zur Navigation springen

Ausstellung im Oberlandesgericht : Rechtlose Anwälte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Oberlandesgericht in Schleswig erinnert mit einer Ausstellung an das Schicksal jüdischer Juristen im Dritten Reich.

Wie wichtig dieses Thema der Justiz im Lande ist, zeigte die prominent besetzte Gästeliste bei der Eröffnung der Ausstellung „Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Rechtsanwälte nach 1933“ im Plenarsaal des Oberlandesgerichts. Justizministerin Anke Spoorendonk kam direkt aus der Landtagssitzung, in der die neue Landesverfassung beschlossen wurde. Mehrere Gerichtspräsidentinnen waren im Saal und fast der komplette Vorstand der Schleswig-Holsteinischen Rechtsanwaltskammer. Festredner war Walter Rothschild, der Landesrabbiner von Schleswig-Holstein. Er berichtete von einer ganz persönlichen familiären Verbindung zum Thema: Sein Großvater war Richter im Oberlandesgerichtsbezirk Celle und wurde 1933 von den Nazis aus dem Amt entfernt.

Die Wanderausstellung der Bundesrechtsanwaltskammer und des Deutschen Juristentages war in den vergangenen 14 Jahren schon an 60 anderen Orten in ganz Deutschland zu sehen. In Schleswig liegt der Schwerpunkt auf dem Schicksal schleswig-holsteinischer Anwälte. Auf den Schautafeln im Flur des Gerichtsgebäudes erfahren die Besucher zum Beispiel Einzelheiten aus dem Leben des Kieler Rechtsanwalts Wilhelm Spiegel, der im April 1933 in seinem Arbeitszimmer erschossen wurde. Wenige Wochen später verhängte das Nazi-Regime ein Berufsverbot für jüdische Anwälte.

Zur unrühmlichen Geschichte der schleswig-holsteinischen Justiz gehört, dass hier besonders viele Richter, die an Unrechtsurteilen der NS-Zeit beteiligt waren, in der Bundesrepublik weiter wirken konnten.

Die Ausstellung zeigt, dass diese Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg nicht von Anfang an selbstverständlich war. Zu den jüdischen Anwälten, in deren Leben die Besucher eintauchen können, zählt auch Rudolf Katz (1895-1961). Er verlor eine Zulassung als Rechtsanwalt in Altona im Juni 1933 und emigrierte noch im selben Jahr nach China. 1947 wurde der Sozialdemokrat Schleswig-Holsteins erster Justizminister – und später Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts.


> Die Ausstellung ist bis zum 30. Dezember montags bis freitags von 9 bis 15.30 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

zur Startseite

von
erstellt am 10.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen