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Jahrestreffen nach der Therapie : Reden über ein Leben ohne Alkohol

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Schleswiger Suchthilfezentrum tauschten ehemalige Therapie-Teilnehmer ihre Erfahrungen aus.

„Ich dachte erst, vor fremden Menschen zu reden – damit kannst du mich jagen“, sagt der Mann mit grau meliertem Pferdeschwanz, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Aber dann fühlte ich mich hier gut aufgehoben und fand auch viele Parallelen bei den anderen“, erzählt er am Sonnabend beim Jahrestreffen ehemaliger Patienten des Suchtzentrums Schleswig. Auch wenn man einen Rückfall habe – und niemand ist gefeit davor – werde man nicht blöde angeguckt, denn es heißt: „Du kannst umfallen, aber du musst wieder aufstehen.“

Jeder der 30 Teilnehmer – von der Hausfrau bis zum Unternehmer – hat bei den Therapeuten des Suchthilfezentrums Hilfe gesucht, um den ersten Schritt aus der Abhängigkeit zu schaffen. Egal, ob das Leben von Alkohol, Drogen oder Glücksspiel bestimmt wird, ist es besonders wichtig, dass die Therapeuten ihre Patienten bis zu 18 Monate nach Therapie weiter intensiv unterstützen. „Gerade die stationäre Therapie ist wie eine Käseglocke, und die wöchentliche Nachsorge soll dabei helfen, dass die Betroffenen nicht in alte Muster verfallen“, erklärt Diplom-Pädagoge Rolf Hübenthal.

Wie wichtig dieser Rückhalt sein kann, verdeutlicht das Beispiel von Steffen Hirsch: „Direkt nach meiner dreimonatigen stationären Therapie dachte ich, dass ich mein Leben normal weiterführen kann und habe mir noch vor der Rückreise Schnaps am Bahnhof gekauft.“ Erst nach vier Entgiftungen, drei davon auf eigenen Wunsch, sei er mittlerweise seit einem Jahr trocken. „Es dauerte eine Zeit, bis ich verstanden hatte, dass ich den Alkohol nicht kontrollieren kann“, fährt er fort.

Doch selbst das neue Bewusstsein schützt nicht vor einem Rückfall. „Als ich getrunken habe, war mir alles scheißegal und ich habe meine Probleme mit Alkohol vom Tisch gefegt“, sagt Hirsch und macht eine wegwerfende Bewegung. Daher werden sowohl mit den Therapeuten in Gruppen- und Einzelgesprächen als auch mit anderen Betroffenen beim wöchentlichen Besuch von Selbsthilfegruppen persönliche Probleme angesprochen und Erfahrungen ausgetauscht, um Krisen vorzubeugen.

„Dort werden dir die Konsequenzen deiner Sucht deutlich vor Augen geführt und du entwickelst eine Art Notschalter im Kopf, der in einer Krise umgelegt wird“, beschreibt er die Lösungsansätze, die er in der Therapie gelernt hat. Heute sei er vor allem erleichtert, dass er aus der Zeit des exzessiven Trinkens keine bleibenden körperlichen Schäden davon getragen hat. „Ich bin Blutspender und lasse mich regelmäßig durchchecken.“

Das Suchthilfezentrum in der Suadicanistraße 45 ist unter Tel. 04621/48610 zu erreichen und bietet jeweils montags von 17.30 bis 18.30 Uhr und freitags von 9 Uhr bis 10 Uhr eine offene Sprechstunde an, für die keine Anmeldung nötig ist. „Wir freuen und über jeden einzelnen, der bei uns Hilfe sucht“, so Rolf Hübenthal.

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erstellt am 17.Feb.2014 | 07:45 Uhr

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