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Rotwild bedroht aufgeforstete Wälder im Norden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswigsche Geest

Nachdem Sturm Christian im Jahr 2016 über den Norden hinweggefegt war, sah es nicht gut aus auf den Flächen vieler privater Waldbesitzer. Die Herausforderungen ans Aufforsten waren immens. So auch bei Hans Peter Nissen. Wie er dabei vorging, erläuterte er im Vorwege des 38. Treffens der Forstbetriebsgemeinschaft Nordfriesland/Schleswigsche (FBG) im Landgasthaus Sollerup.

Nissen besitzt ein 2,2 Hektar großes Gebiet an der Treene, das erstmals Mitte der 1950-er Jahre angepflanzt wurde. Beim Aufforsten wandte er zwei Methoden an. Die eine Hälfte, in der sich bereits die nicht heimische Traubenkirsche ausgebreitete hatte, wurde zunächst vor dem Pflanzen gemulcht, die andere Hälfte mittels eines kleinen Baggers direkt mit Setzlingen bestückt, so dass die Naturverjüngung durch Eberesche, Sitka-Fichte, Birke und Ahorn erhalten blieb. Nissen bevorzugte zur Wiederaufforstung vor allem Nadelholzarten, obwohl die Förderung nur 70 Prozent beträgt – gegenüber dem Laubwald mit 85 Prozent. Über 90 Prozent der 7500 Pflanzen wie Douglasfichte, Küstentanne, Schuppenlärche, aber auch Stieleiche und Rotbuche seien angewachsen, bestätigte der Forstberater Werner Grow, der die Wiederaufforstung begleitet hatte.

Thomas Kühl aus Ostenfeld, Vorsitzender der FBG, erklärte: „Auch auf kleinen Flächen kann guter Wald wachsen.“ Die Wiederaufforstung von 500 Hektar im Mitgliedsbezirk sei nach den schweren Stürmen absoluter Schwerpunkt der letzten Jahre gewesen. Sie sei verbunden gewesen mit viel Arbeit, beginnend mit der Planung, über Pflegearbeiten, Bepflanzung durch die Baumschulen bishin zur Errichtung von Schutzzäunen. Sein Dank galt insbesondere Walter Rahtkens, Forstberater in der Landwirtschafskammer Schleswig-Holstein, und den verbandseigenen Mitarbeiten für ihre tatkräftige Unterstützung.

Der vorgegebene Standort in Sollerup habe den Vorrang von Nadelholz erfordert, sagte Hans Caspar Graf zu Ranzau, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Schleswig-Holstein. Er plädierte aber auch für eine gute Mischung der Baumarten.

Bedroht seien viele Anpflanzungen durch Wildschäden. Da man in Dänemark bestrebt sei, die Rotwildpopulation zu verdoppeln, könne eine Ausbreitung des Rotwildes im nördlichen Landesteil nicht verhindert werden. „Verbiss- und Schälschäden durch Rotwild erreichten eine neue Dimension“, betonte er.

Um dem erheblichen Wilddruck zu begegnen, plädierte er einerseits für eine stärkere, aber auch mit höheren Kosten verbundene Einzäunung der aufgeforsteten Flächen. Andererseits appellierte er an die jagdliche Verantwortung der Jägerschaft, nicht nur die männlichen Geweihträger, sondern bevorzugt auch die weiblichen Tiere zu erlegen.

Insofern tragen auch die Jagdausübungsberechtigen Verantwortung für die entstandenen Schäden, die nicht allein auf Kosten der Waldbesitzer behoben werden dürften, betonte Hans Jacobs von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Inzwischen wurde ein „runder Tisch“ ins Leben gerufen, um das Problem zu besprechen und mögliche Lösungen zu finden.

Graf zu Ranzau ging weiter auf die Naturwaldflächen ein. „Zehn Prozent hervorragende Wirtschaftswälder mit erheblichen Holzmengen“ seien aus der Bewirtschaftung herausgenommen und dadurch der Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein geschwächt worden. Umfängliche Untersuchungen hätten ergeben, dass die Biodiversität, die Artenvielfalt einschließlich der besonders bedrohten Arten, im Wirtschaftswald sogar höher als im Naturwald sei. Eine Stilllegung des Waldes, um das Leben zu gewährleisten, sei also nicht erforderlich, so Ranzau. Fauna und Flora seien in einem Wirtschaftswald keinesfalls benachteiligt – „wenn es forstwirtschaftlich richtig gemacht wird“.

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