Polizei gelingt Schlag gegen die organisierte Kriminalität

Der Schleswiger Polizei ist ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen. Mit einer konzertierten Aktion haben die Beamten mehrere Banden ausgehoben, die in zahlreichen Geschäften auf Beutezug gegangen sind. Der Wert des sichergestellten Diebesgutes liegt bei 20 000 Euro.

Avatar_shz von
13. Dezember 2008, 03:59 Uhr

Schleswig | Sie kamen zu zweit, zu dritt, zu viert. Ab und zu waren auch Kinder dabei, die aufgeregt umherrannten, um die Verkäufer abzulenken. Unterdessen räumten ältere Geschwister, Eltern oder Onkel und Tanten die Regale leer und verschwanden - ohne zu bezahlen. In einem Modegeschäft im Stadtweg wurde nach den Erkenntnissen der Polizei in der Vorweihnachtszeit mehr gestohlen als im gleichen Zeitraum verkauft worden ist.

Jetzt ist die Polizei den Banden auf die Spur gekommen. Über ihren Fahndungserfolg informierten die Beamten gestern auf einer Pressekonferenz. Sieben mutmaßliche Täter zwischen 26 und 60 Jahren sind vorläufig festgenommen worden. Fast alle Verdächtigen gehören clanartig organisierten Familien aus Aserbeidschan und Armenien an. Nach den Ermittlungen der Fahnder leben sie in Schleswig von staatlicher Unterstützung. Sie wohnen in den gleichen Blocks, sie kennen und helfen sich. Hauptkommissar Frank Neubauer geht davon aus, dass sie täglich auf Beutezug gegangen sind. Die Verdächtigen verfügten laut Polizei über die nötigen Werkzeuge, um Sicherheitsetiketten auszuschalten. Sie wussten, wie sie sich an den Scannern der Läden vorbeimogeln können. "Und sie sind sehr gute Schauspieler", hat Kriminalhauptkommissar Gerd Hegebarth beobachtet. Wurden die Diebe ertappt, setzten sie sich entrüstet zur Wehr. Oder sie täuschten einen Herzinfarkt vor.

Mehrere Diebstähle am Tag waren keine Seltenheit. Denn die Banden verfügten über das, was die Polizei als "mobile Beutelager" bezeichnet: Es handelte sich meist um Kastenwagen, in denen die gestohlenen Waren zwischengelagert wurden. Sobald man die Waren deponiert hatte, ging der Beutezug weiter. Nach den Schätzungen der Ermittler richteten einzelne Diebe pro Tag einen Schaden von 500 Euro an - an sechs Tagen die Woche. Hegebarth schätzt den durch Ladendiebe entstehenden Schaden für die Schleswiger Geschäftswelt auf jährlich mehrere hunderttausend Euro.

Die Diebe gingen nach klaren Mustern vor. Sie nahmen Bestellungen entgegen, die gezielt ausgeführt wurden. Einen Teil der Beute schickten sie per Post in ihre Heimat. Vor allem Markenware ließen sie unbezahlt mitgehen. Bei mehreren Hausdurchsuchungen entdeckte die Polizei ein großes Spektrum an Konsumgütern: Lederjacken, Kosmetika, Spirituosen, Spielzeug und Haushaltsgeräte, aber auch "Kleinigkeiten" wie günstige Unterwäsche. Insgesamt wurden 1000 Beutestücke im Warenwert von 20 000 Euro sichergestellt. Zudem stießen die Fahnder auf 5500 Euro Bargeld. Das Geld wurde im Rahmen der "präventiven Gewinnabschöpfung" der Staatskasse zugeführt.

Nachdem im Herbst erste Hinweise auf verstärkte Aktivitäten von Ladendieben vorlagen, wurde in der Polizei-Zentralstation der "Schwerpunkteinsatz Ladendiebstahl" konzipiert. Seit drei Wochen werden Geschäfte und Verdächtige beobachtet. An einzelnen Tagen waren bis zu 17 Zivilbeamte mit der Fahndung nach Ladendieben beschäftigt. "Insgesamt wurden 880 Einsatzstunden abgeleistet", sagte der stellvertretende Leiter der Polizei-Zentralstation, Frank Neubauer. Die Polizei observierte in der Innenstadt, im Friedrichsberg, in St. Jürgen und bei "real".

So zufrieden die Polizei mit dem Fahndungserfolg ist, so unzufrieden ist sie mit der juristischen Bewertung der Fälle. Ladendiebstähle würden von der Justiz oftmals als "Kavaliersdelikt" eingestuft, sagte Gerd Hegebarth: "Es wird nicht immer erkannt, dass wir es hier mit organisierter Kriminalität zu tun haben."

Alle Festgenommenen befinden sich wieder auf freiem Fuß.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen