Regentin eines armen Landstrichs

Herzogin Sophie von Mecklenburg-Schwerin (1569-1634)
Herzogin Sophie von Mecklenburg-Schwerin (1569-1634)

Die auf Gottorf geborene Sophie von Lübz übernahm als junge Witwe die Verantwortung für das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin

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19. November 2012, 07:20 Uhr

Schleswig | "Unter den Gestalten der Geschichte des Uebergangs zur neuern Zeit ist eine der hervorragendsten und bezeichnendsten Sophie von Lübz, Gemahlin des Herzogs Johann VII. von Meklenburg", schreibt der mecklenburgische Landeshistoriker Georg Christian Friedrich Lisch in dem von ihm herausgegebenen "Jahrbuch des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde". Im 1850 erschienen 15. Jahrgang widmet der "großherzoglich-meklenburgische Archivar und Regierungs-Bibliothekar" in Schwerin der aus Schleswig stammenden Herzogin eine Veröffentlichung, die neben Auszügen aus den Tagebüchern auch das Testament von Sophie umfasst. Nach dem Tode ihres Gemahls herrschte sie für einige Jahre als Regentin über das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin.

Sophies Wiege stand auf Schloss Gottorf. Dort wurde sie am 1. Juni 1569 als älteste Tochter des Herzogs Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf und dessen Gemahlin Christine von Hessen, Tochter des Landgrafen Philipp I. von Hessen, geboren. Ihr Vater war seit 1544 Herzog und der erste Regent der Gottorfschen Linie des oldenburgischen Hauses. Sie hatte neun Geschwister. Übrigens: Viele historische Dokumente verwenden den Vornamen Sophia.

Kaum 19 Jahre alt, heiratete sie Herzog Johann VII. von Mecklenburg-Schwerin. Besiegelt wurde die Verbindung in Reinbek . Zur Aussteuer gehörten Kleider, Hauben, Stoffe, Schmuck, Silbergeschirr, ein Brautbett und ein Brautwagen. Im Ehekontrakt wurde darüber hinaus die Zahlung von 20 000 Talern durch Adolf I. zugesagt. Doch kam dieser Betrag nicht zur Auszahlung, da der Bräutigam Johann VII. dem Hause Schleswig-Holstein-Gottorf die dreifache Summe schuldete. Die junge Braut kam "in die wüstete Geldnoth und Schuldenwirthschaft dieses Hofes, dem es oft am allernothwendigsten fehlte", so die Allgemeine Deutsche Biographie 1892 in einem Porträt der Herzogin von Mecklenburg-Schwerin. Denn "des Herzogs Vater, der vielgerühmte Johann Albrecht, hatte seinen unmündigen Kindern 1576 ein zerrüttetes Land, eine fast unerträgliche Schuldenlast und unbotmäßige Stände hinterlassen".

Die Ehe stand also unter keinem guten Stern. Sie währte ohnehin nur vier Jahre. In dieser Zeit brachte Sophie drei Kinder zur Welt: Adolf Friedrich, Johann Albrecht und Anna Sophia. Sie sei, wie sie selbst schreibt, "wenig auf Rosen gegangen". Aus Verzweiflung über den Tod seines Oheims Christoph nahm sich Herzog Johann VII. 1592 das Leben und hinterließ seiner jungen Witwe eine schwere Verantwortung für die Führung des Herzogtums und für ihre Familie: "Schwäche der Regierung, Ärmlichkeit der Zeit, Ränkesucht und Eigennutz vieler Beamten und andere Vorläufer des unglückseligen dreißigjährigen Krieges beschäftigten sie neben der Sorge für ihre Kinder dermaßen, daß sie fast in einem beständigen Kampfe lebte."

Sie kümmerte sich um die Ausbildung der Söhne an der Universität Leipzig und die Erziehung der Tochter am Witwensitz in Lübz. Nach dem Tode von Herzog Ulrich 1603, der vorübergehend für Johann VII. die Regentschaft übernommen hatte, fiel Sophie von Mecklenburg-Schwerin die Aufgabe zu, zeitweise das kleine, heruntergekommene Land zu führen. Dabei zeigte sie Weitsicht, Gradlinigkeit, Standfestigkeit und Tatkraft und schritt gegen Missstände in der Verwaltung ein. Die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts bescheinigt ihr denn auch, sie sei "ueberall thätig und umsichtig, immer zum Besten rathend, tröstend und heilend, in jeder Lage beharrlich, Hülfe bringend und dabei ächt weiblich und im höchsten Grade häuslich, oft die Stütze des wankenden Hauses".

Bemerkenswert war ihr soziales Engagement. Sie errichtete in Lübz ein Stift, in dem adelige wie bürgerliche Witwen Aufnahme fanden. Ferner initiierte sie den Bau eines Waisenheims, eines Armenhauses und einer neuen Schule. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass sich die heranwachsenden Söhne zunehmend von ihrer Mutter abwandten. Ihnen war in verleumderischer Weise suggeriert worden, das ganze Elend im Lande sei auf Fehlentscheidungen von Herzogin Sophie zurückzuführen, und sie sahen ihr Erbe dahinschwinden.

Sophie von Mecklenburg-Schwerin starb nach langer Krankheit am 14. November 1634 65-jährig in ihrer Heimstatt in Lübz und wurde in der Stadtkirche beigesetzt.

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