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Schleswiger Amtsgericht : Rollentausch nach Totschlag-Prozess

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der wegen Totschlags verurteilte „Hammerschläger“ als Zeuge vor dem Amtsgericht: Er hatte zwei ehemalige Freunde wegen eines Drogendeliktes angezeigt.

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erstellt am 14.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Es war ein Wiedersehen mit vertauschten Rollen: Der 26-jährige Kevin O., der vor sechs Wochen wegen Totschlags zu fast neun Jahren Haft verurteilt wurde, war gestern als Zeuge vor das Schleswiger Amtsgericht geladen. Auf der Anklagebank saßen zwei junge Männer, die im Oktober in seinem eigenen Prozess als Zeugen ausgesagt hatten.

Es ging um eine Sache, die Kevin O. immer wieder erwähnte, als er selbst auf der Anklagebank saß und erklären sollte, warum er seine Ex-Freundin und Mutter seiner zweijährigen Tochter mit einem Hammer getötet hatte. Ihr neuer Lebensgefährte sei ein „Junkie, der Drogen an kleine Kinder verkauft“, behauptete er. Er wolle seine kleine Tochter diesem Mann nicht ausliefern.

Gestern vor dem Amtsgericht wurde nun klar, was er mit dieser Anspielung meinte. Es ging nicht um Drogenhandel, erst recht nicht im großen Stil, sondern um ein einmaliges Vorkommnis. Der vermeintliche „Junkie“ hatte im Frühsommer 2012 gemeinsam mit einem Kumpel ausgiebig die Deutsche Meisterschaft seines Lieblingsvereins Borussia Dortmund gefeiert – mit Bier, Korn, Marihuana und Amphetaminen.

Nach einer durchzechten Nacht trafen die beiden vor der Nordöl-Tankstelle in der Schubystraße auf eine Gruppe von Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren. Die drei Mädchen und ein Junge kamen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Hesterberg, wo sie wegen ihrer Drogenprobleme behandelt wurden.

„Die Kiddies müssen an unserem Zustand gesehen haben, dass wir völlig zugedröhnt waren und Drogen dabei hatten“, sagten die beiden Angeklagten nun. So kam man ins Gespräch, und sehr bald fragte eine der Jugendlichen nach „mehr als nur Zigaretten“. „Wir haben ihnen dann das letzte Gramm Amphetamine gegeben, das wir noch hatten“, bekannten die Angeklagten, und einer fügte hinzu: „Das war ganz großer Mist, den wir da gemacht haben.“

In der Klinik fand eine Betreuerin heraus, was geschehen war, und schaltete die Polizei ein. Die Ermittlungen gegen die zwei jungen Männer wurden bald darauf eingestellt, weil die Beweislage dürftig war. Die Staatsanwalt brachte die Angelegenheit erst wieder ins Rollen, nachdem Kevin O. eine Anzeige erstattet hatte. Er war mit den beiden befreundet und hatte aus Erzählungen von dem Vorfall erfahren. Die Anzeige bei der Polizei war offenbar Teil seines Kampfes ums Sorgerecht für seine Tochter. Wenig später tötete er dann seine Ex-Freundin.

Gestern im Amtsgericht wurde seine Zeugenaussage am Ende nicht mehr benötigt. Die Angeklagten legten ein Geständnis ab, nach dem aus Sicht des Gerichtes alle wesentlichen Fragen geklärt waren.

Die Angehörigen von Kevin O., die zu dieser Verhandlung erschienen waren, bekamen ihn nur einmal kurz im Flur zu Gesicht, als er in Handschellen vom Haftraum zur Toilette geführt wurde. Auch die Jugendlichen aus der Psychiatrie brauchten keine Aussage mehr zu machen. Die Angeklagten wurden zu Bewährungsstrafen von rund einem Jahr verurteilt.

 

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