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The Voice of Germany 2014 : Powerfrau aus SH will „The Voice“ werden

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Esther Jung (38) ist Vollblutmusikerin. Sie wurde schon mit 15 als Studiosängerin entdeckt und tourte mit ihrer Band „Pink Trouble“ durch ganz Deutschland. Jetzt ist sie Kandidatin bei „The Voice of Germany“.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Wees | Ihre erste eigene Schallplatte war von der Hardrock-Band Uriah Heep, das Cover zeigt einen großen Spiegel und verleiht dem Titel der Scheibe eine besonders persönliche Bedeutung: „Look at yourself“ – schau auf dich selbst. Damals sah Esther Jung in der Spiegelfolie ein Mädchen, das Musik über alles liebt. Das erste Akkordeon vom Opa mit vier, Schulchor mit sechs, dann die erste eigene Gitarre. „So hat alles angefangen“, sagt sie. Heute ist sie 38, hat drei Kinder, und die Musik ist ihr Leben. Sie lehrt Gesang, tourte mit mehreren Bands und Musikprojekten durch Deutschland und Europa, arbeitet als Studiomusikerin und tritt in Clubs zwischen Hamburg und Flensburg auf. Musikalisch hat Esther Jung alles erlebt. Fast alles. Denn jetzt schlägt die Frau aus Wees (Kreis Schleswig-Flensburg) ein neues Kapitel auf, das auf den ersten Blick so gar nicht zu der tätowierten Vollblutsängerin passen will: Kandidatin der neuen Staffel von „The Voice of Germany“ (ProSieben, Sat1).

„Ich hab den Mund immer am weitesten aufgemacht, wenn es darum ging, Casting-Shows zu kritisieren“, schmunzelt sie. Und nun? „The Voice ist anders, da geht es nicht darum, Quote auf Kosten der Kandidaten zu machen“, sagt sie. „Es geht unglaublich fair zu. Und das Niveau ist sehr hoch.“ Musik-, nicht Castingshow nennt Esther Jung das und fühlt sich inzwischen wohl dabei.

Zunächst war sie skeptisch. Ihre älteste Tochter Sophie (17) habe schon vor einem Jahr gesagt: Mama, im nächsten Jahr bist du dabei. „Ich habe die Show gar nicht gekannt. Wir haben seit Jahren keinen Fernseher“, betont Esther Jung. Aber die Großeltern haben einen, und so gingen die Blicke von Sophie, ihrem Bruder Vitali (15) und Schwester Anna (11) vielsagend in ihre Richtung, als dort im Januar der Casting-Aufruf über den Bildschirm flimmerte. „Ich hatte an dem Tag abends sowieso einen Auftritt auf dem Kiez, da bin ich dann vorher beim Casting vorbeigegangen.“

Das Casting im März in Hamburg, erste Runde: hunderte Kandidaten, zweite Runde: deutlich weniger. „Und dann stand ich irgendwann allein da“, sagt die Sängerin. „Ich hätte nie gedacht, dass ich soweit komme.“ Es folgte die nächste Einladung nach Berlin, auch dort überzeugte die Weeserin im Mai. Schließlich flatterte ihr eine Mail ins Postfach: Du bist dabei – Blind Audition.

Das heißt: Esther Jung singt vor den Juroren – Smudo und Michi Beck von den Fantastischen 4, Rea Garvey, Sunrise Avenue-Frontmann Samu Haber und Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß. Die sehen sie nicht, wenden ihr den Rücken zu, nur die Stimme zählt.

Schafft sie es, einen der Coaches mit ihrer Stimme zu überzeugen, geht es in die nächste Runde, ins „Battle“. Dann müsste sie sich im Duett mit einem Konkurrenten aus dem Team ihres Coaches messen. Noch eine Ausscheidungsrunde – das „Knock out“: Die Kandidaten eines Teams treten mit ihren Lieblingssongs gegeneinander an. Sollte Esther Jung diese Runde auch überstehen, wäre sie für die Live-Shows qualifiziert, die sie bis ins Finale führen könnten. Doch das ist – zumindest für die TV-Zuschauer – Zukunftsmusik. Denn die Shows sind bereits abgedreht, die Musiker zum Schweigen verdonnert. Esther Jung hält sich dran.

Was die Juroren betrifft, hatte sie allerdings von vornherein einen klaren Favoriten: Rea Garvey. „Weil er Ire ist. Meine besten Freunde kommen alle aus Irland“, sagt sie. „Und er ist der einzige, den ich vor einigen Jahren live gesehen habe.“ Eigentlich sei ihr dessen Musik zu glatt, zu „überproduziert“, sagt sie. „Aber live war das wirklich beeindruckend, Rea ist eine echte Rampensau.“ Ob sie tatsächlich zusammen für den Finaleinzug arbeiten werden? Esther Jungs Lippen bleiben versiegelt.

Lampenfieber sollte ihr dann fremd sein, denn Stimme hat sie, und das Sammeln von Bühnenerfahrung begann bereits als kleines Mädchen mit Opa, Akkordeon und Gitarre bei den Landfrauen. Mit 15 schrieb sie einen Song für ein Projekt, das der Vater einer Freundin in Lübeck initiiert hatte. „Voll drauf“ richtete sich gegen rechts, Esther Jung sang darin. Kurze Zeit später sprach sie bei einem Auftritt im Jugendzentrum in Bad Segeberg der Produzent und Country-Sänger Bob Whitney an. Er lud sie ins Studio ein, erst einmal, dann öfter. Esther Jung etablierte sich als Background-Sängerin – mit 15. „So habe ich dann auch mein Schauspielstudium finanziert“, erzählt sie. Doch mimen wollte sie nicht, sie wollte singen, und das tat sie in mehreren Bands. Der Typ, die Rockröhre – wild, frech, sexy, ausgeflippt – wie der US-Superstar Pink. Mit der Band „Pink Trouble“ coverte sie die Songs der Amerikanerin und ging bundesweit mit großem Erfolg auf Tournee.

Seit Dezember 2013 lebt die Vollblutmusikerin mit ihrem Lebensgefährten und den drei Kindern im beschaulichen Wees, sucht ein größeres Haus auf dem Land. Sie unterrichtet an der Musikschule Voicebeats in Flensburg, will es musikalisch eigentlich etwas ruhiger angehen lassen. Und nun kommt „The Voice“. Spätestens wenn die letzten Takte des Dolly-Parton-Klassikers „Jolene“ verklungen sind, weiß Esther Jung, ob sie mit dem Ruhigertreten noch etwas warten muss.

Die Folge mit Esther Jung wird am 23. Oktober ausgestrahlt.

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