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Schleswig : Ratten sorgen für Kleingärtner-Streit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Pächter spricht von einer Plage in der Anlage am Kattenhunder Weg. Der Hühnerstall des Nachbarn soll die Nagetiere anlocken.

„Du dumme Sau!“ Das sind die letzten Worte, die Gero Wiemeier von seinem Nachbarn hört, bevor dieser in seiner Gartenlaube verschwindet. Der Streit zwischen den beiden Kleingärtnern schwelt schon länger. Nicht mehr lange, so Wiemeier, und es kommt zur handfesten Auseinandersetzung. Der Grund für den Zwist: Ratten, die angeblich aus dem Hühnerstall des Nachbarn in Wiemeiers Garten gelangen.

„Meine Frau traut sich schon kaum mehr her“, erzählt Wiemeier, als er am Rand seines Schrebergartens steht und die Löcher begutachtet, durch die die Ratten seiner Meinung nach in seinen Garten gelangen. Das Schlimmste sei jedoch der beißende Gestank. „Die Viecher stinken wie frisch aus der Klärgrube“, berichtet er. Denn die kleinen Tiere sorgten für jede Menge Hinterlassenschaften.

„Die Ratten sind riesig, sowas hab’ ich noch nicht gesehen, eine echte Plage“, so der Klappholzer. Dass sie ausgerechnet ständig durch seinen Kleingarten laufen, sei kein Zufall, meint er. Schuld daran sei nämlich der Pächter der Parzelle nebenan. „Fast zwanzig Hühner hält er da drüben“, schimpft Wiemeier. Erlaubt seien laut Vereinssatzung aber nur vier. „Und fast nie macht er den Stall sauber. Ist doch klar, dass das die Ratten anlockt“, so seine Schlussfolgerung. Der Nachbar jedoch sei sich keiner Schuld bewusst, meint Wiemeier.

Seitdem er 2015 den Schrebergarten im Kattenhunder Weg pachtete, liegen die Grünflächen der beiden Hobby-Gärtner Zaun an Zaun. Eigentlich kennen sie sich schon seit etlichen Jahren. Doch die Ratten haben einen Keil zwischen sie getrieben. An ein normales Gespräch am Gartenzaun ist hier nicht mehr zu denken. Stattdessen fliegen wüste Beschimpfungen hin und her.

Inzwischen ist es sogar so weit gekommen, dass der rattengeplagte Kleingärtner das Ordnungsamt alarmierte. Ein Schädlingsbekämpfer sollte sich daraufhin um die Ratten kümmern – ein Service, den die Stadt Schleswig seinen Bürgern in solchen Fällen kostenlos anbietet. Doch auch mehrmalige Versuche, das Problem mittels Rattenfallen zu beseitigen, waren zwecklos – und nun soll Wiemeier sich selbst darum kümmern. „Das sehe ich nicht ein, dass ich jetzt zusätzlich zu den 275 Euro, die ich jährlich an Pacht für den Garten bezahle, auch noch für Rattenfallen aufkommen muss“, wettert er.

Doch auch im Ordnungsamt sieht man es nicht ein, weiter für den Rattenfänger zu bezahlen. „Dieser Service ist nicht da, um als eine Art Abo benutzt zu werden“, erklärt Rathaussprecherin Antje Wendt auf Nachfrage, „zumal es in diesem Fall auch gar nicht sicher ist, ob die Vermutung des Mannes zur Ursache des Rattenproblems richtig ist.“ Stattdessen habe man ihm geraten, sich an den Vorsitzenden des Gartenvereins zu wenden. Der jedoch will die Geschichte nicht an die große Glocke hängen: „Momentan haben wir tatsächlich wieder vermehrt Ratten in unserer Anlage. Das ist in dieser Jahreszeit aber normal und hängt vor allem mit dem feuchten Wetter zusammen“, erklärt Gerhard Könemann, Chef der Schleswiger Gartenfreunde.

Dem Hühner haltenden Clubmitglied habe der Verein trotzdem eine Abmahnung geschickt. „Innerhalb einer gewissen Frist ist er nun aufgefordert, die Anzahl seiner Hühner zu verringern. Wenn er das nicht tut, muss er irgendwann den Verein verlassen.“

Dass es jedoch so weit kommt, glaubt Wiemeier nicht. „Der hat doch schon so viele Abmahnungen erhalten“, sagt er. „Und glauben Sie mal nicht, dass es hier in der Anlage nicht noch mehr Rattenprobleme gibt.“

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