Aus dem Landgericht : Rätsel um den Schmuck im Tresor

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Neues aus dem Prozess um den Überfall auf zwei Hafenbistro-Mitarbeiterinnen: Einer der Täter soll auch in ein anderes Schleswiger Restaurant eingebrochen sein.

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28. Mai 2015, 07:46 Uhr

Bis zu einem Urteil im Prozess um den Überfall auf zwei Mitarbeiterinnen des Fischbistros Esch am Stadthafen dürften noch einige Verhandlungstage verstreichen. Gestern hatten vier der fünf Angeklagten frei. Einer der fünf jungen Männer musste sich alleine für einen Einbruch in ein anderes beliebtes Schleswiger Restaurant verantworten. Diese Tat ereignete sich bereits im August 2013. Lange Zeit hatte die Polizei keine heiße Spur. Die Beamten konnten am Tatort zwar Blutreste sicherstellen, diese aber keinem Verdächtigen zuordnen.

Das änderte sich erst im vergangenen Jahr, als die Männer, die am Überfall auf die Esch-Mitarbeiterinnen beteiligt waren, in Neumünster in Untersuchungshaft saßen. Eine DNA-Analyse ergab, dass das Blut aus dem Einbruch von einem von ihnen stammte. Der Mann wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern. Über seine Anwältin ließ er lediglich erklären, dass er sich häufiger in der direkten Umgebung des Restaurants aufgehalten habe.

Vor Gericht ging es dann in erster Linie um eine andere Frage: Wie viel wurde bei dem Einbruch eigentlich gestohlen? Der Wirt hatte kurz nach der Tat von 3000 Euro gesprochen – Wechselgeld und Einnahmen vom Vortag. Erst mehrere Wochen später sprach er von einem Schaden in Höhe von 17  000 Euro. Es sollen sich auch zwei Herren-Armbanduhren und wertvoller Schmuck seiner Ehefrau in dem Tresor befunden haben.

Den Vorsitzenden Richter Michael Lembke ließ das stutzig werden: „Nachträglich tauchen auf der Stehlgut-Liste plötzlich Schmuckstücke auf – ich will niemandem etwas Böses unterstellen, aber da werde ich berufsbedingt misstrauisch“, sagte er. Der ermittelnde Kripo-Beamte hingegen meinte: „Es klang plausibel, was er sagte.“ Nachgemeldete Schäden seien in solchen Fällen keineswegs ungewöhnlich. „Gerade bei Tresordiebstählen wird den Geschädigten oft erst im Nachhinein klar, was alles in dem Tresor lag.“

Der bestohlene Wirt selbst konnte sich zu dem Vorfall gestern nicht äußern. Er war als Zeuge geladen, hatte aber kurzfristig krankheitsbedingt abgesagt.

Die Verhandlung vor dem Flensburger Landgericht geht am 9. Juni weiter. Dann sollen Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten klären, wer von den Tätern welchen Anteil am Überfall auf die Esch-Mitarbeiterinnen und an den Vorbereitungen hatte.

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