Kulturhaus in Schleswig : Reichen 9,5 Millionen Euro?

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Beim Anbau an die „Heimat“ werden Abstriche gemacht: Es wird keinen klassischen Theatersaal geben.

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02. März 2018, 07:00 Uhr

Es dauert alles viel länger als ursprünglich geplant, und die Kostenfrage bereitet den Verantwortlichen jede Menge Kopfzerbrechen: Das Kulturhaus auf der Freiheit kommt nur mühsam voran. Immerhin ist nach einer europaweiten Ausschreibung mit der Kieler Firma Drees & Sommer inzwischen ein Projektsteuerer gefunden. Am Mittwoch fand das Projektauftaktgespräch statt.

Als nächster Schritt wird nun europaweit ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Dieser Wettbewerb werde gemäß der geltenden Regeln 30 Wochen in Anspruch nehmen, erklärt Wolfgang Schoofs, der als Geschäftsführer der städtischen Kommmunalbetriebe mitverantwortlich zeichnet für das Kulturhaus-Projekt. Die Kommunalbetriebe hatten das frühere Mannschaftsheim der Bundeswehr, in dem heute das Varietétheater „Heimat“ untergebracht ist, für eine Million Euro für die Stadt gekauft. Nun soll das Gebäude um einen Anbau zu einer multifunktionalen Veranstaltungsstätte erweitert werden. Für 9,5 Millionen Euro.

Aber reicht diese Summe aus?

„Es wird sehr, sehr eng“, sagt Schoofs und schiebt hinterher: „Ich will diesen Kostenrahmen mit aller Macht einhalten.“ Was er jedoch nicht beeinflussen könne, das sei die Entwicklung des Baupreisindexes, der infolge der guten Konjunktur seit geraumer Zeit stetig ansteigt.

Klar ist aber, dass es sich bei dem Anbau nicht um einen klassischen Theatersaal handeln wird, wie er vor allem den Freunden der Hochkultur und auch Landestheater-Generalindendant Peter Grisebach vorschwebt. Das betont auch Bürgermeister Arthur Christiansen: „Wir bauen kein Theater, sondern wir bauen eine multifunktionale Spielstätte.“ Denn zur Realität gehöre, dass Schleswig als Mitglied des Landestheaters nur noch Abstecherort sei.

Multifunktionalität, das bedeutet, dass der 450 Plätze fassende Theatersaal gegebenenfalls zum Foyer hin geöffnet werden kann, um bei größeren Veranstaltungen mehr Besucher zu fassen. Hier käme dann der Charakter einer Stadthalle zum Tragen. Alles andere, sagen Insider, wäre nicht wirtschaftlich. Schließlich plant das Landestheater selbst künftig nur noch rund 70 Vorstellungen in Schleswig.

Den Vertretern von Drees & Sommer wurde am Mittwoch bereits ein deutlich abgespecktes Raumbuch vorgelegt, an dem sie sich bei der weiteren Projektplanung zu orientieren haben. Das heißt, dass die Leute vom Landestheater viele Räume im Bestandsgebäude nutzen müssen. So soll zum Beispiel auch auf eine ursprünglich geplante Gastronomie im Anbau verzichtet werden, um Kosten zu sparen. Ebenso dürfte ein klassischer Orchestergraben fehlen. Aber ein Orchester könne man auch vor einer erhöhten Bühne und einer erhöhten Tribüne platzieren, sagt Christiansen.

Unklar ist, wie die Reaktionen ausfallen, wenn gegen Ende des Jahres eine noch zu besetzende Jury über die Architektenentwürfe entscheidet – und alle deutlich über dem Kostenrahmen liegen sollten. Die Ratsversammlung hat beschlossen, dass die Stadt nicht mehr als fünf Millionen Euro beisteuern wird. Das Land hat 2,5 Millionen Euro zugesagt. Weitere zwei Millionen kommen aus einem Infrastrukturprogramm des Bundes. Bürgermeister Christiansen hegt die stille Hoffnung, dass Kiel vielleicht noch etwas nachschießt. Schließlich gehe es ja auch um die Zukunft des gesamten Landestheaters.

Aus der Politik kommt derweil Kritik. Ratsherr Arne Olaf Jöhnk (Freie Wähler) bemängelt, dass nicht versucht worden sei, auch EU-Fördergelder zu beantragen. Jöhnk hatte sich mit einem Fragenkatalog an den Bürgermeister gewandt und mehr Transparenz beim Kulturhaus-Projekt gefordert. Die Antworten von Christiansen finde er „schwammig“. Immerhin erläutert der Bürgermeister, dass eine Einwerbung von EU-Geldern zur Folge hätte, dass die Haushaltsmittel des Landes gestrichen würden. Für Jöhnk ist gleichwohl „eine Menge Zeit ins Land gegangen und wenig passiert“.

In der Tat war auch Wolfgang Schoofs ursprünglich davon ausgegangen, die neue Spielstätte zur Saison 2019/2020 in Betrieb nehmen zu können. Doch hätten die notwendigen Ausschreibungsverfahren den Zeitplan verändert. Nun hat Schoofs ein neues Ziel: „Das Kulturhaus wird Ende 2021 fertig sein.“ Immerhin wird das Landestheater bis dahin wohl weiter im Slesvighus spielen können.

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