Radwege im Kreis Schleswig-Flensburg : Radfahrer: Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse?

Ein Schild weist auf die Schäden hin. Benutzt werden muss der Radweg trotzdem.
Ein Schild weist auf die Schäden hin. Benutzt werden muss der Radweg trotzdem.

Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster, Wurzeldurchbrüche: Der ADFC bemängelt den Zustand vieler Radwege im Kreis.

Avatar_shz von
02. November 2017, 13:44 Uhr

Groß Rheide | Noch ein letztes Mal den Drahtesel aus dem Schuppen holen und die Natur genießen, bevor der Winter kommt. Schade nur, dass viele Radfahrer die Natur nicht genießen können,weil sie sich darauf konzentrieren müssen, heil ans Ziel zu kommen. Denn: Wer mit der Fahrrad im Kreis Schleswig-Flensburg unterwegs ist, kennt den schlechten Zustand vieler Radwege. Schlaglöcher, Beulen, Kopfsteinpflaster, Wurzeldurchbrüche und Grasüberwachsungen machen viele Strecken zu gefährlichen Holperpisten.

„Wir müssen leider häufig feststellen, dass Radwege im Kreisgebiet marode sind und nicht den Mindestanforderungen entsprechen“, sagt Timo Schmidt vom Fahrradclub ADFC in Flensburg. Als besonders erschreckendes Beispiels nennt er den Radweg neben der Landesstraße 39 zwischen Kropp und Groß Rheide. Die vielen Schäden machen diesen Weg zur regelrechten Buckelpiste. „Absolute Vollkatastrophe! Unfahrbar!“ schimpft ein Nutzer im Internet.

Gemeinsame Rad- und Fußwege sollen laut Straßenverkehrsordnung außerorts eine Breite von mindestens zwei Metern aufweisen. Die „Empfehlung für Radverkehrsanlagen“ des ADFC fordert sogar zweieinhalb Meter Breite. Im Kreis Schleswig-Flensburg sieht das allerdings oft anders aus – so ist beispielsweise die Trasse zwischen Kropp und Groß Rheide an den meisten Stellen nicht einmal halb so breit wie vom ADFC gefordert. Lediglich 1,10 Meter Breite weist sie an ihrer schmalsten Stelle auf. Genügend Platz für zwei Fahrräder, die sich begegnen? Oder für einen Radfahrer, der eine Mutter mit Kinderwagen überholen will? Für Timo Schmidt nicht. Er fordert daher die Aufhebung der sogenannten Radwegbenutzungspflicht. Diese verpflichte die Radler zur Benutzung des Radwegs – egal in welchem Zustand dieser ist. Steht eines der runden, blauen Schilder am Wegrand, so ist das Fahren auf der angrenzenden Straße laut StVO für Radfahrer verboten. Wer sich daran nicht hält, kann laut Bußgeldkatalog mit einer Strafe von bis zu 35 Euro rechnen. Doch wie gefährlich ist es, mit dem Rad auf der Straße zu fahren? Mit der richtigen Beleuchtung sei dies kein Problem, meint Schmidt. Teilweise würde die holprigen Radwege das größere Risiko darstellen.

„Die Radwege werden regelmäßig von uns überprüft. Wenn sich ein Radweg dann in zu schlechtem Zustand befindet, kann es auch sein, dass die Benutzungspflicht aufgehoben wird,“ erklärt Heiko Tessenow, Leiter der Flensburger Niederlassung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr. Nach Auskunft des ADFC sei vor allem im Schleswiger Stadtgebiet zuletzt die Benutzungspflicht auf einigen Radwegen abgeschafft worden – auf Drängen des örtlichen ADFC-Vereins. An Land- und Kreisstraßen bleibe es jedoch ein Problem und auch mit einer umfassenden Sanierung ist vorerst nicht zu rechnen. „Eine Liste, wann welche Radwege saniert werden, gibt es bei uns nicht“, stellt Tessenow klar. Fahrradwege würden im Regelfall erst dann saniert, wenn auch der dazugehörige Straßenabschnitt erneuert wird.

Viele Radwege seien daher weiterhin in einem unzumutbarem Zustand, so Schmidt: „Gefährlich und unverständlich, dass an kaputten Strecken stattdessen lediglich Hinweisschilder aufgestellt werden, die auf die Schäden aufmerksam macht.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen