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UN-Konvention zum Unterwasser-Kulturerbe : Rettungsaktion für maritime Schätze

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In Nord- und Ostsee liegen viele historische Wracks - ein deutscher Beitritt zur UN-Konvention zum Unterwasser-Kulturerbe soll sie nun schützen. Auch vor entstehenden Windparks.

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erstellt am 03.Aug.2013 | 04:49 Uhr

berlin | Es war ein spektakulärer Fund: Vor knapp einem Jahr kam das Wrack der 1870 vor Nordfriesland gesunkenen "Ulpiano" auf dem Süderoogsand wieder zum Vorschein. Für Archäologen in Schleswig-Holstein ein Glücksfall - doch die spanische Bark ist nur eines von vermutlich rund 300 historisch wertvollen Schiffswracks, die allein in der deutschen Nordsee liegen. Die meisten schlummern unsichtbar und unerforscht auf oder unter dem Meeresboden, ebenso etliche steinzeitliche Überbleibsel von Siedlungen, Werkzeugen oder Knochen. Schließlich waren die Nord- und auch die Ostsee vor 10.000 Jahren noch trockenes Land.
Die schwer zugänglichen, aber aufschlussreichen Spuren der Geschichte will die schwarz-gelbe Koalition in Berlin nun besser schützen - vor kommerziellen Schatzsuchern, aber auch vor der zunehmenden wirtschaftlichen Nutzung der deutschen Meere. "Der verstärkte Bau von Windparks, Pipelines und Kabeltrassen bedroht dieses archäologische Erbe", sagt der kulturpolitische Sprecher der Union, der Flensburger Wolfgang Börnsen. "Rasches Handeln ist geboten."

Keine Regelung außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone

In Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den zuständigen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat Börnsen daher gefordert, dass auch Deutschland endlich die vor vier Jahren beschlossene UN-Konvention zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes in Kraft setzt. Diese Vereinbarung der UN-Organisation Unesco gilt bereits in 42 Staaten und schreibt eine besondere Fürsorge für alle Relikte vor, die seit mehr als 100 Jahren im Meer liegen. In der Antwort an Börnsen signalisiert Westerwelle jetzt sein Einverständnis mit einer Ratifizierung: "Ich bin zuversichtlich, dass die Entscheidung über einen Beitritt Deutschlands in absehbarer Zeit getroffen werden kann", schreibt der Minister. Noch vor der Bundestagswahl werde er das Thema mit den anderen betroffenen Ressorts angehen. Ursprüngliche seerechtliche Bedenken scheinen ausgeräumt.
Zwar sorgen die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer schon jetzt dafür, dass versunkene Kulturgüter innerhalb der deutschen Hoheitsgewässer gut geschützt sind. Doch außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone, in der bis zu 370 Kilometer ins Meer ragenden "Ausschließlichen Wirtschaftszone", gibt es in Deutschland bisher keine Regeln zur Bewahrung der historischen Objekte. Und vor allem dort entstehen Windparks. Natürlich würden deren Betreiber "versuchen, Hindernisse auf dem Meeresboden zu umgehen", weiß Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt in Schleswig. Dennoch fürchtet er eine "potenzielle Gefährdung von Fundplätzen". Segschneider würde einen Beitritt zur UN-Konvention daher "sehr begrüßen". Meereswindparks würden dadurch zwar nicht verhindert. Aber die Altertumsforscher könnten bei der Planung mitreden.

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