Amtsgericht Schleswig : Prügelei beim Gassi-Gehen

49-Jähriger muss sich wegen Körperverletzung und versuchten Einbruchs verantworten. Urteil: Sechseinhalb Monate auf Bewährung.

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14. Juli 2015, 07:37 Uhr

Er stand bereits wegen Urkundenfälschung und schwerer Körperverletzung vor Gericht. Er war verurteilt worden, weil er mit einer Leine wiederholt auf eine andere Hundebesitzerin eingeschlagen hatte. Gestern musste sich der 49-jährige Angeklagte aus Schleswig erneut für zwei Vergehen vor dem Amtsrichter verantworten: versuchter Einbruch und Körperverletzung.

Vor etwa einem Jahr war der Mann zunächst in den Keller eines Mehrfamilienhauses in der Heinrich-Philippsen-Straße eingestiegen, um ein Fahrrad zu klauen. Das Rad stand damals direkt unter dem Kellerfenster, das der Täter zuvor von außen geöffnet hatte. Eine Bewohnerin des Hauses hörte jedoch aus ihrem Wohnzimmer im ersten Stock heraus einige dumpfe Geräusche und ging daraufhin nach draußen, um nachzuschauen. „Er hat mich gefragt, ob ich nicht ein Fahrrad für ihn übrig hätte“, sagte die Frau. Sie habe daraufhin einige Nachbarn und den Hausmeister verständigt. Als die Polizei eintraf, guckte gerade einmal die Hälfte des Fahrrades aus dem engen Kellerfenster. Ein Zeuge erinnerte sich: „Ich habe gehört, er sei auf der Suche nach seinem Hund gewesen, der ihm wohl entlaufen war. Dafür brauchte er wohl so dringend das Rad.“ Der Angeklagte erklärte, dass er zur Zeit der Tat „wahrscheinlich unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten“ stand. Er erinnere sich kaum an diesen Tag.

Der Frührentner war in der Vergangenheit bereits längere Zeit in psychiatrischer Behandlung gewesen, unter anderem wegen Drogenkonsums. Für Richter und Staatsanwalt war die fehlende Zurechnungsfähigkeit während der Tat ausschlaggebend, um zumindest einen Teil der Anklagepunkte fallen zu lassen.

Die zweite Anklage bezog sich auf einen Vorfall, der sich kurze Zeit später, ebenfalls im Sommer letzten Jahres, ereignete: Der 49-Jährige war an dem betreffenden Tag auf dem Gelände der Fachklinik mit seinem Hund spazieren gegangen. Nahe einer Bank, die unter Hundebesitzern häufig als Treffpunkt genutzt wird, öffnete er sich eine Bierflasche und warf den Kronkorken weg. Einer der Hundebesitzer sprang daraufhin von der Bank auf und forderte ihn auf, den Deckel wieder aufzuheben, weil er befürchtete, junge Hunde könnten ihn verschlucken. Der Angeklagte beschimpfte daraufhin den 74-jährigen Rentner. Danach eskalierte die Situation: Es kam zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf der 49-Jährige dem Rentner mehrmals mit der Faust ins Gesicht schlug.

Dieser kann sich die Tat bis heute nicht erklären: „Ich habe ihn vorher schon einige Male mit seinem Hund spazieren gehen sehen. Wir haben uns dann auch mal unterhalten. Da war er total nett“, sagte er vor Gericht. Im Krankenhaus wurden bei ihm damals mehrere Hämatome am Kopf festgestellt. Der Angeklagte schilderte die Tat genau andersherum, bezeichnete den Rentner als Aggressor. Er habe sich gezwungen gesehen, sich zu verteidigen. Alle Beteiligten, inklusive einiger Zeugen, waren sich einig: „Es ist Wahnsinn, was aus so einer Nichtigkeit entstehen kann.“

Beim Urteil zeigte sich das Gericht schließlich milde: Sechs Monate und zwei Wochen auf Bewährung, damit der Angeklagte sich langfristig von seinem Drogenproblem befreien kann. „Ich war danach tagelang psychisch fertig. Ich habe hier in Schleswig seit Jahren das erste Mal ein wenig Kontinuität in meinem Leben und bin schon seit einigen Monaten nicht mehr rückfällig geworden.“ Der 49-Jährige gab sich einsichtig: „Was ich getan habe, tut mir Leid.“

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