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Demografischer Wandel in Glücksburg und Kappeln : Rentnerparadies Ostseeküste

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Durchschnittsalter in Glücksburg und Kappeln wird bis 2030 sprunghaft ansteigen. Glücksburgs Bürgermeisterin freut's.

Glücksburg | Dass in unserer Dörfern und Städten der Altersdurchschnitt der Einwohner steigt, ist keine Überraschung mehr. Die Geburtenrate sinkt, dank des medizinischen Fortschritts leben die Menschen länger. Der Begriff „demographischer Wandel“ ist in aller Munde – und das meist mit einem warnenden Unterton. „Warum wird das eigentlich immer so negativ gesehen?“, fragt Glücksburgs Bürgermeisterin Kristina Franke. Der Ort an der Flensburger Förde liegt mit einem Durchschnittsalter von 54,6 Jahren schon jetzt ganz weit vorn – und geht nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung im Jahre 2030 mit einem Wert von 59,5 zielstrebig auf einen Durchschnitt zu, der schon sehr nah an dem allgemeinen Renteneintrittsalter in Deutschland von 61 Jahren liegt.

Nachdem die Stiftung vor einigen Wochen schon viele Zahlen darüber veröffentlicht hatte, wie sich die Regionen und Städte im Lande altersmäßig entwickeln werden, liegen nun auch Detailbetrachtungen zu Landkreisen und Kommunen mit über 5000 Einwohnern vor. Daraus geht hervor, dass der Kreis Schleswig-Flensburg bis 2030 etwa 2,2 Prozent seiner Bevölkerung verlieren (Landesdurchschnitt plus 0,4) und sein Altersdurchschnitt von 46,2 auf 51,9 Jahre steigen wird.

Die Spitzenreiter im Kreis Schleswig-Flensburg sind in den Kategorien Altersentwicklung und Einwohnerschwund Glücksburg und Kappeln. Im Fall Glücksburg sind es voraussichtlich 6,5 Prozent der Einwohner, die im Jahre 2030 fehlen werden. Bürgermeisterin Kristina Franke singt ein wahres Loblied auf die älteren Menschen, die sich in Glücksburg niederlassen. „Das sind meist gestandene Leute, die es hier schön finden und auch der Gemeinschaft viel geben.“ Als Beispiel nennt sie den Verschönerungsverein, in dem meist ältere Glücksburger sich sehr engagieren und wertvolle Arbeit für die Allgemeinheit leisten. Ähnliches gelte für das DRK und andere Vereine. „Da steckt so viel Potenzial drin“, sagt Kristina Franke, die auch eine Wechselwirkung erkennt: „Unsere älteren Bewohner wünschen sich kulturelle Angebote – und die werden deshalb auch angeboten.“ Und zudem seien die 60-Jährigen von heute nicht mehr mit der selben Altersgruppe von vor 40 Jahren zu vergleichen, sondern wesentlich frischer, agiler und offener.

Aber es gibt in Glücksburg nicht nur spannende Projekte wie eine Alters-Wohngemeinschaft, sondern auch Baugebiete, in denen sich junge Familien ansiedeln können. Der Quadratmeterpreis ohne Ostseeblick liegt zwar bei 110 Euro – doch günstiger sei Bauland in Glücksburg eben nicht zu haben.

Auch Kappeln muss sich auf Einwohnerschwund einstellen. Die Bertelsmann-Stiftung prognostiziert ein Minus von 6,2 Prozent – und zudem einen gewaltigen Sprung im Altersdurchschnitt, der von 49,1 auf 57,4 Jahre ansteigen soll. Bürgermeister Heiko Traulsen sieht diese Perspektive wesentlich kritischer als seine Glücksburger Kollegin. „Ich habe wahrlich nichts gegen ältere Einwohner – aber wir müssen alles dafür tun, ein Gegengewicht zu schaffen“, sagt er.

Der Weg zu einem jüngeren Kappeln führt seiner Meinung nach über Arbeitsplätze und günstige Baugrundstücke. „Konkret denke ich an unser geplantes interkommunales Gewerbegebiet mit dem Amt Schlei-Ostsee und ein daneben liegendes Baugebiet mit Quadratmeterpreisen von gut 70 Euro.“ Auch Traulsen schätzt die älteren Bürger, will aber nicht tatenlos zuschauen, wie das Durchschnittsalter immer weiter ansteigt. „Wir brauchen wieder mehr junge Leute in der Stadt“, lautet seine Devise.

 

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erstellt am 04.Aug.2015 | 12:08 Uhr

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