Langballig / Unewatt : Politiker auf Land-Partie

Direktor Dirk Wenzel gibt einen Überblick über die Arbeit der Kulturstiftung im Kreis.
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Direktor Dirk Wenzel gibt einen Überblick über die Arbeit der Kulturstiftung im Kreis.

Der neue Kulturausschuss des Kreises konstituiert sich im Landschaftsmuseum Unewatt – von Anette Schnoor

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06. September 2018, 16:32 Uhr

Es gibt Kaffee und Gebäck. Durch die offene Veranda-Tür dröhnen die Landmaschinen vom Feld nebenan. Aussaat. „Winter-Gerste“, vermutet einer. Früher wäre das im stattlichen Christesen-Haus ein Thema gewesen. An diesem Tag geht es im einstmals prächtigen Saal des alten Unewatter Bauernhauses um anderes. Hier tagen die 17 Mitglieder des neuen Kulturausschusses, und sie haben ein sattes Programm: Unter der straffen Leitung ihres Vorsitzenden Ingo Degner (SPD) werden sie – nach einem entspannten Besichtigungs-Rundgang durch das Landschaftsmuseum – die kommenden Stunden mit verschiedenen Vorträge zur Bildungs- und Kulturlandschaft des Kreises verbringen.

Masterplan SchulbauGleich zu Anfang geht es um viel Geld: Das BBZ in Schleswig, sagt Schulleiterin Kirsten Lemke, sei komplett veraltet. Ein Masterplan Bausanierung für die kommenden zehn Jahre soll Abhilfe schaffen. Der enthalte „eine „Liste der Notwendigkeiten“ von der Instandsetzung alter bis zur Beschaffung neuer Räumlichkeiten, alles gleichermaßen wichtig, erläutert Lemke. „Prioritäten haben wir nicht.“ Nur gemacht werden sollte alles mit Blick auf den Bedarf der Zukunft. „Da kommen Summen zusammen. Das ist uns bewusst.“

Aktuell weist der Wirtschaftsplan bereits große Posten aus, die die Mitglieder im neu zusammengesetzten Ausschuss zur Kenntnis nehmen: 1,3 Millionen Euro plus weiterer 200 000 Euro für Unvorhergesehenes sind was Schulbaumaßnahmen für 2018 betrifft eingestellt. Das BBZ mit seinen Standorten in Schleswig und Kappeln, die Schule am Markt in Süderbrarup und die Peter-Härtling-Schule in Schleswig profitieren davon.

Lange Schatten wirft daneben die Erweiterung des BBZ-Internats voraus. Im Januar 2019 soll mit der Umsetzung des knapp vier Millionen teuren Projektes begonnen werden. Für Kirsten Lemke sind das goldenen Aussichten. „Dann können auch Schüler zu uns kommen, die aktuell nach Hamburg müssen.“ Grund zur Freude haben Ingo Degner und seinen Ausschuss deshalb allemal – daneben aber auch die Aufgabe angesichts der anstehenden Ausgabenfülle strategisch vorzugehen. Eine noch zu bildende Arbeitsgemeinschaft soll in Kürze eine Prioritätenliste erstellen.

Im „Jahr des cellos“Dann kommen die Berichte der Kulturstiftung: Viele Informationen und Zahlen haben Direktor Dirk Wenzel und seine Kollegen im Köcher. Claudia Koch berichtet von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit Dänemark, Musikschulleiter Willi Neu schlägt den großen Bogen vom „Wacken Music Camp“ für Pop- und Rockmusik bis zum Jahr des Cellos (inklusive der Teilnahme am „Cello für alle“ vom 14. bis 19. Oktober im Nordkolleg Rendsburg), weiter zu Seniorenorchester und musiktherapeutischen Angeboten. Aktuell werden kreisweit 3036 Schüler von 66 Lehrern unterrichtet – angesichts der bevorstehenden Verrentungen droht allerdings ein Lehrermangel.

Neustart in UnewattDann geht es um das Landschaftsmuseum Unewatt. Leiterin Inga Latendorf das Wort. Seit drei Jahren ist sie im Amt. Zeit, die sie genutzt hat, um das in den 1990ern geschaffene Landschaftsmuseum mit seinen 69 Einwohnern unterstützt insbesondere auch vom alteingesessenen Förderverein zu professionalisieren. Das – so klingt es zwischen ihren Worten durch – muss zwischenzeitlich schmerzhaft gewesen sein. Auf dem Weg zu einer freiwilligen Zertifizierung gebe es jetzt viel zu tun, führt Latendorf aus. Hauptaufgabe: Die fünf Museumsinseln Marxenhof, Trasformatorenhaus und Räucherei, Christesen-Scheune, Buttermühle und Windmühle Fortuna sollen attraktiver präsentiert werden. Ein „Freizeitpark“, wie ihn Wolfgang Warwel (FW) von der Zuschauerbank aus vorschlägt, soll es nicht gerade werden, aber doch „ein Magnet für Museumsbesucher“. 2019 werde sich dafür in der optischen Präsentation etwas tun, verspricht Latendorf, die ansonsten mit der Saison – abgesehen von wetterbedingten Ausfällen – zufrieden ist und auf den bevorstehenden Klassiker hinweist: „Am 6. und 7. Oktober ist wieder Unewatter Landmarkt.“

Dann kommt die Rede aufs Christesen-Haus, seine Sanierung und dessen wechselvolle Geschichte: Planung, neue Förder-Richtlinien 2016, neue Planung, Förderzusagen nur für die Herrichtung des Erdgeschosses (wir berichteten). Nun schöpft Stiftungsdirektor Dirk Wenzel neue Hoffnung: Nach dem Besuch von Kulturministerin Karin Prien (CDU) im Sommer stehe die Förderung der Sanierung des Hauses samt Dachgeschoss und Fahrstuhl in Aussicht. Für die weitere Planung erhält er den Segen des Ausschusses – mit der Maßgabe, dass das Projekt mindestens in Höhe von 50 Prozent gefördert wird.

Haus der geschichte Dann schließlich wird Degner noch einmal ernst: Er hält ein Plädoyer für die Einrichtung eines „Hauses der Landesgeschichte“ in Schleswig mit seinen vielen geschichtsträchtigen Einrichtungen, vielleicht auch Idstedt, jedenfalls aber nicht Kiel, wie es aktuell im Gespräch ist. Ja, ein erster Schritt könne auch ein Online-Angebot sein. Alle Anwesenden sind sich schließlich einig, den Kreistag hier um vollen Einsatz zu zu bitten. Degner: „Wir müssen laut ,Hier’ schreien. Die Einrichtung eines Hauses der Geschichte in Schleswig hat erste Priorität.“

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