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Schmid-Villa in Schleswig : Rat stimmt für Wohnanlage am Hafen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Abriss der Schmid-Villa am Stadthafen rückt näher. In der Ratsversammlung stimmten nur die Grünen gegen einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan.

Schleswig | Die Ratsversammlung hat gestern Abend mit großer Mehrheit beschlossen, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Grundstück der Schmid-Villa am Stadthafen aufzustellen, und zwar mit dem Ziel, dort eine mehrgeschossige Wohnanlage zu schaffen. Anlass ist der Plan des Busdorfer Investors Uwe Hahn, Blocks mit 50 seniorengerechten Wohnungen in bis zu fünf Geschossen zu errichten. SPD, CDU, SSW, FDP und die beiden Wählergemeinschaften stimmten der B-Plan-Aufstellung zu. Einzig die Grünen votierten dagegen.

Der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD) betonte, man habe keineswegs eine Vorentscheidung darüber getroffen, wie die vorgesehenen Gebäude am Ende aussehen werden. „Wir beschließen nur, dass überhaupt etwas geschehen soll“, sagte er. In dieselbe Kerbe schlugen auch Holger Ley (CDU) und Ingo Harder (BfB). Grünen-Ratsfrau Babette Tewes indes mochte nicht glauben, dass mit dem Beschluss weiterhin alles offen bleibt: „Es kommen unschöne Betonklötze direkt am Hafen“, prophezeite sie. „Die Entwürfe sind im Prinzip schon abgenickt.“ Ihr Fraktionsvorsitzender Johannes Thaysen ergänzte: „Wir haben in den letzten drei Wochen mit vielen Bürgern über das Projekt gesprochen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Mehrheit der Schleswiger Bürger das Vorhaben nicht befürwortet.“ Als Alternative schlug er ein kleinteiliges Ensemble vor, dass sich harmonisch in die Umgebung mit Dom und Hafen einfügen soll – mit zweigeschossigen Häuschen am Schleiufer, Ladenzeilen und Verweilplätzen. Die Grünen überlegen nun, gemeinsam mit anderen Initiativen in der Stadt ein Bürgerbegehren gegen die geplante Bebauung in die Wege zu leiten.

Dass die SN bereits am Wochenende die Leserinnen und Leser nach ihrer Meinung zu dem Vorhaben befragt haben, wurde von Bürgermeister Arthur Christiansen ebenso kritisiert wie von Bosholm. Die Aktion sei „nicht sehr hilfreich“ gewesen, meinte er.

In der Ratsdebatte kam auch immer wieder der Kauf der Schmid-Villa vor zwei Jahren zur Sprache. Die Stadtwerke hatten seinerzeit 2,35 Millionen Euro an die vorherige Eigentümerin Sybille Schmid-Sindram überwiesen. Die Ratsversammlung hatte dem in geheimer Sitzung zugestimmt. Bosholm verteidigte dieses Vorgehen. Die Frage, ob man die Schmid-Villa kaufen soll, habe man nicht öffentlich diskutieren können, „weil es auch um den Verkaufspreis ging“. Daran sei „nichts Geheimnisvolles oder Ehrenrühriges“. Man habe sich dafür entschieden, um auch das vorgelagerte Grundstück erwerben zu können, auf dem die Stadtwerke inzwischen einen Wohnmobil-Stellplatz eingerichtet haben. Zur Villa selbst sagte Bosholm: „Dieses Haus wäre besser nie gebaut worden.“ Man habe es dem Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid seinerzeit genehmigt in der Hoffnung, dass sein Unternehmen in Schleswig weiter investiere.

Am nachdrücklichsten warben die Vertreter des SSW für die geplante Wohnanlage: Hahns Entwürfe seien bereits sehr gut angekommen, meinte Fraktionschef Otmar Petersen. Für die Wohnungen hätten sich bereits zahlreiche Interessenten gemeldet. „Nur Traumtänzer können glauben, man könnte dort eine beschauliche Bebauung machen.“ Schließlich müssten die Stadtwerke mit dem Verkauf „zwei Millionen Euro Kredite wieder rausholen“, fügte Petersen hinzu. Sein Fraktionskollege Harry Heide sagte: „Ob die Fahrdorfer das dann leiden mögen, ist mir vollkommen egal.“ Eine Anspielung auf eine Wortmeldung von einer Bürgerin der Nachbargemeinde, die in der Einwohnerfragestunde ihre Sorge zum Ausdruck gebracht hatte, die geplante Wohnanlage könnte sich nicht angemessen in die Umgebung von Dom und Hafen einfügen.

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erstellt am 11.Nov.2014 | 10:00 Uhr

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