Amokfahrt in der Idstedter Kieskuhle : „Polizei hätte gezielt schießen dürfen“

Eingekeilt: Kieshaufen beschädigten den  Ford Fiesta eines Badegastes – damit fing der ganze Ärger  an.
Eingekeilt: Kieshaufen beschädigten den Ford Fiesta eines Badegastes – damit fing der ganze Ärger an.

Nach heftigen Diskussionen im Internet über Warnschuss und Führerschein erklärt Pressesprecher Matthias Glamann die Sichtweise der Polizei.

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29. Juli 2014, 07:45 Uhr

Die Vorfälle in einer Kieskuhle in Idstedt haben in ganz Schleswig-Holstein für viel Aufsehen gesorgt. In der vergangenen Woche hatte der Fahrer eines Radladers zunächst das Auto eines Badegastes mit Sandhaufen blockiert und beschädigt. Als die Polizei den Mann darauf ansprach, drehte er durch. Er schob das Auto mit seinem schweren Gerät vor sich her, gefährdete dabei eine Frau und ließ sich auch durch einen Warnschuss nicht stoppen.

In den elektronischen Medien gab es zahlreiche Diskussionen zu diesem Thema. Meist wurde die Geschichte als sommerliche Skurrilität ironisch kommentiert und teilweise sogar ins Lächerliche gezogen. So empfahl ein User, ein solch tatkräftiger Mann könne doch bestens an der Ostsee eingesetzt werden, um Badeverbote durchzusetzen. Aber es gab auch ernsthafte Debatten, an denen sich Augenzeugen und Polizeibeamte beteiligten. Dabei ging es immer wieder um den Warnschuss und die Frage, warum die Polizei dem Mann den Führerschein abgenommen hat.

Zum Führerschein hat Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg, eine klare Aussage parat: „Die Fahrerlaubnis wurde beschlagnahmt, weil der Mann durch seine gefährliche Aktion bewiesen hat, dass er nicht die charakterliche Eignung hat, ein Fahrzeug zu führen.“ Ob und wann der Mann seinen Schein zurückbekommt, wird gerichtlich entschieden. Mit der selben Begründung wird übrigens der Führerschein eingezogen, wenn Alkohol am Steuer im Spiel oder das Punktekonto beim Flensburger Kraftfahrtbundesamt voll ist.

Das Argument, der Mann habe sein Unwesen schließlich auf Privatgelände getrieben, lässt die Polizei nicht gelten. „Wir unterscheiden tatsächlich zwischen öffentlichem Verkehrsraum (Straßen, Plätze ...) und nicht öffentlichem Verkehrsraum. Wer auf seinem eingezäunten Privatgrundstück unterwegs ist, braucht keinen Führerschein. Und er kann sogar betrunken sein, wenn er denn unbedingt will“ , erläutert der Pressesprecher. Beim Gelände rund um die Kieskuhle in Idstedt handle es sich zwar um Privatgelände – dies sei aber zugänglich. Damit ist es für die Polizei ein „tatsächlich öffentlicher Verkehrsraum“. Und da kann man seinen Führerschein verlieren.

Der Einsatz der Schusswaffe ist für die Polizei immer eine heikle Angelegenheit. Es gibt genaue Bestimmungen (Abwendung von Gefahr für Leib und Leben), aber es ist auch eine persönliche Einschätzung der Lage vom jeweiligen Beamten gefordert (Verhältnismäßigkeit.) In der Kieskuhle haben die Polizisten das Leben einer Frau in Gefahr gesehen, die mitgeschleift wurde, als der Täter mit seinem Radlader Sand und Auto vor sich her schob.

Einer der Beamten gab daraufhin einen Warnschuss ab – eine letzte Warnung vor einem gezielten Schuss. „Die Beamten wären in diesem Fall auch berechtigt gewesen, gezielt zu schießen“, lautet die Einschätzung von Matthias Glamann. Sie taten es aber nicht: Die leicht verletzte Frau kam wenige Augenblicke später frei – und als der Radlader auf die Polizisten zusteuerte, konnten diese sich mit einem Sprung zur Seite retten.

Ob die Badegäste sich unrechtmäßig in der Kieskuhle aufgehalten haben, spielt in der Bewertung der späteren Vorfälle nach Glamanns Aussage grundsätzlich keine Rolle. In diesem Fall aber gab es eine Berechtigung – einer der Badegäste gehörte zu den Pächtern des Sees, die sich die Angelrechte gesichert haben.

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