Schleswig : Regattaplatz auf der Freiheit: Aufregung um eine gefällte Trauerweide

Am Montag auf der Freiheit: Die Weide gefällt – Nachbarn und Naturschützer sind entsetzt.

Am Montag auf der Freiheit: Die Weide gefällt – Nachbarn und Naturschützer sind entsetzt.

Am Schleibogen soll ein neues Wohngebäude entstehen. Nachbarn beklagen, dass dafür ein alter Baum weichen musste.

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22. August 2017, 14:36 Uhr

Dass diese Fäll-Aktion nicht professionell angelaufen ist, das sieht man sofort: Mehrere Äste aus der Krone der alten Trauerweide am Regattaplatz sind in den Bauzaun gekracht. Die Wipfel hingen gestern Vormittag über der Straße. Der Zaun war völlig verbogen. Doch das ist es nicht, was die Nachbarn am Schleibogen so sehr ärgerte, dass sie die Polizei und den Vorstand des Schleswiger Naturschutzbundes alarmierten.

Anwohner Michael Hagen hätte sich gewünscht, dass der alte Baum stehen bleibt und vermutet, dass die Fällung rechtswidrig war. Ganz klar ist die Sache nicht, das erklärten ihm die angerückten Polizeibeamten, die deshalb zunächst keine Strafanzeige aufnehmen wollten.

Sammy Schlüschen sagt, es sei alles rechtens. Er hatte den Baum mit seiner Firma „i-Punkt Baumaschinen“ gefällt – im Auftrag seines Vaters Volker Schlüschen. Dieser möchte dort in der kommenden Woche mit den Bauarbeiten für ein Wohngebäude beginnen. „Die Baugenehmigung sieht vor, dass genau dort, wo der Baum stand, die Tiefgaragen-Einfahrt entstehen soll“, erklärt Schlüschen junior.

Diese Darstellung bestätigte die Schleswiger Stadtverwaltung auf SN-Nachfrage. Parallel dazu hatte jedoch die Naturschutzbehörde des Kreises erklärt, der Baum hätte nicht gefällt werden dürfen, weil im von der Stadt Schleswig verabschiedeten Bebauungsplan vorgesehen sei, dass er erhalten bleibt. Das städtische Bauamt bestätigt diese Darstellung jedoch ausdrücklich nicht. Unabhängig davon sei jedoch zu klären, ob der Baum während der gesetzlichen Schutzzeit von März bis September gefällt werden durfte. Auch in dieser Frage sieht sich Sammy Schlüschen jedoch auf der sicheren Seite. „Wir haben das überprüft. Es haben keine Vögel in dem Baum genistet“, sagt er. Er vermutet, dass die Nachbarn sich vor allem daran stören, dass zwischen ihren Häusern und dem Schleiufer nun ein Neubau entsteht. Das weist Michael Hagen jedoch entschieden zurück. „Dass dort eine Bebauung vorgesehen ist, haben wir immer gewusst“, betont er. „Es geht uns um den Schutz der Natur, um Lebensraum für Insekten.“ Auch Widukind Glodeck vom Naturschutzbund will die Sache nicht auf sich beruhen lassen und legt Wert darauf, dass die Polizei den Vorgang weiter untersucht.

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