Ela-Ela : Privat-Chauffeure in Schleswig: Taxigewerbe in Not

Das schwarz-gelbe Taxischild leuchtet nachts vor dem Ela-Ela immer seltener auf.
Das schwarz-gelbe Taxischild leuchtet nachts vor dem Ela-Ela immer seltener auf.

Fahrer klagen über illegale Konkurrenz, die besonders am Wochenende im Internet ihre Dienste anbietet.

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14. April 2018, 07:04 Uhr

Am Wochenende werden sie nachts wieder aufgereiht vor dem Ela-Ela stehen: die Autos der jungen Männer, die gegen Geld Schleswigs Discogänger nach Hause fahren. Die Preise variieren je nach Strecke, aber eines ist ihnen allen gemein: Sie sind deutlich günstiger als die Taxis, die ein paar Meter weiter – immer öfter vergeblich – auf Kundschaft warten.

Das Phänomen ist nicht ganz neu. Schon vor drei Jahren schlugen Taxifahrer, die um ihre Jobs fürchteten, erstmals Alarm. Damals boten die Privat-Chauffeure ihre Dienste vornehmlich in einer Facebook-Gruppe an. Das ist inzwischen offenbar gar nicht mehr nötig. „Die Fahrer haben ihre Stammplätze vor der Discotür und sammeln ihre Passagiere einfach ein“, sagt Taxifahrer Swen Höpner. Was ihn dabei besonders irritiert: Das geschieht oft vor den Augen der Polizei, die am Ela-Ela regelmäßig Präsenz zeigt.

Polizeisprecher Christian Kartheus kann das bestätigen. Allerdings hätten die Beamten kaum eine Handhabe. Die Männer, die gegen Geld ihre Fahrdienste anbieten, verstoßen gegen gleich mehrere Vorschriften. In der Regel haben sie keinen Personenbeförderungsschein, und sie zahlen für ihre Arbeit weder Steuern noch Versicherungsbeiträge. Aber wenn sie sagen, sie würden nur als Freundschaftsdienst gute Bekannte nach Hause fahren, lässt sich das Gegenteil schwer nachweisen. „Wir können nicht einfach das Handy beschlagnahmen und schauen, ob der Fahrer sich in irgendwelchen Whatsapp- oder Facebook-Gruppen anbietet“, sagt Kartheus. Ähnlich geht es dem Zoll und den Ordnungsbehörden.

Die Schleswiger Taxiunternehmen haben ihre Wagen, die am Wochenende nachts im Einsatz sind, längst reduziert. Ein Unternehmer denkt sogar darüber nach, sich ganz aus dem klassischen Tagesgeschäft zurückzuziehen und nur noch Krankenhausfahrten anzubieten, die einen immer größeren Anteil am Umsatz ausmachen – und mit dazu beitragen, dass die Zahl der Taxis im Kreis Schleswig-Flensburg nach Auskunft der Straßenverkehrsbehörde trotz der Privatfahrer vor der Disco bislang nicht gesunken ist.

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