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Bundestagswahl 2017 : Ralf Stegner und der Wahlkreis 1: Warum will der SPD-Chef nach Schleswig-Flensburg?

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

SPD-Landeschef Ralf Stegner trifft Vorbereitungen für eine mögliche Kandidatur zur Bundestagswahl 2017. Er liebäugelt damit, in Flensburg-Schleswig anzutreten – und löst dort bei den Genossen ein geteiltes Echo aus.

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erstellt am 16.Jun.2015 | 12:20 Uhr

Wechselt Ralf Stegner von Kiel nach Berlin? Bislang hat sich Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef nicht erklärt, ob er 2017 wieder für den Landtag oder nicht doch lieber für den Bundestag kandidiert. Einiges deutet allerdings darauf hin, dass es den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Sozialdemokraten von der Förde an die Spree zieht. Zum Beispiel der Umstand, dass ihm der erhoffte Posten des Ministerpräsidenten wohl weiter verwehrt bleiben wird, nachdem Amtsinhaber Torsten Albig unlängst erklärt hat, bei der nächsten Landtagswahl wieder anzutreten. So ist Stegner vorsorglich schon mal auf die Suche nach einem Wahlkreis für die Bundestagswahl gegangen. Nach Informationen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) hat der 55-Jährige seine Fühler im Wahlkreis 1, Flensburg-Schleswig, ausgestreckt – und damit unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Denn wohl kein anderer Sozialdemokrat polarisiert auch parteiintern so stark wie der „rote Rambo“.

Bei der Landtagswahl ist Ralf Stegner im Wahlkreis Rendsburg-Ost (WK 10) angetreten. Bei der Bundestagswahl ist die Aufteilung etwas anders. Stegners Heimatort Bordesholm liegt im Wahlreisreis 4 (Rendsburg-Eckernförde). Dort war zuletzt bei der Bundestagswahl 2013 CDU-Kandidat Johann Wadephul erfolgreich, gefolgt von Sönke Rix (SPD). Eine Kampf-Kandidatur gegen seinen Partei-Kollegen scheint für Stegner nicht in Frage zu kommen. Er sucht einen Wahlkreis, der keinen SPD-Vertreter im Bundestag hat.

„Eine Kandidatur von Stegner wäre ein Hammer. Sie würde uns vor eine Zerreißprobe stellen“, befürchtet ein Mitglied des SPD-Kreisverbands Schleswig-Flensburg, das namentlich nicht genannt werden will. Ein anderer Genosse, der ebenfalls vom Interesse Stegners gehört hat, sagt hingegen: „Ich fände es nicht schlecht, wenn Ralf Stegner bei uns kandidieren würde. Denn damit verbunden wäre ein aussichtsreicher Listenplatz. Dann wäre es wahrscheinlicher, dass unser Kreisverband wieder im Bundestag vertreten ist.“

Bei der Bundestagswahl 2013 war Dirk Peddinghaus für die SPD im Wahlkreis 1 angetreten. Er unterlag gegen die CDU-Kandidatin Sabine Sütterlin-Waack und verpasste auch den Einzug ins Parlament über die Landesliste, weil er lediglich auf Platz 11 rangierte. Peddinghaus, der als Berufsoffizier derzeit im brandenburgischen Strausberg stationiert, aber noch Mitglied des Schleswiger Kreistages ist, hält sich eine abermalige Kandidatur noch offen. „Ich werde mich frühestens Ende des Jahres entscheiden“, sagte er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Dies hänge auch vom programmatischen Kurs der Partei ab. „Aber wenn ich mich entschließe zu kandidieren, dann werde ich mich auch nicht scheuen, gegen einen Herrn Stegner anzutreten.“

Auch Ralf Wrobel, Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Schleswig-Flensburg, kann sich sehr gut vorstellen, ein weiteres Mal mit Peddinghaus ins Rennen zu gehen. Stegner selbst hält sich bedeckt. Seine Antwort auf die Frage, ob er mit dem Wahlkreis im hohen Norden liebäugelt, fällt vielsagend knapp aus: „Davon weiß ich nichts.“

Vor wenigen Wochen hatte Stegner verkündet, eine Entscheidung, wer im Landesverband für welches Parlament kandidiere, werde frühestens im zweiten Halbjahr 2016 fallen. Klar scheint aber, dass für den Bordesholmer sein Heimatkreis Rendsburg-Eckernförde nicht in Frage kommt. Denn dort müsste er gegen seinen Parteifreund Sönke Rix antreten.

Nach derzeitigem Stand gibt es nur zwei Wahlkreise in Schleswig-Holstein, die keinen SPD-Vertreter im Bundestag haben und deshalb für eine Stegner-Kandidatur Sinn machen: Kiel (Wahlkreis 5) und Flensburg-Schleswig. Der in der Landeshauptstadt direkt gewählte Hans-Peter Bartels hat sein Mandat vor kurzem niedergelegt, nachdem er zum neuen Wehrbeauftragten ernannt wurde. Im Kieler SPD-Kreisverband aber ist Stegner alles andere als wohlgelitten und damit kaum mehrheitsfähig. Bleibt also der Wahlkreis 1.

Ein Kommentar von Alf Clasen: Riskante Verlockung für die Genossen Ein Spitzenpolitiker aus Kiel, der sich mal eben den Bundestagswahlkreis Flensburg-Schleswig greift: Das ist schon einmal schief gegangen, als Jost de Jager letztlich am Widerstand der CDU-Basis scheiterte. Auch für Ralf Stegner, den starken Mann der Landes-SPD, wäre eine Bewerbung hier alles andere als ein Selbstgänger. Stegner weiß zwar durchaus Verbündete wie etwa die Schleswiger Landtagsabgeordnete Birte Pauls an seiner Seite. Viele Genossen aber stören sich sowohl an dem zuweilen rabiaten Führungsstil als auch an den politischen Zielen des Mannes vom linken Parteiflügel.

Dennoch stehen Stegners Chancen für eine Kandidatur gut, stößt er doch in ein Vakuum. Weder in Flensburg, noch im Kreisgebiet drängt sich aus den Reihen der Sozialdemokraten jemand für den Gang nach Berlin auf. Auch Dirk Peddinghaus nicht, der nach der verlorenen Wahl 2013 weitgehend abgetaucht ist. Die hiesige SPD hätte mit Stegner wohl wieder einen Platz im Bundestag sicher. Schließlich würde er als Parteichef auf Platz 1 der Landesliste abgesichert. Der Preis dafür könnte jedoch ein hoher sein – eine zerstrittene Basis. Auf jeden Fall scheint ein spannender Vorwahlkampf programmiert.

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