Gesundheit in Schleswig : Raus aus der Schmerz-Spirale

Oberärztin und Schmerztherapeutin Claudia Pirch tastet die Wirbelsäule der Rückenpatientin ab.
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Oberärztin und Schmerztherapeutin Claudia Pirch tastet die Wirbelsäule der Rückenpatientin ab.

Wie Klinik-Oberärztin Claudia Pirch und ihr Team Patienten mit chronischen Erkrankungen helfen können

shz.de von
12. September 2018, 16:39 Uhr

Immer nur Schmerzen. Im Rücken, im Nacken, im Kopf. Wenn Spritzen, Medikamente oder Operationen kaum mehr etwas ausrichten können und die Schmerzen irgendwann chronisch geworden sind – dann könnte diese Behandlungsmethode helfen: die „Multimodale Schmerztherapie“.

Praktiziert wird sie seit dem Frühsommer auch im Schleswiger Helios-Klinikum. „Wir gehen hier in unserer stationären Schmerztherapie ganzheitlich und individuell auf jeden Patienten ein“, sagt Claudia Pirch (41), Schmerztherapeutin und Oberärztin für Anästhesie, Schmerz- und Intensivmedizin sowie Palliativmedizin.

Man zeige den Patienten Wege auf, wie sie aus der Schmerz-Spirale ausbrechen können. Damit dies gelingt, muss der Patient tüchtig mithelfen. Ähnlich wie in einem Baukasten werde die für den Patienten geeignete Kombination aus physikalischen Therapien und psychosozialer Betreuung ausgewählt. Dabei werden sie von den auf Schmerzen spezialisierten Berufsgruppen wie etwa Psychologen sowie Physio- und Ergotherapeuten begleitet.

Den Hebel für die Selbstheilungskräfte in Gang setzen, ist Teil der Therapie. Das klingt leichter gesagt als getan, weiß auch Claudia Pirch. Natürlich führe die Therapie nicht bei jedem Patienten zu dem von ihm erwarteten Ergebnis, räumt sie ein. Jedoch gelte die multimodale Schmerztherapie mittlerweile auch nach Meinung von Krankenkassen als „Goldstandard“ bei der Behandlung von chronisch Kranken.

Der Schmerz hat viele Gesichter. Und er sitzt nicht allein im Körper. Je länger er andauert und somit eine eigene Erkrankung darstellt, umso stärker hat er sich auch in Geist und Seele des Patienten eingebrannt. Das „Schmerz-Gedächtnis“ führt dann oftmals zu einer Wechselwirkung zwischen körperlicher und psychischer Belastung und verändert das Verhalten des Kranken in Familienkreis und Arbeitsumfeld. Wenn also der Schmerz Körper, Geist und Seele gleichermaßen peinigt – was liegt dann näher, als die Psyche, den Verstand und die Gedankenwelt des Kranken gleichwertig in die Therapie einzubeziehen?

Genau das passiert bei der multimodalen Schmerztherapie. Claudia Pirch führt zu Beginn einer zweiwöchigen stationären Therapie mit dem Patienten ein Aufnahmegespräch, das mindestens zwei Stunden dauert. „Dabei kriege ich oft eine erste Idee, wo wir ansetzen bei unserer Therapie“, sagt sie. Jede Information vom Kranken sieht sie als wichtig an: „Denn wir möchten den Schmerz des Patienten verstehen, um ihm helfen zu können.“ Denn viele der Patienten haben bereits ein Medikamenten-Marathon mit stärksten Schmerzmitteln und manche OP hinter sich.

Derzeit stehen im Krankenhaus sechs Behandlungsplätze für Schmerzpatienten zur Verfügung. Das Behandlungskonzept sieht vor, dass jeder einen speziell auf sein Krankheitsbild zugeschnittenen Therapieplan für die Zeit seines Klinikaufenthalts erhält.

Den Schmerz verstehen lernen.Nicht nur die Ärzte und Therapeuten bemühen sich darum. „Auch für den Patienten heißt es bei uns: reden, reflektieren, mitmachen“, sagt Claudia Pirch. Auf diese Weise können sich die Patienten Strategien im Umgang mit den Schmerzen aneignen, wieder Zugang zur eigenen Kraft entdecken. Und dabei versuchen, Zuversicht und Gelassenheit zu erreichen.

„Und dann kehrt auch die Lust am Leben zurück“, sagt die Schmerztherapeutin.

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