schuby : Rausgehen statt jammern

Eindrücke fotografisch festhalten: Hansjörg Dittmer in seinem Erinnerungskeller in Schuby.
Eindrücke fotografisch festhalten: Hansjörg Dittmer in seinem Erinnerungskeller in Schuby.

„Absolut ruhelos“: Mit 76 Jahren und Titangelenken reist der Schubyer Hansjörg Dittmer durch die Welt. Sein nächster Nächster Stop ist Indien.

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03. September 2018, 16:07 Uhr

Hansjörg Dittmer ist es mittlerweile gewöhnt, am Flughafen erstaunte Blicke auf sich zu ziehen. Schließlich falle er mit vier künstlichen Titangelenken und einer Stabilisierungsklammer in der Wirbelsäule bei den Kontrolldurchgängen immer auf. „Manche Senioren meinen, sie wären mit einem künstlichen Knie bereits Krüppel“, erzählte der 76-jährige. „Ich bin der Beweis, dass das nicht stimmt“, machte er deutlich. In der Tat ist der Senior fit genug, um sich von den genannten „Ersatzteilen“ nicht abhalten zu lassen, die ganze Welt zu bereisen. „Man sollte sich nicht vor den Fernseher setzen und jammern, sondern rausgehen und was erleben.“

Über 100 Länder hat der ehemalige Bildjournalist bereits besucht, mit dem Flugzeug, per Bus und Bahn und zu Fuß. „Ich habe auf Kamelen gesessen, auf Elefanten, Eseln und Mulis“, erzählte Dittmer, der seit Jugendtagen regelmäßig auf große Reisen geht. „Ich bin neugierig auf die Länder, die Menschen und Kulturen. Und die Ernährung“, fügte der Schubyer hinzu, der sich als „absolut ruhelos“ bezeichnet.

Aber er kann ja nicht immer unterwegs sein – und diese Zeit überbrückt er damit, seine Erinnerung an die Erlebnisse wach zu halten. „Das kann ich nicht vergessen“, schwärmt der 76-Jährige immer wieder mit Tränen in den Augen, wenn er von seinen Reisen berichtet und seine vielen Mitbringsel in seinem eigens dafür eingerichteten Kellerraum zeigt.

Er begegnete als junger Mann dem mittlerweile verstorbenen palästinensischen Politiker und Friedensnobelpreisträger Jassir Arafat in der Wüste, fuhr mit Zollbeamten Streife bis ins syrische Aleppo und fotografierte Schlösser der russischen Zarenfamilie von innen. Der Vater von drei erwachsenen Kindern wanderte zwischen den Terrassenbauten am Machu Picchu in Peru und hielt das „Ende der Welt“ in Ushuaia, Argentinien, in Bildern fest. Es ist sein Antrieb, seine Erlebnisse mit fotografischem Blick festzuhalten, die Farbenspiele der Natur, die Kunst in Chile oder Mexiko, die beeindruckenden Kulissen amerikanischer Städte.

Dabei sucht der gelernte Kaufmann immer Kontakt zu Einheimischen, knüpft Verbindungen und Freundschaften, die ihm häufig Zutritt zu Orten verschaffen, die sonst nur Einheimische kennen. „Ich habe schon viel Verbotenes gesehen und immer Glück mit meinen Begegnungen gehabt. Ich war immer mutig, aber nie leichtsinnig.“

Seine nächsten Ziele sind Indien und Nepal. Dort wird er als „Backpacker“ unterwegs sein, mit einem Rucksack, aber ohne konkrete Pläne und Unterkunftsmöglichkeiten. Und natürlich mit seiner acht Kilogramm schweren Fotoausrüstung.

Fest gebucht für den „Ausflug“ hat er lediglich den Flug von Hamburg über Amsterdam nach Neu Delhi – und dort vier Tage in einem Hostel, wo er die weitere Route planen will.

Seine Frau Ingrid (68), mit der er gerade Goldene Hochzeit gefeiert hat und die ihn oft begleitet hat, lässt ihn nur ungern alleine ziehen. Aber sie kennt ihnen rastlosen Mann inzwischen genau: „Er braucht das. Egal, was alle sagen.“ Dittmer weiß, dass sie Recht hat und beruhigt: „Das Fernweh ist schlimmer als Heimweh. Aber ich komme ja wieder.“

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