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Schleswiger Nachrichten

24. Oktober 2017 | 11:49 Uhr

Schleswig : Robbe wagt sich in die Schlei vor

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gallbergschüler machen beim Segeln eine erstaunliche Entdeckung: Eine Robbe am SSC-Hafen in der Schlei. Holmer Fischer berichten von weiteren Sichtungen.

von
erstellt am 10.Sep.2014 | 12:04 Uhr

Suzanne Willim wollte erst nicht glauben, was ihre Schüler ihr zuriefen: „Frau Willim, hier schwimmt eine Robbe!“ Die Lehrerin an der Gallbergschule ist eine erfahrene Seglerin und weiß, welchen Tieren man in der Schlei begegnet und welchen eher in der Nordsee oder vielleicht noch in der Ostsee. Eine Robbe in Schleswig? Mehr als 40 Kilometer von der offenen See entfernt? Das hielt sie für ausgeschlossen – bis sie das Tier mit eigenen Augen sah. Sie machte schnell ein Foto mit ihrem Handy: Die Robbe von hinten, an der Slipanlage beim dänischen Ruderclub zwischen dem SSC-Hafen und der Strandhalle. Dann war die Robbe auch schon wieder abgetaucht. „Ich dachte erst, die Kinder wollen mich veräppeln“, sagt Suzanne Willim. Erst als die Schüler keine Ruhe gaben, hörte sie auf, ihnen zu erzählen, dass es in der Schlei keine Robben gebe. „Zwei Kinder erzählten auch, die Robbe habe ihr Boot von unten angestupst“, berichtet die Lehrerin.

Schon vor gut einer Woche hatte sich ein Leser in der SN-Redaktion gemeldet und von einer Robbe berichtet, die er in der Schlei zwischen Fahrdorf und Stexwig beobachtet hatte – ohne allerdings ein Beweisfoto zu schicken, wie Suzanne Willim es jetzt geliefert hat.

Dass Robben an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste auftauchen, ist in jüngster Zeit immer wieder vorgekommen. Die Robbe aus dem SSC-Hafen aber muss nicht nur durch die enge Schleimündung getaucht sein, sondern auch 42 Kilometer an Kappeln und Arnis vorbei, unter der Brücke von Lindaunis hindurch und durch die Missunder und die Stexwiger Enge. Der Holmer Fischer Jörg Nadler hat keinen Zweifel daran, dass das gelingen kann. Der Fachmann für historische Fischerei weiß von archäologischen Funden, die belegen, dass Robben in der ausgehenden Steinzeit auch an den Flussläufen tief im Landesinnern des heutigen Mecklenburg gejagt wurden. Erst in diesem Frühjahr wurde eine Robbe in Malchin an der Mecklenburgischen Seenplatte beobachtet. Sie war offenbar 100 Kilometer den Peene-Kanal hinaufgeschwommen.

In der westlichen Ostsee wurde die Kegelrobbe im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet. Die Fischer sahen sie als Konkurrenz. „Inzwischen werden die Robben wieder deutlich mehr“, sagt Nadler. Es überrasche ihn nicht, dass die eine oder andere auch den Weg in die Schlei finde. Im letzten Jahr habe er selbst einmal eine Robbe gesehen.

Das Auftauchen der neuen Besucher beobachtet er mit gemischten Gefühlen. „Bei meinen Kollegen auf der Ostsee richten sie erhebliche Schäden an.“ Von dem einzelnen Tier am SSC-Hafen indes geht noch keine Gefahr für das Fischereiwesen aus. Suzanne Willim war so überrascht, dass sie sogar die Polizei rief. Sie sorgte sich, ob die Robbe in der Schlei überhaupt überleben kann. Nadler hat da keine Bedenken. Fische zum Fressen sind vorhanden, „und Sandbänke und geschützte Uferbereiche haben wir hier auch“.

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