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Gefälschtes Hotelschreiben in Schleswig : Pro und Kontra: Dürfen der AfD Räume vermietet werden?

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Freiheit sollte nicht eingeschränkt werden, ein generelles Hausverbot wäre aber auch ein starkes Zeichen gegen Rechts.

Schleswig | In Schleswig (Kreis Schleswig-Flensburg) sorgt ein gefälschtes Schreiben für Ärger. Darin entschuldigt sich das Hotel Hohenzollern dafür, regelmäßiger Gastgeber der AfD zu sein. Der Hoteldirektor aber weiß nichts von solch einem Brief, stattdessen unterstellt er den Verfassern Urkundenfälschung. Durch das Schreiben ist in der Kreisstadt eine Diskussion entbrannt, ob Räume der AfD vermietet werden dürfen oder nicht?

Ove Jensen, Redakteur bei den Schleswiger-Nachrichten, ist dafür: 

Wer sich in den politischen Wettbewerb begibt, muss damit leben, kritisiert zu werden. Deshalb darf sich die AfD nicht beschweren, wenn ihre Veranstaltungen von Gegendemonstranten begleitet werden. Aber es geht zu weit, Gastwirte wie Uwe Lüth zu verdammen, weil sie der AfD Räume zur Verfügung stellen. Nicht nur bei uns in Schleswig hat die Partei inzwischen Schwierigkeiten, Säle zu finden. Würden alle Wirte vor dem öffentlichen Druck einknicken, hätte diese Partei praktisch keine Chance mehr, sich öffentlich zu betätigen. In einer freien Gesellschaft muss ihr das aber möglich sein. Wer sich auf die Fahnen schreibt, Freiheit und Demokratie gegen Rechtspopulisten zu verteidigen, sollte nicht damit anfangen, die Freiheit von Andersdenkenden einzuschränken. Hier ist etwas mehr Gelassenheit geboten.

Sven Windmann, ebenfalls Redakteur bei den Schleswiger Nachrichten, ist dagegen:

Klar, Urkundenfälschung geht gar nicht. Aber in dem fingierten Brief, in dem Hotelier Uwe Lüth der AfD angeblich eine Abfuhr erteilt, steckt auch ein Stückchen Wahrheit. Denn da ist von einem „weltoffenen Hotel in einer ebenso weltoffenen Stadt“ die Rede. Und genau das trifft zu, sowohl auf das „Hohenzollern“, das Jahr für Jahr Tausende Touristen auch von außerhalb Deutschlands besuchen, als auch auf Schleswig selbst, das für Menschen aus aller Herren Länder längst zum Zuhause geworden ist. Die AfD jedoch gibt sich alles andere als weltoffen. Im Gegenteil: Sie will Deutschland abschotten, setzt auf Populismus statt auf Argumente. Und zwar ganz offen. Warum also sollte man einer Partei ein Forum bieten, die selbst ausgrenzt? Gerade in diesen Tagen wäre ein Hausverbot ein starkes Zeichen gegen Rechts.

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erstellt am 08.Dez.2016 | 11:09 Uhr

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