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Schleswiger Nachrichten

15. Dezember 2017 | 02:06 Uhr

Richtiges Ernte-Feeling

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

von
erstellt am 27.Aug.2013 | 14:46 Uhr

Für Familie Henningsen aus Taarstedt ist der Super-Claas-S-Mähdrescher fast wie ein Familien-Erbstück. Entsprechend wird er behandelt – nämlich gepflegt, geölt und in Ehren gehalten. Wenn Asmus Henningsen, 52 Jahre alt, seine fast gleichaltrige Mähmaschine in Gang setzt, dann verspürt er „ein richtiges Ernte-Feeling“, wie er selbst sagt. Und so sieht er dabei auch aus: Von Kopf bis Fuß eingestaubt, ölverschmiert an Händen und Armen, nur noch das Weiße im Auge sticht hell hervor.

In Mähdrescher-Kreisen heutzutage bedeutet es natürlich reine Nostalgie, bei der Ernte in eine aufgewirbelte Staubwolke eingehüllt zu sein. Also in direktem Kontakt mit Getreide, Stroh Erde und Staub zu stehen. Denn moderne Hightech-Mäher verfügen über eine klimatisierte Kabine, in der man hoch und trocken wie ein Pilot im Cockpit sitzt, bei Bedarf sogar telefonieren oder Musik hören kann. Die Computer-gesteuerten Maschinen lassen sich selbstverständlich auch nur mit Hilfe eines Computers reparieren, falls dies erforderlich sein sollte. Da wird dann am Laptop genau ausgelesen, wo die Fehlerquelle steckt.

Ganz anders bei dem Super-Claas-S-Mähdrescher von 1970. Mit seinem 2,40 Meter breiten Schneidwerk, seiner im Durchmesser 4,50 Meter großen Dreschtrommel und seinem 1700 Liter fassenden Korntank denkt der gar nicht daran, leise aufzutreten. Bei dem Lärm, den diese Maschine fabriziert, und den der ihn ziehende Trecker noch dazu legt, können sich die Erntehelfer nur durch Zeichensprache untereinander verständigen. Aber all das trägt zum Mythos dieser „ehrlichen“ Erntemaschinen bei. Als Asmus Henningsen jetzt am Wochenende etwa 9,5 Hektar Weizen erntete, gab es nur einmal ein kleines Hindernis, das er schnell selbst beseitigen konnte: „ Naja, die Rutschkopplung war nicht fest genug eingestellt. Das hatten wir aber schnell.“ Wir – das sind Ehefrau Dagmar, seine beiden Söhne Martin (16) und Jürgen (20) sowie sein Bruder Malte, der Berufsschullehrer ist und extra aus Mölln anreist, um zusammen mit der Familie die alten, noch vom Vater übernommenen Maschinen bei der Ernte in Gang zu setzen. Auch die Hochdruck-Strohpresse von 1972 kommt dann zum Einsatz.

Henningsen betreibt auf seinem Hof in Taarstedt die Landwirtschaft als leidenschaftlichen Nebenerwerb, hauptberuflich leitet er sein Einbauküchen-Studio. Warum ihm die Landwirtschaft aus seiner Kindheit noch heute so viel Spaß macht? „Das waren Top-Maschinen damals. Und ich kann sie selbst reparieren, wenn etwas kaputt gegangen ist“, erklärt Henningsen. Aber gibt es denn noch Ersatzteile? Er winkt ab, kein Problem. „Mein Ersatzteillager reicht für die nächsten 20 Jahre“, lacht er. Denn in den vergangenen Jahren hat er jede Gelegenheit zum Ausschlachten genutzt, die sich ihm bot, wenn jemand eine alte Mähmaschine verschrotten lassen wollte.

Die heutigen Dreschmaschinen haben mehr als die doppelte Schnittbreite, brauchen also nur wenige Stunden, um ein größeres Feld glatt zu rasieren. Dafür sind sie mit 250 000 Euro nicht gerade preiswert. Was sein Vater damals für den Mähdrescher in den 1970er Jahren bezahlt hat? „ Der Mähdrescher war gebraucht und kostete 25 000 DM“, sagt Asmus Henningsen. Diese Investition dürfte sich mittlerweile wohl mehrfach gelohnt haben. 

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