Kreis Schleswig-FLensburg : Politik will Familienzentren stärken

Die Bedürfnisse von Familien können nicht in allen Orten im Kreis erfüllt werden. Helfen sollen Familienzentren wie in Schafflund, Mittelangeln und Süderbrarup.
Die Bedürfnisse von Familien können nicht in allen Orten im Kreis erfüllt werden. Helfen sollen Familienzentren wie in Schafflund, Mittelangeln und Süderbrarup.

Der Jugendhilfeausschuss im Kreis Schleswig-Flensburg spricht sich für Förderung durch den Kreis aus. Die Finanzierung ist noch nicht gesichert.

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03. Juni 2015, 12:12 Uhr

Mit jeweils 25  000 Euro im Jahr soll der Kreis die Familienzentren in Mittelangeln, Süderbrarup und Schafflund auch weiterhin fördern. Darauf haben sich die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses des Kreistages am Montag verständigt. Allerdings müsste dies unter neuen Vorzeichen geschehen. Die dreijährige Projektphase, im Rahmen derer die Zentren eingerichtet wurden, läuft am Jahresende aus. Somit gelten die Ausgaben als so genannte freiwillige Leistungen, und die stehen von Jahr zu Jahr auf dem Prüfstand, weil der Kreis weiterhin als finanzschwach gilt und unter den Bedingungen der Konsolidierungshilfe durch das Land wirtschaften muss. Obwohl sich die drei Einrichtungen als Erfolgsgeschichte herausstellen, ist die Finanzierung durch den Kreistags keinesfalls sicher.

Ausschussvorsitzende Karin Carstensen (CDU) machte deutlich: „Wir können so ein Modellprojekt nicht im Regen stehen lassen!“ Dietmar Gräwe (FDP), beratendes Mitglied im Ausschuss und Sozialpädagoge, bekräftigte dies mit Blick auf das Familienzentrum in Mittelangeln. „Wenn wir vom Kreis alleingelassen werden, bricht das zusammen!“

Am 1. Januar 2013 startet das Modellprojekt „Familienzentren im Kreis Schleswig-Flensburg“. Zuvor war in einer Untersuchung deutlich geworden, dass der Kreis zwar das Logo „familienfreundlich“ trägt, dass es in vielen Gemeinden, Ämtern und Städten aber an Angeboten für Familien fehlt. Die Kreisgremien beschlossen daraufhin, an vier Modellstandorten Familienzentren einzurichten und diese als frühzeitige Anlauf- und Hilfestellung für Familien zu etablieren.

Die Familienzentren sollten Angebote im Zusammenwirken mit weiteren Trägern in den Bereichen Kinderbetreuung, Beratung, Familienbildung sowie Hilfen für Familien machen, den Kontakt zu Familienhebammen herstellen und sich zu offenen Treffpunkten entwickeln. Neben den Jugendämtern sollten Beratungsstellen, Familienbildungsstätten, Kindertagesstätten, Volkshochschulen und Ortskulturringe mit ins Boot geholt werden, um möglichst breit aufgestellte Netzwerke zu entwickeln, die dann niederschwellig Hilfe bereithalten.

Bis auf Kropp, wo das Projekt scheiterte, hat das offenkundig gut funktioniert. Die Koordinatorin des Familienzentrums in Süderbrarup, Annedore Rönnau: „Für uns hat sich die räumliche Nähe zu Kindergarten und Beratungsstelle bewährt. Wir sind zu einem verlässlichen Partner geworden, wenn es um die Bedarfe von Familien und der jungen Generation geht.“

Annika Peters, Koordinatorin des Familienzentrums Mittelangeln, resümiert ebenfalls positiv. „Wir haben uns etabliert und haben einen guten Zulauf aus der Bevölkerung“, sagte sie vor dem Ausschuss. Neben der Vernetzung bestehender Angebote biete die Einrichtung auch viel Eigenes. So habe man beispielsweise in Mittelangeln mit der Neugeborenen-Begrüßung im vergangenen Jahr 26 Prozent aller jungen Familien mit Neugeborenen erreicht. Es gebe eine gute Zusammenarbeit mit dem DRK (Kleiderkammer und Kaffee) sowie mit den Hebammen in der Region. Künftig will sich das Familienzentrum verstärkt um Alleinerziehende im SGB-II-Bezug (Hartz IV) kümmern.

Aus Schafflund berichtete Cornelia Schmidt, dass sich die Einrichtung gut etabliert habe und es künftig darum gehen werde, die Angebote im ganzen Amtsbereich noch bekannter zu machen. Das Ziel, alltagsnahe und niederschwellige Angebote zu machen, erreiche man auch durch die enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern sehr gut.

Die statistische Auswertung des Kreises belegt die Einschätzung aus den drei Familienzentren. Je Standort seien bis zu 20 Prozent aller Null- bis 14-Jährigen und bis zu 15 Prozent aller unter 18-Jährigen erreicht worden.

Neben den Plänen, auch in Schleswig entsprechende Angebote aufzubauen, wird in Kropp ein Neuanfang diskutiert. Denn dort fehlte es nach Aussage des Kreises beim ersten Versuch nicht nur an einer „konkreten Zielstellung“, sondern auch die Raumfrage habe sich nicht zufriedenstellend lösen lassen. Angedacht ist nun, in Kropp ein neues Familienzentrum in Kita-Trägerschaft und mit Landesmitteln aufzubauen.

Für die drei bestehenden Einrichtungen bedeutet das Scheitern Kropps, dass sie für 2015 insgesamt maximal 18  000 Euro zusätzlich erhalten, so dass der Kreis 93  000 Euro bereitstellen muss. Die Fördersumme ab 2016 würde wieder 75  000 Euro betragen, wenn der Kreistag dem zustimmt. Mittel in gleicher Höhe haben die drei Trägergemeinden bereits zugesagt. 

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