Nach Aufnahmestopp bei Essener Tafel : Reden laut und fassen Obst an: Schleswigerin beschwert sich über Ausländer bei der Tafel

Tafelkundin Monika Richter wünscht sich mehr Rücksicht.
Tafelkundin Monika Richter wünscht sich mehr Rücksicht.

Auch bei der Schleswiger Tafel prallen die Kulturen aufeinander. Eine Frau mag es nicht, dass Ausländer das Obst begutachten, bevor sie es mitnehmen.

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28. Februar 2018, 07:00 Uhr

Schleswig | Der Aufnahmestopp für ausländische Kunden bei der Essener Tafel schlägt immer höhere Wellen. Inzwischen haben sich Politiker und Prominente aus ganz Deutschland zu dem Thema geäußert. Begründet wurde dieser drastische Schritt der gemeinnützigen Einrichtung mit einem zu hohen Anteil an Ausländern, weshalb sich viele ältere Menschen nicht mehr wohlfühlten und das Hilfsangebot nicht mehr wahrnehmen würden.

Eine Reaktion, die Monika Richter „durchaus nachvollziehen“ kann, wie sie sagt. Die 71-jährige alleinstehende Rentnerin ist seit vielen Jahren Kundin der Schleswiger Tafel, geht jeden Montag zur Ausgabe in der Bugenhagenschule. Dass auch hier immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln hinkämen, störe sie prinzipiell nicht. „Aber“, so betont sie, „es gibt auch viele Dinge, die mir und auch anderen gar nicht gefallen.“

Insbesondere gehe es ihr dabei um die bei der Tafel geltenden Regeln. Diese, so Richter, würden einige ausländische Kunden bewusst nicht einhalten. Manche versuchten immer wieder, sich vorzudrängeln, andere würden Waren wie Obst und Gemüse erst anfassen und begutachten, um dann zu entscheiden, ob sie sie haben wollen oder nicht. „Beides geht einfach nicht, und das wissen sie auch. Die Regeln müssen doch für alle gelten“, sagt die gebürtige Schleswigerin und führt weitere Beispiele auf: So würden viele ausländische Tafelkunden während der Wartezeiten auf dem Gelände der Grundschule rauchen, obwohl sich der Hausmeister darüber immer wieder beschwere. „Und das Schlimmste ist, dass einige von ihnen sogar Lebensmittel direkt in den nächsten Mülleimer werfen, sobald sie die Essensausgabe verlassen haben.“

All das störe sie sehr, hinzu komme, dass viele ausländische Gäste meist äußerst lautstark miteinander kommunizieren. „Das alles zusammen stresst ungemein“, sagt Richter. Auch andere Tafelkunden, die sich bei den Schleswiger Nachrichten meldeten, aber nicht namentlich genannt werden möchten, bestätigen das. Einige nutzen das Angebot deshalb nicht mehr, obwohl sie eigentlich darauf angewiesen sind.

Das weiß auch Tafelleiterin Cathérine Matzen. „Ich kenne diese Probleme und kann mir vorstellen, dass einige Leute genervt sind und deshalb nicht mehr kommen“, sagt sie auf Nachfrage. Aber man weise alle Kunden, auch die ausländischen, immer wieder auf die Regeln hin. „Und insgesamt klappt das sehr gut, auch wenn es hier und da sicherlich kulturelle Unterschiede gebe“, so Matzen. Dass Essen weggeworfen wurde, sei nur vorgekommen, als viele neue Flüchtlinge nach Schleswig kamen und nicht wussten, was sie da eigentlich mitbekommen hätten. „Das passiert jetzt nicht mehr“, so Matzen, die aber auch sagt: Man könne sich nicht um das Benehmen jedes einzelnen Kunden kümmern. Deswegen appelliert sie: „Wenn jemanden etwas stört, dann kann er jederzeit zu uns kommen. Wir kümmern uns dann.“ Ausgrenzung von Ausländern, das komme aber nicht in Frage. Das wünscht sich auch Monika Richter nicht. „Ich möchte nicht, dass die Ausländer wie in Essen draußen bleiben müssen. Aber man muss Rücksicht aufeinander nehmen.“

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