Predigt aus dem Hoffnungsmobil

Im Namen des Herrn unterwegs: Pastor Engel bringt den Segen mit einem Golf-Caddy.
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Im Namen des Herrn unterwegs: Pastor Engel bringt den Segen mit einem Golf-Caddy.

Unterwegs mit einem Golf-Caddy: Pastor Gunnar Engel trägt in der Osternacht kurze Andachten und den Segen nach Wanderup

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09. April 2020, 16:24 Uhr

Wanderup | „Wenn ich predige, ist die Kirche eigentlich nie leer“, hatte der Wanderuper Pastor Gunnar Engel einmal in einem Beitrag des NDR gesagt. Jetzt aber sind wegen der Corona-Pandemie alle Kirchen geschlossen, alle Gottesdienste abgesagt. „Gerade zu Ostern vermisse ich das doch sehr“, sagt Engel, der allerdings schon weit vor dem Auftauchen des Virus neue Medien eingesetzt hat, um die christliche Botschaft zu verbreiten – mit Online-Predigten und Erklär-Videos im Internet zu christlichen Themen.

Diese Technik-Affinität kommt ihm jetzt zugute: Inzwischen gibt es Wohnzimmer-Gottesdienste aus Wanderup, die Kirchengemeinde ist auf Facebook vertreten und auch zu Corona-Zeiten werden Gottesdienste angeboten – zwar nicht mit der gesamten Gemeinde in der Kirche, sondern auf Youtube.

„Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen gehen“, sagt der Pastor und setzt diese Einstellung auch in die Praxis um. Seit Beginn der Corona-Beschränkungen ist er immer freitags mit dem „Hoffnungsmobil“ in Wanderup unterwegs, einer kleinen und sehr sparsamen Variante des „Papamobils“, das eigentlich nur ein elektrischer Golf-Caddy ist. Die Route wird vorab in den sozialen Medien und in Flyern bekanntgegeben und dann surrt Gunnar Engel los. Er bringt den Menschen über einen Lautsprecher, den er auf seinem Gefährt montiert hat, den Abendsegen sowie einen Bibeltext, eine kurze ermutigende Andacht, ein freies Fürbittegebet oder das Vater Unser. Das Projekt „mobiler Abendsegen“ sei das Schönste gewesen, was er als Pastor je gemacht habe, sagt Gunnar Engel. Jeden Freitag eine neue Route, immer neue Zuhörer, immer andere Erlebnisse. „Wenn ich vor der Altenwohnanlage parke, versammeln sich die Menschen vor dem Foyer, in Wohngebieten parke ich gern in einem Wendehammer – da stehen die Leute rundherum vor ihren Häusern oder schauen aus den Fenstern.“

Der Zuspruch ist groß und warmherzig, er reicht von spontanem Applaus bis zu begeisterten Kommentaren im Internet. „Und einmal hatte jemand mit Straßenmalkreide „ein großes ,Danke‘ vor unser Haus geschrieben.“

In der heutigen Osternacht startet Pastor Gunnar Engel mit seinem urigen Gefährt zu einer ganz besonderen Tour durch die Gemeinde. Er will möglichst alle Straßen anfahren und hat den Caddy mit einer großen Lampe ausgestattet. „Um das Licht in den Ort zu tragen“, wie er erklärt. Und der Pastor hofft, dass auch nach dem Ende der Corona-Beschränkungen etwas von den jetzt angestoßenen Aktivitäten übrig bleibt. „Ich sehe das auch als Chance für die Kirche, ihr Image zu verbessern und mehr Menschen als bisher zu erreichen.“

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