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Es geht um vier Millionen Euro : Ringen um Fördergelder fürs Theater

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswiger Bürgermeister und Stadtwerke-Chef waren gestern zu einem ersten Gespräch im Kulturministerium.

Das große Feilschen hat begonnen. Nachdem sich die Ratsversammlung am Montag einhellig für die Errichtung eines Drei-Sparten-Theaters auf der Freiheit ausgesprochen hat, geht es jetzt um die Frage, wie viel Geld das Land und die kommunale Familie beisteuern. Gestern haben sich Bürgermeister Arthur Christiansen, Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs (er ist bei dem Projekt federführend) und Generalplaner Peter Paustian in Kiel zu einem ersten Gespräch mit Kultur-Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer getroffen. Mit am Tisch saßen Vertreter des Landkreistages und des Städteverbandes. Christiansen zeigte sich anschließend auf SN-Nachfrage optimistisch. Er sei guter Dinge, „dass am Ende alle Fäden zusammenkommen werden“.

Aber so ganz leicht dürfte es mit den Fäden wohl auch nicht werden. Konkret geht es um immerhin rund vier Millionen Euro, die an Zuschüssen zusammenkommen sollen. Das gestern vom Schleswiger Architekten Paustian im Ministerium präsentierte Konzept sieht den Anbau eines Theatersaales mit bis zu 450 Sitzplätzen an das „Heimat“-Gebäude vor. Zudem sind einige Umbaumaßnahmen im ehemaligen Bundeswehr-Mannschaftsheim vorgesehen. Den Planungen zufolge wird das neue Kulturhaus 9,1 Millionen Euro kosten. Die Stadt selbst will fünf Millionen Euro (netto) beisteuern. Auf Bühnenturm und Orchestergraben ist in dem Konzept verzichtet worden.

„Die Pläne für die Machbarkeit, die Finanzierung sowie das architektonische Konzept wurden als schlüssig und gut vorbereitet aufgenommen und trafen auf Zustimmung“, sagte Christiansen. „Ich habe nicht eine Ablehnung erfahren.“ Alle Beteiligten hätten registriert, dass die Politiker in Schleswig jetzt an einem Strang ziehen. Und vor allem sei allen auch klar gewesen, dass es um weit mehr gehe als um den Bau irgendeines Stadttheaters. „Es geht ausschließlich um das Landestheater.“

Die Zukunft der Landestheater GmbH – genau das ist der Hebel, mit dem auch die kommunalen Verbände mit ins Boot geholt werden sollen. Die wollten sich zwar seinerzeit, als es noch um den Standort Hesterberg ging, an einem Theaterneubau in Schleswig beteiligen. Doch nachdem das Modell von der Ratsversammlung abgelehnt worden war, hatte es sich dann auch mit den finanziellen Zusagen. Nun aber geht es darum, dass die weiteren Gesellschafter in der Landestheater GmbH nicht gewillt sind, höhere Beiträge zu zahlen. Die aber drohen, sollte der einstige Hauptgesellschafter Schleswig seinen Beitrag radikal runterfahren, weil hier keine ausreichende Spielstätte mehr zur Verfügung steht. Christiansen: „Es geht nicht darum, der Stadt Schleswig einen Gefallen zu tun.“

Wer zahlt denn nun was? Da zuckt der Bürgermeister mit den Schultern? Und auch das Kulturministerium gab sich gestern zurückhaltend. Zahlen, wie viel Fördermittel das Land geben könnte, wurden nicht genannt. Oliver Breuer, Sprecher von Ministerin Anke Spoorendonk (SSW), teilte auf SN-Nachfrage mit: „Für eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts sind noch zahlreiche weitere Gespräche zu führen.“ Aber auch er machte deutlich: „Für das Kulturministerium ist neben den reinen Baukosten für ein Theater in Schleswig vor allem die künftige Gesellschafterstruktur und Finanzierung des Landestheaters insgesamt von großem Interesse.“

Christiansen sieht bei der Theaterfinanzierung auch den Kreis Schleswig-Flensburg in der Pflicht. Der hat mit Wirkung zum Jahr 2019 seinen Ausstieg aus der Landestheater GmbH beschlossen. Aktuell zahlt der klamme Kreis über seine Kulturstiftung 346  000 Euro im Jahr. Im Haushalt gebe es kaum Spielraum für Investitionen, betont Landrat Wolfgang Buschmann. Und auch die Diskussion um die umstrittene Kreisumlage sei nur verschoben worden. Gleichwohl gehe er davon aus, dass sich seine politischen Gremien mit dem Thema Theater befassen werden. Buschmann: „Und dann müssen wir ausloten, was wir guten Gewissens leisten können.“

Vieles ist also noch unsicher. Dennoch ist Arthur Christiansen überzeugt davon, die nötigen vier Millionen schon bald zusammenzubekommen. Schließlich ist bald Wahlkampf. Christiansen: „Ich gehe davon aus, dass das vor der Landtagswahl im Mai über die Bühne geht.“ Und dann könnten Ende nächsten Jahres die Bauarbeiten beginnen.

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erstellt am 16.Dez.2016 | 06:39 Uhr

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