Treia : Rettung aus der Dose

Setzen sich gemeinsam für die Etablierung der Notfalldose ein: Ralf Schnack (v.l.), Peter Schnack, Andrea Schlüter, Michael Nissen, Svend Meyer, Thomas Staack, Rita Stöcken, Andrea Henken und Stephan Peltzer.
Setzen sich gemeinsam für die Etablierung der Notfalldose ein: Ralf Schnack (v.l.), Peter Schnack, Andrea Schlüter, Michael Nissen, Svend Meyer, Thomas Staack, Rita Stöcken, Andrea Henken und Stephan Peltzer.

Feuerwehr, Sozialstation und HGV Treia wollen Gefäß mit lebensrettenden Informationen bekannter machen.

shz.de von
31. Mai 2018, 07:00 Uhr

„Wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden, führt uns unserer erster Weg als First Responder in Richtung Küche“, erklärt Michael Nissen. Dann hoffen wir, dass dort im Kühlschrank eine Notfalldose deponiert ist. Denn sie kann lebensrettend sein.“ Was für den Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Treia eine Selbstverständlichkeit ist, ist für die meisten bisher absolutes Neuland. „Die Notfalldose hat sich längst noch nicht so etabliert, wie Rettungskräfte sich das wünschen“, erklärt Andrea Schlüter. „Genau das möchten der Handels-und Gewerbeverein Treia (HGV), die Freiwillige Feuerwehr und die Sozialstation Silberstedt mit der Initiative ,Zusammen Leben retten‘ gerne ändern“, sagt die Vorsitzende des HGV.

Ein grüner Aufkleber mit einem weißen Kreuz klebt an der Innenseite der Eingangstür: Finden Rettungskräfte einen bewusstlosen oder verwirrten Patienten in seiner Wohnung vor, verrät ihnen dieser Aufkleber, dass sich in der Kühlschranktür eine Notfalldose befindet. Darin liegt ein Infoblatt, auf dem alle wichtigen Fakten über die im Haushalt lebenden Personen enthalten sind. „Das beginnt bei den Personalien und reicht von Allergien über Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen, bis zu Vorerkrankungen, Blutgruppe und der Anschrift des Hausarztes“, erklärt Andrea Schlüter. Darüber hinaus gibt das Blatt in der Dose Auskunft darüber, ob eine Patientenverfügung oder ein Organspendeausweis vorliegen und wo diese Dokumente zu finden sind. „Besonders bei alleinstehenden Personen ist das sehr wichtig, damit die Rettungskräfte wissen, was Sache ist und entsprechend reagieren können“, ergänzt Rita Stöcken von der Sozialstation in Silberstedt. „Natürlich kann es jedem passieren, dass er in Not gerät und gerade niemand da ist, der Auskunft geben kann. Wir empfehlen diese Notfalldose also eigentlich für jedermann.“

Die zweite Seite des Infoblattes gibt Kontaktpersonen und Arbeitgeber an, verzeichnet Haustiere und ihre speziellen Bedürfnisse, gibt auch Auskunft darüber, wenn andere Personen sich auf den täglichen Kontakt des Patienten verlassen oder Kinder zum Beispiel aus der Kita abgeholt werden müssen. Mithilfe dieser Daten können im Fall der Fälle alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden – und die reichen eben deutlich über die medizinische Versorgung einer verletzten oder erkrankten Person hinaus.

Man mag sich nun fragen, warum die Notfalldose ausgerechnet in den Kühlschrank gehört. „Die Erklärung ist ganz einfach“, sagt Stephan Peltzer, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Treia. „Auch in einer fremden Wohnung findet man schnell die Küche und damit auch den Kühlschrank. So ist die rasche Verfügbarkeit der mitunter lebenswichtigen Informationen gewährleistet.“ Die Mitglieder des HGV sind überzeugt von der Idee und arbeiten nun mit der Freiwilligen Feuerwehr Treia und der Sozialstation Silberstedt gemeinsam an der Verbesserung der Verbreitung in der Region. „Wir möchten dafür sorgen, dass sie demnächst in mehr Haushalten zu finden ist“, betont Ralf Schnack vom HGV. „Wir haben viele Kontakte zu Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten und möchten auf die Dose aufmerksam machen.“

Deshalb haben die Beteiligten gleich 500 Exemplare auf eigene Kosten bestellt und bedrucken lassen und vertreiben sie nun gegen eine freiwillige Spende in ihren Geschäften und Büros. „Mit dem Erlös werden wir unseren Kindergarten und die Grundschule unterstützen“, ergänz Andrea Henken vom HGV. „Dort gibt es immer Bedarf für besonderes Spielzeug oder Lehrmittel.“ Michael Nissen hofft, dass die ersten Dosen schnell vergriffen sein werden. „Es würde für uns bedeutet, dass wir bei unseren Einsätzen demnächst noch schneller, effizienter und umfassender Hilfe leisten können – und das wäre großartig.“


Die Notfalldosen sind ab sofort bei folgenden Firmen und Büros erhältlich: Treia: Hartmann Chemie, Küchen Vogt,
Kreuz Apotheke, Team Tankstelle, Nahkauf Familie Schmidt, Hofladen Ralf Schnack, Württembergische Versicherung, Itzehoer Versicherung, Bäckerei Meyer, Autohaus Henken, Elektro Staack, Malermeister Svend Meyer; Hollingstedt: „Zeit für dich“.



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