Schleswiger Kläranlage : Refood kritisiert Sieb-Ausbau

Die Schleswiger Kläranlage:  Von hier aus gelangte das Plastik in die Schlei.
Die Schleswiger Kläranlage: Von hier aus gelangte das Plastik in die Schlei.

Der Lebensmittel-Verwerter Refood hat sich jetzt zum Gutachten über die Funktionsfähigkeit der Schleswiger Kläranlage geäußert.

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28. Juli 2018, 07:14 Uhr

Nachdem in der jüngsten Sitzung des städtischen Werkausschusses ein Gutachten über die Schleswiger Kläranlage veröffentlicht worden war (wir berichteten), hat sich nun die Firma Refood zu der Expertise geäußert. Der Speiseresteverwerter liegt im Rechtsstreit mit den Schleswiger Stadtwerken. Bis Anfang Februar hatte das Unternehmen mit Plastik versetzte Gärsubstrate geliefert, die in den Faulturm der Kläranlage eingebracht wurden, um daraus Energie zu gewinnen.

Nach Ansicht von Refood trägt der Bericht des Sachverständigen Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Rosenwinkel aus Hannover dazu bei, Transparenz in die Fragestellung zu bringen, wie es zum Plastikeintrag in die Schlei kam. „Das Gutachten bietet einen guten und fundierten Einblick in die Abläufe der Schleswiger Kläranlage“, heißt es in einer gestern veröffentlichten Stellungnahme des Unternehmens. Das Gutachten zeige auf, dass die Stadtwerke 2014 ein spezielles Sieb ausgebaut hätten, welches bis zu diesem Zeitpunkt Fremdstoffe – und damit auch Plastik – abgetrennt habe. „Anstelle dieser wirkungsvollen, dem industriellen Stand der Technik entsprechenden Vorrichtung wurde ein Rechen eingebaut, der nur solche Fremdstoffe erfasst, die sowohl breiter, höher als auch länger als drei Millimeter sind.“ Gemäß dem Gutachten gelinge die Erfassung von Fremdstoffen nur bedingt, da der Rechen insbesondere für lange und schmale Partikel durchlässig bleibe.

Refood hebt auch darauf ab, dass der Sandfilter aufgrund seiner Konstruktion als aufwärts durchströmter Filter nicht in der Lage ist, Kunststoffpartikel vollständig abzuscheiden. Wie das Unternehmen weiter schreibt, dokumentiere das Gutachten anhand von Fotos, „dass an verschiedenen Stellen in den Klärbecken und Abläufen die Plastikteilchen schon mit bloßem Auge zu erkennen waren“.

Nach Ansicht von Refood ist der wesentliche Grund für den Eintrag von Plastik in die Schlei „der Umstand, dass die vorhandene Siebtechnik ausgebaut worden ist“. Dabei ergebe sich insbesondere aus dem Gebot zur schadlosen Abwasserbeseitigung „die Verpflichtung für die Kläranlage, Fremdbestandteile aus dem Abwasser abzutrennen und nicht in die Schlei einzuleiten“. Refood betont, dass der Sachverständige in seinem Gutachten empfehle, genau jene Siebtechnik wieder einzubauen, die die Stadtwerke 2014 ausgebaut hätten. Es sei positiv zu bewerten, dass die Stadtwerke diese Empfehlung bereits aufgegriffen hätten. Seit März wird der Ablauf der Filter über ein Zwei-Millimeter-Lochblech geleitet. Die dort entnommenen Kunststoffpartikel werden gesammelt.

Wie Geschäftsführer Wolfgang Schoofs betont, wurden die Stadtwerke über lange Zeit von Refood getäuscht, in dem auf den Lieferscheinen nicht die wahre Menge an Fremdstoffen angegeben waren. Nach der Auswertung von Ergebnissen eines Analyselabors gelangten in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt 9,2 Tonnen Kunststoffe in die Kläranlage. Die Refood-Lieferscheine weisen seit 2015 lediglich 488 Kilogramm aus.

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