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Rüben-Kampagne verspricht guten Ertrag : Riesen-Lkw statt Treckerkolonnen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Transport in Biogas-Anlagen und die Zuckerfabrik Uelzen sind eine logistische Herausforderung.

Autofahrern, die viel über Land unterwegs sind, kann es im Moment passieren, dass ihnen ein Rüben-Lkw den Weg versperrt. Sie müssen dann warten, bis der Beladevorgang beendet ist. Diese Verkehrsstörung ist die Alternative zu den ungezählten langsamen landwirtschaftlichen Fahrzeugen, die noch vor knapp einem Jahrzehnt im Herbst die Straßen bevölkerten. „Außerdem versuchen wir, die Verkehrsbelastung so gering wie möglich zu halten und Stress zu vermeiden“, erklärt Jür-gen Hinrichsen, Gebietsbetreuer der Transportgesellschaft. Doch nach der Maisernte sei die Stimmung recht angespannt.

Die Zuckerrübe wird ab Mitte März als Pille gesät. Je früher man sie ausbringt, desto größer ist die Ausbeute. Doch braucht die Hackfrucht zu Beginn eine Wärmeperiode. Sonst blühen die Pflanzen bereits nach einem Jahr und es entstehen so genannte „Schosserrüben“, die von Hand entfernt werden müssen. Das war in diesem Jahr besonders schlimm, weil April und Mai nicht warm genug waren. In Schleswig-Holstein ist die Zuckerrübe Teil der Fruchtfolge Raps-Weizen-Rübe-Weizen, die dann wieder mit Raps beginnt.

„Auf 6000 Hektar Ackerfläche werden in Schleswig-Holstein Zuckerrüben angebaut“, erklärt Andreas Thiessen, Landesvorsitzender des Zuckerrübenanbauerverbandes, zu dem 360 Mitglieder gehören. Insgesamt werden in diesem Jahr etwa 400  000 Tonnen Rüben geerntet. Davon werden 130  000 Tonnen in Biogasanlagen oberhalb einer gedachten Linie zwischen Heide und Kiel verwertet. Der Rest geht in die Zuckerfabrik nach Uelzen.

„Diese Ernte ist gut, aber nicht so gut wie im letzten Jahr“, verrät Thiessen. Der Verband habe zunächst mit einem Ergebnis von 65 bis 68 Tonnen pro Hektar gerechnet. Inzwischen gehen die Fachleute von einem durchschnittlichen Ertrag von 75 Tonnen aus – und selbst diese Prognosen könnte sich bis zum Ende der Kampagne noch als zu niedrig erweisen. Die Planung für die drei bis vier Monate dauernde Kampagne hat bereits im Juli begonnen. Dann entnimmt Nordzucker Proben, schätzt die Erntemenge ab und legt den Beginn der Erntezeit fest.

Bereits im Juni ist Gebietsbetreuer Hinrichsen bei den Landwirten unterwegs und bespricht mit ihnen den Lagerort der Rüben und die Verkehrsführung für den Abtransport. Und da gibt es einiges zu beachten: Wassergebundene Wege sind meist nicht allwettertauglich. Auch dürfen die Lkw, die beladen ziemlich genau 40 Tonnen wiegen, nicht auf die Bankette fahren. Begegnungsverkehr ist deshalb unmöglich. Eine Beladung an Bundesstraßen oder stark befahrenen Kreisstraßen ist schwierig. Auch ein Abtransport gegen die Fahrtrichtung des Schulbusses wird vermieden.

Liegen die Rüben am richtigen Ort auf einem Haufen kommt das Verladegerät, das verniedlichend „die Maus“ genannt wird. Hinrichsen hat dann die Fahrtstrecke für die Lkw mit roten und gelben Pfeilen festgelegt. Auch hat er eine grobe Zeitplanung erstellt. „Es ist mein Job, dafür zu sorgen, dass die Verladung nicht um Mitternacht neben dem Altenheim beginnt“, beschreibt er seine Aufgabenstellung mit einem Augenzwinkern. Denn die drei „Mäuse“ der Transportgesellschaft sind rund um die Uhr im Einsatz. Und die Verladung ist als dumpfes Dröhnen auch noch in mehreren hundert Metern Entfernung zu hören. Etwa fünf bis sechs Minuten braucht das Gerät, um einen Lkw zu beladen. So lange muss ein Verkehrsteilnehmer warten, der sich auch durch das Warnschild „Rübenverladung“ nicht hat abschrecken lassen. Beim Verladen wird auf Effizienz, aber auch auf Einhaltung des Maximalgewichtes geachtet. Ein „Mausfahrer“, der es schafft, jeden Lkw mit einem Gesamtgewicht zwischen 39 und 40 Tonnen auf die Reise zu schicken, erhält eine Prämie auf seinen Lohn. Identifiziert wird die Ladung durch einen Strichcode, der Fahrer, Abholort, Probe und Menge kennzeichnet und letztlich die Abrechnungsbasis für den Landwirt ist.

Wie alle landwirtschaftlichen Abläufe hinkt auch die Rübenernte der Zeit hinterher. „Wir haben mit der Kampagne spät angefangen und wollten bis Weihnachten fertig sein“, meint Thiessen abschließend. Doch daraus wird vermutlich nichts – es könnte bis Silvester dauern, bis die letzte Rübe an ihrem Ziel angekommen ist.

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