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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 07:08 Uhr

Eggebek : Protest endet auf dem Frühlingsmarkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwischen Politik und Galloway-Mettwurst: Knapp 250 Menschen demonstrieren in Eggebek friedlich gegen die AfD.

von
erstellt am 14.Mär.2016 | 12:30 Uhr

Eggebek | Knapp 250 Menschen versammelten sich gestern Nachmittag auf dem Eggebeker Thingplatz, um gegen die AfD zu protestieren. Ursprünglich sollte die Versammlung den Widerstand des „Bündnisses für ein buntes Flensburg“ gegen ein Treffen der rechtspopulistischen Partei deutlich machen, das im wenige hundert Meter entfernten „Dance Club Lavie“ zeitgleich stattfinden sollte. Aber die „Vorstellungsveranstaltung mit Wahlparty“ wurde angesichts der massiven Mobilisierung schon am Freitag abgesagt (wie berichteten), und auch ein zwischenzeitlich geplanter Infostand der AfD fiel aus. Die Demonstranten waren dennoch gekommen – mussten aber bald feststellen, dass ein Protest ohne „Gegner“ ebenso reizlos ist wie eine Partie Schach gegen sich selbst. Einige Familien hatten Kinder mitgebracht, es wurden Blumen verteilt, Flaggen geschwenkt, und fast jeder trug einen Button mit der Aufschrift „Amt Eggebek ist bunt“. Die hatte der SSW kurzfristig drucken lassen.

Mit ein wenig Skepsis und aus einiger Entfernung beobachtete eine ältere Dame das bunte Treiben. „Wir wollen eigentlich gar nicht, dass Eggebek in der Zeitung und im Fernsehen auftaucht“, erklärte sie, „es wäre am besten, die lassen uns und unsere Flüchtlinge einfach in Ruhe.“ Sie kenne eine Familie („Das sind sehr nette Leute“) und habe auch schon in der Landesunterkunft nachgefragt, ob sie sich einmal umschauen könne. „Die Menschen dort haben viel erlebt, aber hier kümmern wir uns um sie“, sagte die Eggebekerin.

„Wir hatten ja schon vorher erreicht, was wir wollten“, sagte Initiator Heinz-Werner Jezewski in einer kleinen Ansprache, „Wir wollen die AfD nicht – und die Veranstaltung wurde ja auch abgesagt. Und das ist gut so.“ Mit ihrer Einstellung gegen Flüchtlinge sei die Partei nicht mehrheitsfähig – und sie werde in den Landesparlamenten scheitern, sagte der Flensburger Linken-Ratsherr voraus: „Sie werden ebenso verdorren, wie zuvor schon die Schill-Partei, die Republikaner und die DVU.“ Die Demonstration richte sich nicht gegen Eggebek oder die Eggebeker. „Wir wollen nicht Eggebeks Ruf schädigen – aber er wäre beschädigt worden, wenn die AfD hier getagt hätte“, so Jezewski. Bei dieser Gelegenheit regte er an, die Flensburger Gruppierung in „Bündnis für einen bunten Norden“ umzubenennen und den Flüchtlingen die Hand zu reichen.

Während sich die Polizei auf das Regeln des Verkehrs beschränkte und mit zwei Fahrzeugen vor dem ursprünglich geplanten Veranstaltungsort wachte, zog die Menge zum Frühlingsmarkt weiter – um mit den Eggebekern über die AfD zu diskutieren. Der politische Wille schien vorhanden zu sein, bei der Umsetzung allerdings haperte es sichtlich. Schon nach wenigen Minuten war zwischen Frittenbude, Frühlingsblumen, Galloway-Mettwurst (ohne Schweinefleisch-Zusatz, wie die Verkäuferin versicherte) und allerlei österlichem Kunsthandwerk kaum noch zu erkennen, wer zum Diskutieren, und wer zum Vergnügen gekommen war.

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