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SN-Podiumsdiskussion : Punktsieg für den Hesterberg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zukunft des Theaters: Die SN-Podiumsdiskussion bewirkt in Teilen des Publikums offenbar Stimmungsumschwung weg vom Lollfuß.

von
erstellt am 29.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Das Theater bewegt die Stadt. Rund 400 Bürger kamen am Montagabend zur Podiumsdiskussion, zu der die Schleswiger Nachrichten und der Verein der Theaterfreunde eingeladen hatten. Der Festsaal in der A.-P.-Møller-Schule auf der Freiheit war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Dabei interessierten sich die Besucher für eine Frage besonders: Muss das neue Theater auf dem Hesterberg stehen oder gibt es vielleicht doch noch eine Chance für den traditionsreichen Standort am Lollfuß, wo das einsturzgefährdete alte Stadttheater auf den Abrissbagger wartet?

Offenbar ist es den Hesterberg-Befürwortern gelungen, in der Diskussion einen Punktsieg zu landen. Darauf deutet jedenfalls der Ergebnis einer Abstimmung hin, zu der die SN am Ende der Veranstaltung aufriefen. Unsere Leserbefragung in der vergangenen Woche hatte noch eine klare Mehrheit für den Lollfuß ergeben (wir berichteten). Jetzt zeigte sich ein anderes Bild. Von den 310 abgegebenen Stimmen entfielen 160 auf den Hesterberg: 51,9 Prozent. Das lag wohl nicht nur daran, dass sich das Publikum anders zusammensetzte als die Teilnehmerschaft der vorherigen Umfrage. Manche Skeptiker wurden während der Diskussion nachdenklich und machten das auch auf ihren Stimmzetteln deutlich, als sie zum Beispiel vermerkten, sie würden „notgedrungen“ für den Hesterberg stimmen.

Vier der sechs Teilnehmer auf dem Podium hatten in unterschiedlicher Intensität für diesen Standort geworben: Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach, Bürgermeister Arthur Christiansen, der SPD-Ratsherr und Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm sowie Eberhard Schmidt-Elsaeßer, Staatssekretär im Kieler Kulturministerium.

„Ich habe mit Herzblut für den Lollfuß gekämpft, aber ich habe diesen Kampf verloren“, sagte Grisebach. Wer jetzt noch an diesem Standort festhalte, „sattelt ein totes Pferd“. Nur für den Hesterberg sei es gelungen, sieben Millionen Euro Zuschüsse aus dem Landeshaushalt und dem Kommunalen Investitionsfonds einzuwerben. Insgesamt soll der Neubau 14,1 Millionen Euro kosten.

CDU-Ratsfraktionschef Holger Ley schloss nicht aus, dass er dem Hesterberg zustimmen könnte, falls sich herausstellt, dass sich ein Neubau im Lollfuß nicht verwirklichen lässt. Er erneuerte einen Vorschlag, den seine Fraktion gemeinsam mit den Grünen aus der Ratsversammlung vorgelegt hatte: Büros und Produktionsräume ziehen auf den Hesterberg, und im Lollfuß wird ausschließlich das Bühnenhaus neu gebaut. Davon aber wollte Grisebach nichts wissen: „Wir müssten dann jede Perücke quer durch die Stadt hin und her fahren, das ist nicht wirtschaftlich.“

Bürgermeister Christiansen zeigte Verständnis für die Lollfuß-Befürworter und versprach, bei seinem Gespräch mit den Zuschussgebern in der kommenden Woche die Standortfrage noch einmal anzusprechen. Er habe aber wenig Hoffnung auf Erfolg.

Staatssekretär Schmidt-Elsaeßer betonte, dass es die Schleswiger Ratsversammlung gewesen sei, die sich im Mai mit großer Mehrheit für den Hesterberg ausgesprochen habe. Erst daraufhin habe der Landtag in seinem Haushaltsbegleitgesetz die entsprechenden Zuschüsse beschlossen. Bosholm sagte, der Hesterberg sei ein „ausgesprochen attraktives Gelände mit viel Charme“. Für den Lollfuß könnten sich ganz neue Perspektiven eröffnen, wenn das alte Theatergebäude abgerissen sei. Der morastige Untergrund sei zwar für einen schweren Theaterbau nicht geeignet, sehr wohl aber für andere, kleinere Gebäude.

Fast alle auf dem Podium waren sich einig, dass nun schnell eine Entscheidung fallen müsse. Lediglich Manfred Wilner-Höfer, der Vorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion, forderte mehr Zeit für Bürgerbeteiligung und um ein landesweites Theaterkonzept zu entwickeln, das auch die Bühnen in Kiel und Lübeck mit einbezieht. Dafür erntete er aus dem Publikum vereinzelte Buh-Rufe.

 

 

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