SPD-Bundesvize in Schleswig : Ralf Stegner an der skeptischen Basis

Müde: Ralf Stegner (rechts neben Ratsfrau Maren Korban) beim Neujahressen des Schleswiger SPD-Ortsvereins.
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Müde: Ralf Stegner (rechts neben Ratsfrau Maren Korban) beim Neujahressen des Schleswiger SPD-Ortsvereins.

SPD-Bundesvize Ralf Stegner wirbt bei den Schleswiger Genossen für das Ergebnis der Sondierungsgespräche mit CDU und CSU – mit mäßigem Erfolg.

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15. Januar 2018, 07:51 Uhr

Die Müdigkeit war ihm anzusehen. Nach dem Verhandlungsmarathon in Berlin hatte Ralf Stegner nicht viel Zeit zum Ausruhen. Erst war er Gastredner auf dem Neujahrsempfang der Bremer SPD, und gestern Mittag stellte er sich der Parteibasis im Schleswiger Ortsverein. Die Aufgabe, vor der der Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD jetzt steht, scheint nicht einfacher zu sein als die Sondierungsgespräche mit CDU und CSU. Er muss die Partei überzeugen, dass es sich lohnt, in Koalitionsverhandlungen einzutreten.

Die Schleswiger Genossen sind noch längst nicht überzeugt. Die örtliche Landtagsabgeordnete Birte Pauls, die gemeinhin zu Stegners innerparteilichen Stützen zählt, sagte zum Sondierungsergebnis: „Das geht gar nicht!“ Einzelne Punkte aus dem Verhandlungspapier könne man zwar als Erfolg werten, „aber ich kaufe mir doch ein Haus auch nicht, weil mir einzelne Kacheln gefallen! Das Gesamtpaket muss stimmen!“ Etwas zurückhaltender der Ratsfraktions-Vorsitzende Stephan Dose: „Mir persönlich ist das noch nicht genug.“

Eine ausführliche Debatte über die Berliner Sondierungsgespräche stand gestern aber nicht auf der Tagesordnung. Diskutiert werden soll morgen, wenn Stegner erneut nach Schleswig kommt. Dann sind alle Parteimitglieder aus dem Kreisgebiet um 19 Uhr ins Hotel „Ruhekrug“ eingeladen.

Beim gestrigen Neujahrsessen im „Deutschen Hof“ stand die Ehrung langjähriger Mitglieder im Mittelpunkt. Stegner überreichte Urkunden an zwei Angehörige der Schleswiger Lokalprominenz: Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky ist seit 50 Jahren in der Partei, Kurt Schietzel, der frühere Direktor des Archäologischen Landesmuseums, seit 60 Jahren. Was Stegner in seiner Laudatio über den als kritischen Geist bekannten Schietzel sagte, konnte man dabei auch als Anspielung auf die aktuellen Diskussionen über die Sondierungsgespräche verstehen: „Eine eigene Meinung ist etwas, das die Partei dringend braucht. Es ist besser, Kritik innerhalb der Partei zu üben, als sie zu verlassen.“ (Schietzel übrigens bezeichnet das Ergebnis der Sondierungen als „Katastrophe“.) Auch wenn Stegner für Koalitionsverhandlungen mit der Union warb, ließ er doch stets erkennen, dass er die Skepsis der Basis nachvollziehen kann. „Man kann nicht immer zwischen Schön und Schlecht wählen“, sagte er. „Manchmal muss man sich zwischen zwei schlechten Dingen für die graduell bessere Variante entscheiden.“ Und die Alternative zur Koalition, nämlich Neuwahlen, könne zu einem noch schlechteren Ergebnis für die SPD und zu einem weiteren Erstarken der Rechten führen.

Prominente Jubilare: Der frühere Landesmuseums-Direktor Kurt Schietzel (li.) wurde für 60 Jahre Parteimitgliedschaft geehrt, Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky für 50 Jahre.
Prominente Jubilare: Der frühere Landesmuseums-Direktor Kurt Schietzel (li.) wurde für 60 Jahre Parteimitgliedschaft geehrt, Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky für 50 Jahre.
 

Stegner wird noch viel werben müssen. Denn zu einer Neuauflage der Großen Koalition – das haben die Parteioberen immer wieder klargemacht – wird es nur dann kommen, wenn die Basis in einer Mitgliederbefragung zustimmt.

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