissverständlich klar. Richtig gute Stimmung wollte anschließend nicht mehr aufkommen, das Gespräch wurde wenige Minuten später abgebrochen.

Einer der Gäste überreichte für sein Getränk einen 10-Euro-Schein. Wechselgeld wollte er nicht. Der Rest sei für die Saalmiete, sagte er zum Abschied.

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