Königsberger Strasse : „Rechts vor links“ soll Raser ausbremsen

Bislang haben Autofahrer, die über die Königsberger Straße fahren, noch Vorfahrt. Demnächst heißt es aber auch an der Ecke Breslauer Straße „Rechts vor links“.
Bislang haben Autofahrer, die über die Königsberger Straße fahren, noch Vorfahrt. Demnächst heißt es aber auch an der Ecke Breslauer Straße „Rechts vor links“.

Noch im Mai soll an der Königsberger Straße die Vorfahrtsregelung aufgehoben werden. Die Stadt Schleswig reagiert damit auf Geschwindigkeitsüberschreitungen.

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07. Mai 2015, 16:00 Uhr

Da werden sich viele Schleswiger demnächst wohl ordentlich umstellen müssen. Denn für nicht wenige ist die Königsberger Straße seit Jahren eine gern genutzte Abkürzung, wenn sie möglichst schnell vom Kattenhunder Weg Richtung Flensburger Straße fahren möchten. Im Gegensatz zur dafür eigentlich vorgesehenen Strecke über die Berliner Straße spart man sich hier nämlich nervige Wartezeiten vor gleich mehreren Ampeln. Dass die Königsberger Straße eine Tempo-30-Zone ist, wird dabei immer öfter vergessen. Jetzt will die Stadt dieser Entwicklung einen Riegel vorschieben. Noch im Mai, so heißt es in einer offiziellen Mitteilung von gestern, wird die bislang geltende Vorfahrtregelung in der Straße aufgehoben. Ab dann heißt es „rechts vor links“.

Mit dieser Änderung setze man verkehrsrechtliche Vorschriften um, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage. Denn diese sähen ohnehin für 30er-Zonen eine Rechts-vor-links-Regelung vor. Nur in Ausnahmefällen dürfe davon abgewichen werden, etwa wenn ein Linienbus durch die Straße fährt. Das ist in der Königsberger Straße zwar der Fall (Linien 1504 und 1506). Aber die Ergebnisse von mehreren Geschwindigkeitsmessungen in jüngster Zeit hätten dazu geführt, dass nun gehandelt wird. „Es wurde dort deutlich zu schnell gefahren“, sagt Wendt.

Die sogenannte 45er-Runde (benannte nach dem Paragrafen 45 der Straßen-Verkehrsordnung), in der Vertreter der Polizei und der Stadt sitzen, hat sich nun für die Aufhebung der Vorfahrtsregelung entschieden. Rund um Pfingsten soll eine Spezialfirma die bisherigen Straßenmarkierungen entfernen. Die Umweltdienste tauschen parallel dazu die Schilder aus. Übergangsweise sollen neue Verkehrszeichen auf die geänderte Vorfahrtsregelung hinweisen.

„Das wird hier trotzdem erst einmal ordentlich knallen“, glaubt Anja Geisler, Mitarbeiterin im Kiosk „Anekdötchen“, das an der Ecke Königsberger Straße/ Breslauer Straße liegt. Dennoch findet sie die Neuregelung gut. „Denn hier wird wirklich geheizt ohne Ende. Dass man bislang durchgängig Vorfahrt hat, das verleitet einen aber auch dazu. Das merke ich auch manchmal selbst“, gibt sie zu. Gerade morgens sei es schlimm mit der Raserei, „und das, obwohl hier ein Kindergarten und die dänische Schule sind“.

Anwohnerin Sylvia Winker hat zumindest Hoffnungen, dass sich durch eine Rechts-vor-Links-Regelung der Verkehr vor ihrer Haustür etwas beruhigen könnte. Zwar glaubt sie auch, dass es in den ersten Monaten nach der Neuregelung zu Unfällen kommen wird, sie begrüßt aber, dass überhaupt eine Änderung kommt. „Es wäre schön, wenn auch noch der eine oder andere Zebrastreifen hinzukäme. Gerade für die ganzen Kinder, die hier unterwegs sind. Für die gibt es bislang keine Möglichkeit, sicher über die Straße zu kommen.“

Ihre Nachbarin Karin Dohse hingegen glaubt nicht daran, dass eine veränderte Vorfahrtsregelung das Rasen in der Königsberger Straße stoppen wird. „Auf den Teilstücken zwischen den Querstraßen wird weiter aufs Gas getreten, da bin ich mir sicher“, sagt sie und spricht von Motorrädern und Autos, die gerade in den Abendstunden mit bis zu 70 Stundenkilometern vor ihrem Haus herdonnern. „Und wenn man als Anwohner selbst 30 fährt, wird man auch noch beschimpft.“

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