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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 17:06 Uhr

Schuby : Rucksack-Tourist mit 72 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hansjörg Dittmer aus Schuby reist sechs Wochen lang mit seinen Kameras durch Südamerika. Nebenbei möchte er auch deutsche Schulen besuchen, in jedem der sieben Länder mindestens eine.

22 Grad und Sonne in Santiago de Chile. Ebenso schönes Klima meldet, ja, Lima, das aber getoppt wird von Rio de Janeiro: 30 Grad sind es am Zuckerhut. Schuby bringt es an diesem Februarmorgen nur auf fünf, wie der Tabletcomputer von Hansjörg Dittmer zeigt. Der Temperaturunterschied ist aber nicht der Grund, warum der 72-Jährige sein Heimatdorf bald in Richtung Südamerika verlassen wird. Der pensionierte Fotofachhändler reist einfach gern. Und viel. Am 6. März startet er wieder durch – nach Rio. Mit Rucksack. Von Brasilien aus führt ihn seine Route durch sechs weitere Länder des südamerikanischen Kontinents: durch Paraguay, Argentinien, Uruguay, Chile, Bolivien und Peru. Rund 12 000 Kilometer, immer gen Süden. Sechs Wochen wird er unterwegs sein, mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und immer auf der Suche nach spannenden Fotomotiven – Landschaften, Menschen und Tieren.

Die Wasserfälle von Iguazú an der brasilianisch-argentinischen Grenze, die größten der Erde, gehören zu den Höhepunkten seiner Reise. Ebenso wie die Gletscherfelder im argentinischen Ushuaia, der Titicacasee und die Inka-Stätten von Machu Picchu. Dittmer hat aber noch weitere Stationen in seinen Routenplan eingetragen: Nebenbei möchte er deutsche Schulen besuchen, in jedem der sieben Länder mindestens eine. „Ich möchte mit Lehrern und Schülern ins Gespräch kommen, Eindrücke von Atmosphäre und Schulformen gewinnen – und natürlich Bilder machen“, sagt er. Zurück in Deutschland will der ehemalige Inhaber eines Husumer Fotogeschäfts seine Eindrücke in einer Bilderreportage dokumentieren.

Wie viele Staaten er inzwischen bereist hat – der gebürtige Freiburger hat irgendwann den Überblick verloren. Eines weiß er jedoch mit Sicherheit: Die Kamera war immer dabei. Randvoll mit Negativen und Foto-CDs, reihen sich im Dittmerschen Einfamilienhaus Ordner und Schachteln aneinander, die Aufschriften wie „Asien“, „Osteuropa“, „Karibik“ oder „Mexiko“ tragen. Von sämtlichen Canyons in den USA, aber auch im Allgäu, an Nord- und Ostsee schoss Dittmer Bilder. Viele davon hat er in Ausstellungen präsentiert, an Zeitungen verkauft oder in Bildbänden veröffentlicht.

Das Neue reize ihn, erklärt Hansjörg Dittmer seine Reiselust. Die lebte er am intensivsten 1962 aus, auf einem neunmonatigen Trip durch den Orient, per Rad und Anhalter. „Offen muss man bei solchen Reisen sein“, sagt der 72-Jährige, „Und es ist ganz wichtig, dass man alles isst und trinkt, was in diesen Ländern üblich ist.“ Lecker seien die Schlangen und Eidechsen in Thailand gewesen, ebenso der Hund in Kurdistan, den er für einen milden Hammel gehalten hatte – bis der Wirt auf den Vierbeiner neben dem Tisch zeigte. Und sogar an den Schnecken in einer schwarzen Brühe habe er auf dem Markt in Marrakesch schließlich Gefallen gefunden.

In Südamerika stehen solche Spezialitäten zwar nicht auf der Speisekarte – eine Herausforderung wird die Reise trotzdem. Dittmer hat zwei künstliche Hüftgelenke, auch in die Knie wurden ihm Prothesen implantiert – was ihn jedoch nicht beeinträchtige. Die weiten Distanzen wird der 72-Jährige auf dem fremden Kontinent per Bus zurücklegen; Unterkünfte will er sich vor Ort suchen. Spanisch spricht Hansjörg Dittmer nicht, sondern will sich mit Hilfe eines „Ohne-Wörter-Buchs“ verständigen, das Bilder von Grundnahrungsmitteln und Verkehrsmitteln bereithält. Auch wichtige medizinische Begriffe sind bildhaft dargestellt. Seine Frau möchte nicht mitreisen. „Wenn man sich nicht traut, verpasst man Vieles“, sagt Hansjörg Dittmer.

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