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Schleswiger Nachrichten

25. Juni 2017 | 04:06 Uhr

Schleswig : Rettungseinsatz auf der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Walter Merz“ half Seglern bei Missunde aus der Bredouille.

Ein ganz normaler Einsatz für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Schleswig. Am Montag halfen sie zwei älteren Seglern aus der Bredouille, deren Boot bei Missunde auf das steinige Ufer gedrückt zu werden drohte.

Als die Alarmmeldung aus Bremen am Montagnachmittag auf dem Smartphone auflief, musste plötzlich alles sehr schnell gehen – gerade einmal zehn Minuten blieben der Crew des Seenotretters „Walter Merz“, um ihr Boot im Schleswiger Stadthafen klarzumachen und die Unfallstelle anzusteuern. Insgesamt 19 Freiwillige stehen Vormann Paul Cugier zu Verfügung, um die Sicherheit auf der Schlei zwischen Schleswig und Arnis zu gewährleisten. Der Dienst geht in Schichten rund um die Uhr, es gibt ein ausgeklügeltes Alarmierungssystem und klare Abläufe. „Der Eintritt und der Austritt sind freiwillig“, sagt der 73-jährige Cugier, der früher bei der Marine tätig war, „alles dazwischen ist Pflicht.“

Aus dem Hafen heraus geht es normalerweise eher gemächlich, obwohl die 8,5 Meter lange „Walter Merz mit ihren 220 PS eine Menge Druck erzeugen kann. Aber man will ja im Hafen unter den Segelyachten kein „Mastenmikado“ veranstalten.

Am Montag musste nicht so viel Rücksicht genommen werden. „Es gab viel Wind, der Schwell stand ohnehin einen Meter hoch“, berichtet Paul Cugier. Allerdings ist auf der Schlei immer Vorsicht geboten. „Das Bild von gelben Rapsfeldern und blauem, glattem Wasser stammt von den Touristik-experten“, sagte der Vormann, „Deshalb wird die Schlei häufig unterschätzt, hier gibt es immerhin eine Windtide von drei Meter, die für erhebliche Unterströmungen sorgt.

Das allerdings war nicht das Problem der Skipper an der Missunder Enge. Sie hatten ihr Boot gerade aus dem Winterlager geholt und waren unter Außenborder unterwegs, als dieser seinen Dienst versagte. Sie wurden auf eine tückische Steinkante zugetrieben und warfen in ihrer Not den Anker. So hingen sie fest – unfähig sich selbst zu befreien, die Steine im Blick und im Nacken die Angst, dass der Anker nicht hält. Sie Männer wussten sich nicht anders zu helfen, als „Rot zu schießen“ – Signalraketen zu zünden, um zu zeigen, dass sie Hilfe benötigen.

Die „Walter Merz“ kam rechtzeitig. Die Retter schleppten das sieben Meter lange Segelboot an der Ankerkette in Sicherheit. „Einer hielt immer noch die Pinne in der Hand, obwohl es gar nichts mehr zu steuern gab“, berichtet Paul Cugier. Aber das sei ein Verhalten, das häufiger zu beobachten sei. „In Seenot verhalten sich die meisten Menschen anders als normal.

Für die Besatzung der „Walter Merz“ war der Einsatz beendet, als das Segelboot sicher im Yachthafen von Missunde festgemacht war. Obwohl – ganz ohne Bürokratie geht es natürlich nicht. Während des Rettungseinsatzes wird immer ein Klemmbrett mit der Haftungsverzichtserklärung zum Havaristen hinübergereicht, die Formulare sind natürlich wasserfest laminiert.

Für Paul Cugier war es eine vernünftige Reaktion der Segler, Hilfe zu holen. Der Normalfall auf der Schlei sieht allerdings anders aus, wie er berichtet – vor allem, wenn sich Boote festgefahren haben. „Viele Segler sind in solchen Situationen zu stolz, um sich zu melden. Sie glauben, dass sie sich allein befreien können und machten die Situation nur noch schlimmer.“ Aber auch dann sind die Retter immer zur Stelle, wenn sie alarmiert werden.

Der Dienst auf dem Seenotrettungsboot ist anspruchsvoll. Die Teammitglieder haben jeweils eine Woche im Monat Bereitschaftsdienst, hinzu kommen diverse Schulungen. Paul Cugier ist überzeugt, dass man für dieses Ehrenamt schon besonders gestrickt sein muss: „Es ist nicht nur das Helfersyndrom, das uns antreibt, es ist auch die Liebe zum Wasser.“


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erstellt am 14.Jun.2017 | 06:00 Uhr

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