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Kein gedanke an den Ruhestand : Reinhard Müllers Abschiedstournee

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In Kropp wird am Sonntag ein neuer Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Reinhard Müller blickt auf seine 20-jährige Tätigkeit zurück.

von
erstellt am 20.Sep.2014 | 07:28 Uhr

Eine Reise mit seiner Frau nach Grönland – das ist bisher der einzige Plan von Reinhard Müller (65) für seinen Ruhestand. „Sonst habe ich mir noch nicht viele Gedanken darüber gemacht – und dazu habe ich auch gar keine Zeit“, sagt der Kropper Bürgermeister, der zugleich auch Leitender Verwaltungsbeamter der Amtes Kropp-Stapelholm ist. Am Sonntag sind 5324 Kropper aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen, einziger Kandidat ist Stefan Ploog, der von allen Fraktionen in der Gemeindevertretung unterstützt wird. Erhält er mehr Ja- als Nein-Stimmen, darf er sein neues Amt zu Beginn des nächsten Jahres antreten.

Bis dahin erfüllt Reinhard Müller seine Aufgabe wie immer in den vergangenen fast 20 Jahren. 1994 wurde Müller, der für die SPD in der Gemeindevertretung saß, zum Bürgermeister gewählt – damals noch ein ehrenamtlicher Posten. Müller, Versicherungskaufmann, war gerade nach einer Umstrukturierung bei seinem Arbeitgeber in den Ruhestand gegangen und stürzte sich in die Arbeit zum Wohle der Gemeinde. „Ich habe bald gemerkt, dass das in einer Gemeinde mit 5000 Einwohnern bei allem Einsatz ehrenamtlich nicht zu wuppen war“, sagte er im Rückblick. Und das, obwohl er damals noch nicht einmal wusste, dass er ab 2008 auch die Aufgabe des Leitenden Verwaltungsbeamten im Amt Kropp-Stapelholm mit 14 weiteren Gemeinden übernehmen würde.

1997 wurde Müller hauptamtlicher Bürgermeister in Kropp, einer Gemeinde mit sechs Bauernhöfen zwischen den Kreisstädten Schleswig und Rendsburg. „Wir haben den Strukturwandel ganz gut gemeistert“, sagt der noch amtierende Bürgermeister, der zugibt, dass bei dieser Entwicklung auch glückliche Umstände halfen. Es seien zwar viele Arbeitsplätze verloren gegangen, durch die Bundeswehr und das ständig wachsende Diakoniewerk aber wurden auch viele aufgefangen, sagt Müller, der Kropp als einen gesunden Ort bezeichnet. Dazu habe auch das enorme ehrenamtlichen Engagement der Kropper beigetragen. Als Beispiele nannte er die Feuerwehr, den Sportverein und den Verein für Handel, Handwerk und Gewerbe, der mit seiner Mondscheinnacht und anderen Aktionen viel für das Gemeinschaftsgefühl tue. Und auch die Wirtschaft brummt – täglich kommen 453 Menschen mehr nach Kropp zur Arbeit als Einwohner auspendeln.

In seinem Büro im Rathaus, in dem er auch vom Wochenmarkt aus zu sehen ist, spricht Müller über die Herausforderungen, mit denen er sich auch in den nächsten drei Monaten beschäftigen wird: Der Erhalt der Schulen im Amt, das Feuerwehrhaus, das aus allen Nähten platzt und durch eine Rettungszentrale ersetzt werden soll, die Ausweisung von Bauplätzen, das 40 Jahre alte Freibad, das neue Technik braucht, und der Wunsch des TSV nach einer neuen Sporthalle. Und der letzte Punkt erinnert Müller an etwas, das er als seine einzige Niederlage bezeichnet. Vor Jahren setzte er sich für eine kooperative Gesamtschule ein, mit eigenständiger Grundschule. „Wenn das geklappt hätte, wäre die Sporthalle schon lange vorhanden“, sagt er. Die Pläne aber wurden von der Politik abgeschmettert.

Zu seinen Erfolgen zählt es Müller, der sich als politischen, nicht aber parteipolitischen Bürgermeister bezeichnet, dass es ihm gelungen sei, immer alle Bürger bei den Entscheidungen mitzunehmen und das Ehrenamt bei Laune zu halten. „Und das nicht nur vor Wahlen.“

Dass Stefan Ploog am Sonntag zum neuen Kropper Bürgermeister gewählt wird, steht so gut wie fest. Reinhard Müller aber wird bis zum letzten Tag weiterarbeiten wie bisher. „Die Raketen, die am 31. Dezember um Mitternacht auf dem Marktplatz abgeschossen werden, sind für mich das Zeichen, dass meine Arbeit beendet ist“, sagt er – auch wenn ihm viele Menschen in den Vereinen, Verbänden und in den Gemeinden des Amtes zurzeit das Gefühl vermitteln, er befinde sich auf einer „Abschiedstournee“. Werden ihm die vielen Einladungen und öffentlichen Auftritte nicht fehlen? „Keine Ahnung“, sagt Reinhard Müller. „Damit beschäftige ich mich, wenn es soweit ist.“

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