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Schleswig : Riesen-Wartelisten für Schwimmkurse

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Angebote für Anfänger sind auf bis zu eineinhalb Jahre ausgebucht. Die Vereine beklagen fehlende Alternativen zum Hallenbad.

Erst dachte Witold Chwastek, er hätte sich nur verhört. Eineinhalb Jahre Wartezeit für einen Platz in einem Kinder-Schwimmkurs? So lange soll seine Tochter Olivia warten? „Das kann doch nicht sein“, war sich der Fahrdorfer sicher. Inzwischen aber weiß er: Es ist tatsächlich wahr!

In Schleswig sind die Wartelisten für Schwimmkurse seit Monaten voll bis zum Anschlag. Egal ob sie direkt von der Schwimmhalle angeboten werden, von der DLRG oder den beiden Sportvereinen TSV und VfR Schleswig. Mit Glück bekommt man nach einem Dreivierteljahr einen Platz, in der Regel müssen sich Mädchen und Jungen aber auf eine Wartezeit von mehr als einem Jahr einstellen. „Viel zu lange“, wie nicht nur Witold Chwastek findet. „Soll man Kinder demnächst etwa schon direkt nach der Geburt anmelden, damit sie mit sechs Jahren schwimmen lernen können?“ fragt er.

Dass bei vielen Eltern in der Region in diesem Punkt zurzeit Geduld gefragt ist, weiß auch Wolfgang Schoofs. Dennoch betont der Geschäftsführer der Stadtwerke, die das Hallenbad betreiben, dass es doch ein großes Angebot an Kursen gebe. So biete das Fjordarium selbst sieben Kurse pro Woche an – die aber allesamt für die nächsten eineinhalb Jahre ausgebucht sind. „Die Nachfrage ist sehr groß, ja. Aber es gibt leider in der Region keine weitere Schwimmhalle, also kommt das ganze Umland nach Schleswig. Aber mehr als das, was wir an Kursen haben, ist nicht drin“, sagt Schoofs und meint damit auch die Angebote der Vereine und der DLRG.

Diese jedoch sind auch proppenvoll. „Bei uns muss man etwa ein Jahr warten“, sagt zum Beispiel Gisela Schmidt vom VfR Schleswig. Das sei zwar ärgerlich, aber sie begrüße zumindest, „dass so viele Eltern wollen, dass ihre Kinder schwimmen können“. Dafür aber sei einerseits die Kapazität der Schwimmhalle begrenzt, „andererseits hat sich auch einiges angestaut, als das Hallenbad wegen der Umbauarbeiten vor zwei Jahren für mehrere Monate gesperrt war“, meint Schmidt. Die Nachwirkungen spüre man bis heute.

Ebenfalls bis zu ein Jahr Wartezeit für Anfängerschwimmkurse gibt es beim TSV Schleswig. „Wir haben hier nun mal nur eine Halle, da wird es schnell eng. Und dazu stehen die kleinen Therapiebecken der Fachklinik am Hesterberg und am Stadtfeld, die früher auch für Kurse genutzt wurden, nicht mehr zur Verfügung“, sagt Anja von Possel vom TSV. Ein Problem, das auch Anke Rathjen von der DLRG erkannt hat. Immerhin aber sagt sie, dass man in ihrem Verein nur ein Dreivierteljahr warten müsse, um einen Platz in einem Anfänger-Schwimmkurs zu bekommen. „Klar, man wünscht sich natürlich immer mehr Hallenzeiten, aber das geht den anderen Vereinen ja auch so. Und Wartelisten haben wir alle“, sagt Rathjen.

Für Witold Chwastek ist all das kein Trost. „Jedes Kind muss doch die Möglichkeit haben, unter Anleitung schwimmen zu lernen. Gerade hier in der Region. Wir leben an der Schlei, Nord- und Ostsee sind nicht weit. Deshalb sind die Kinder ständig am Wasser. Es ist also auch eine Frage der Sicherheit, wenn man richtig schwimmen kann“, sagt der Fahrdorfer Pastor. Zwar könne er die Argumente nachvollziehen, warum die Wartelisten für die Kurse so lang sind. Akzeptieren kann er sie aber nur schwer. „Ich finde, da werden Prioritäten falsch gesetzt. Dass Kinder schwimmen lernen, muss Vorrang haben vor allen anderen Angeboten in der Schwimmhalle. Dabei geht es mir nicht nur um meine eigene Tochter, sondern um alle Kinder hier in der Region“, sagt er und fordert eine stärke Lobby für mehr Hallenzeiten für Kinder-Schwimmkurse. Die ganze Gesellschaft habe in diesem Punkt einen Bildungsauftrag. „Denn zur Bildung“, so Chwastek, „gehört es doch wohl auch, dass man schwimmen kann.“

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erstellt am 31.Mai.2017 | 07:00 Uhr

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