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Baltic Open Air in Schleswig : Politik macht Front gegen „Frei.Wild“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Umstrittene Band auf dem „Baltic Open Air“: Bürgermeister kündigt erhöhte Sicherheitsvorkehrungen an.

von
erstellt am 07.Mär.2015 | 19:12 Uhr

Der Auftritt der umstrittenen Südtiroler Band „Frei.Wild“ beim Baltic Open Air am 28. August auf der Freiheit hat jetzt auch Ordnungsamt und Polizei auf den Plan gerufen. Man gehe von einer „abstrakten Gefahr“ aus, erklärte Bürgermeister Arthur Christiansen vor dem Kulturausschuss im Rathaus. Die öffentliche Diskussion um die Band und ihre mögliche Nähe zu rechtsextremem Gedankengut habe zu einer „Eskalationsspirale“ geführt, die schwer einzuschätzen sei. Vom Veranstalter Daniel Spinler erwarte er „in erheblichem Maße Vorleistungen zu erbringen, damit bestimmte Szenarien nicht eintreffen“.

An welche Szenarien er dabei denkt, sagte Christiansen nicht, er erklärte jedoch: „Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, löst man die Veranstaltung auf. Aber so weit muss es nicht kommen.“ Zwar verlaufen Auftritte von „Frei.Wild“ meist ebenso friedlich wie Konzerte anderer, politisch unverdächtiger Rockbands, jedoch kommt es im Umfeld der Auftritte immer wieder zu Zwischenfällen. So hatte zum Beispiel der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler berichtet, von einem Frei.Wild-Fan attackiert worden zu sein, nachdem er auf einer Kundgebung gegen ein Konzert der Band in Hannover gesprochen hatte. Protestaktionen sind auch für Schleswig bereits angekündigt.

Im Kulturausschuss bezogen SPD-Fraktionschef Stephan Dose und die Ausschuss-Vorsitzende Babette Tewes mit klaren Worten Stellung. „Diese Band ist nach meiner Auffassung klar rechtsradikal. Jede offizielle Distanzierung ist nur eine Masche“, fand Dose. An die Stadtverwaltung richtete er die Bitte, „zu prüfen, ob man da irgendwas machen kann“. Dabei ist klar: Die Stadt hat keine Chance, den Auftritt der Band zu verhindern. Das Festival findet auf privatem Grund und Boden statt. Christiansen erklärte: „Diese Gruppe passt nicht zu unserer Willkommenskultur. Die können gern in Südtirol bleiben. Hier müssen wir sie nicht haben.“ Einen Auftritt von „Frei.Wild“ auf einer Veranstaltung in der Zuständigkeit der Stadt Schleswig hätte er auf keinen Fall zugelassen.

Tewes ärgerte sich besonders darüber, dass der Veranstalter „Frei.Wild“ verpflichtet habe, nachdem man ihm bereits mitgeteilt habe, dass man über den Auftritt von Kevin Russell, dem Sänger der ebenfalls politisch umstrittenen „Böhsen Onkelz“, nicht glücklich sei. „Wir bei den Grünen sind einigermaßen empört“, sagte die Ausschuss-Vorsitzende.

Etwas zurückhaltender äußerte sich Heinrich Bömer von der CDU. „Am besten einfach ignorieren! Wir sollten die Angelegenheit nicht überbewerten, damit es sich nicht weiter hochschaukelt“, mahnte er. Dem widersprach Stephan Dose: „Wir sollten es nicht ignorieren. Die Politik hat auch die Aufgabe, Position zu beziehen.“ Dem Vorschlag von Babette Tewes, im Namen des Kulturausschusses einen Brief an Spinler zu schreiben, um Besorgnis zum Ausdruck zu bringen, widersprach auch Bömer nicht.

Unabhängig davon sucht die Stadt nun das Gespräch mit Spinler und mit der Polizei, um über ein Sicherheitskonzept für das Baltic Open Air zu reden. Die Polizei hat dazu erst für die kommende Woche nähere Auskünfte angekündigt. Christiansen verweist darauf, dass der Veranstalter die anfallenden Kosten für die Sicherheit tragen müsse. Es werde nicht ausreichen, die Präsenz privater Sicherheitsdienste zu erhöhen. „Bestimmte Dinge lässt sich die Polizei nicht aus der Hand nehmen.“

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